Die Gesamtkapitalrentabilität (auch: Return on Assets oder Gesamtkapitalrendite) misst, wie effizient ein Unternehmen sein gesamtes eingesetztes Kapital nutzt – unabhängig davon, ob es aus Eigen- oder Fremdkapital stammt. Damit ist sie eine der wichtigsten Kennzahlen der Bilanzanalyse und ergänzt die Eigenkapitalrentabilität.
Inhaltsverzeichnis
Die Formel
Gesamtkapitalrentabilität = (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital × 100
| Variable | Bedeutung | Quelle |
|---|---|---|
| Jahresüberschuss | Gewinn nach Steuern | GuV |
| Fremdkapitalzinsen | Gezahlte Zinsen auf Fremdkapital | GuV (Zinsaufwand) |
| Gesamtkapital | Bilanzsumme (EK + FK) | Bilanz |
Die Fremdkapitalzinsen werden addiert, um die Kapitalstruktur auszuklammern – so lassen sich Unternehmen mit unterschiedlichem Verschuldungsgrad fair vergleichen.
Beispielrechnung
| Position | Wert |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 120.000 € |
| Fremdkapitalzinsen | 30.000 € |
| Bilanzsumme (Gesamtkapital) | 1.500.000 € |
| Gesamtkapitalrentabilität | (120.000 + 30.000) / 1.500.000 × 100 = 10 % |
Interpretation und Richtwerte
Die GKR sagt aus, wie viel Prozent des eingesetzten Kapitals als Gewinn (vor Zinsen) erwirtschaftet wurden. Als Mindestwert gilt der Fremdkapitalzinssatz: Liegt die GKR unter dem Zinssatz für Kredite, vernichtet das Unternehmen Wert – es wäre rentabler, das Kapital am Markt anzulegen.
| GKR | Bewertung |
|---|---|
| < 2 % | Kritisch – Kapitalkosten kaum gedeckt |
| 2–5 % | Durchschnittlich – branchenabhängig |
| 5–10 % | Gut – rentabler Kapitaleinsatz |
| > 10 % | Sehr gut – starke Kapitaleffizienz |
GKR vs. EKR – der Vergleich
| Kennzahl | Misst | Nenner | Typischer Nutzer |
|---|---|---|---|
| Gesamtkapitalrentabilität | Effizienz des Gesamtkapitals | Bilanzsumme | Gläubiger, Analysten |
| Eigenkapitalrentabilität | Rendite für Eigentümer | Eigenkapital | Aktionäre, Investoren |
Wenn die GKR über dem Fremdkapitalzinssatz liegt, erhöht zusätzliche Fremdfinanzierung die Eigenkapitalrendite – das ist der Leverage-Effekt.
Leverage-Effekt: Zusammenhang GKR und EKR
Wenn die Gesamtkapitalrentabilität (GKR) über dem Fremdkapitalzinssatz liegt, erhöht zusätzliche Fremdfinanzierung die Eigenkapitalrendite (EKR). Das ist der positive Leverage-Effekt:
EKR = GKR + (GKR − FK-Zins) × Verschuldungsgrad
Beispiel mit den obigen Daten (GKR = 10 %, FK-Zins = 4 %):
| Szenario | EK | FK | GK | Verschuldungsgrad | EKR |
|---|---|---|---|---|---|
| Konservativ | 1.000.000 € | 500.000 € | 1.500.000 € | 50 % | 10 % + (10 %−4 %) × 0,5 = 13 % |
| Aggressiv | 500.000 € | 1.000.000 € | 1.500.000 € | 200 % | 10 % + (10 %−4 %) × 2,0 = 22 % |
Je mehr Fremdkapital, desto höher die EKR – solange GKR > FK-Zins. Dreht sich das Verhältnis um (GKR sinkt unter FK-Zins, z. B. in der Krise), schlägt der Leverage-Effekt negativ um und die EKR fällt stärker als die GKR.
Übungsaufgabe mit Lösung
Unternehmen B: Jahresüberschuss 80.000 €, Zinsaufwand 20.000 €, Bilanzsumme 1.000.000 €.
- GKR = (80.000 + 20.000) / 1.000.000 × 100 = 10 %
- Beurteilung: Wenn der Fremdkapitalzinssatz 4 % beträgt, liegt die GKR deutlich darüber – Fremdfinanzierung ist vorteilhaft (positiver Leverage-Effekt).
- Mindestwert: Die GKR muss mindestens dem Fremdkapitalzinssatz entsprechen, sonst werden Kapitalkosten nicht gedeckt.
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Prüfungstipp: Im Nenner steht immer das Gesamtkapital (Bilanzsumme), im Zähler Jahresüberschuss + Zinsen – die Zinsen werden addiert, damit die Kapitalstruktur keinen Einfluss hat.