Rentabilitätskennzahlen zeigen, wie effizient ein Unternehmen eingesetztes Kapital oder Umsätze in Gewinn umwandelt. Diese Übungsaufgaben trainieren die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen mit vollständigen Lösungen und Interpretationen.
Die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Formel | Aussage |
|---|---|---|
| Eigenkapitalrentabilität (EKR) | Jahresüberschuss / Eigenkapital × 100 | Rendite auf das EK der Gesellschafter |
| Gesamtkapitalrentabilität (GKR) | (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital × 100 | Gesamtverzinsung des eingesetzten Kapitals |
| Umsatzrentabilität (UR) | Jahresüberschuss / Umsatz × 100 | Gewinnmarge je Umsatz-Euro |
| ROI (Return on Investment) | Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag | Gesamtrendite nach Du Pont |
| EBIT-Marge | EBIT / Umsatz × 100 | Operative Rentabilität vor Zinsen und Steuern |
Aufgabe 1: Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität berechnen
Bilanz der Müller GmbH: Eigenkapital 400.000 €, Fremdkapital 600.000 €, Gesamtkapital 1.000.000 €. GuV: Jahresüberschuss 60.000 €, Fremdkapitalzinsen 30.000 €.
Lösung Aufgabe 1:
| Kennzahl | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Eigenkapitalrentabilität | 60.000 / 400.000 × 100 | 15,0 % |
| Gesamtkapitalrentabilität | (60.000 + 30.000) / 1.000.000 × 100 | 9,0 % |
| Fremdkapitalzinssatz | 30.000 / 600.000 × 100 | 5,0 % |
Leverage-Interpretation: Da GKR (9 %) > Fremdkapitalzinssatz (5 %), wirkt der Leverage-Effekt positiv: Die Aufnahme von Fremdkapital erhöht die EK-Rentabilität. Die EKR (15 %) ist deutlich höher als die GKR (9 %).
Aufgabe 2: ROI nach Du Pont berechnen
Umsatz: 2.000.000 €, Jahresüberschuss: 100.000 €, Gesamtkapital: 1.250.000 €.
Lösung Aufgabe 2:
| Schritt | Berechnung | Wert |
|---|---|---|
| Umsatzrentabilität | 100.000 / 2.000.000 × 100 | 5,0 % |
| Kapitalumschlag | 2.000.000 / 1.250.000 | 1,6 |
| ROI | 5,0 % × 1,6 | 8,0 % |
Alternativ direkt: ROI = 100.000 / 1.250.000 × 100 = 8,0 %
Aufgabe 3: Branchenvergleich und Interpretation
Vergleiche zwei Unternehmen derselben Branche (Branchenrichtwert ROI: 10 %):
| Kennzahl | Unternehmen A | Unternehmen B | Branche |
|---|---|---|---|
| Umsatzrentabilität | 3 % | 8 % | 5 % |
| Kapitalumschlag | 4,0 | 1,5 | 2,0 |
| ROI | 12 % | 12 % | 10 % |
Beide Unternehmen erzielen denselben ROI (12 %), aber auf unterschiedlichem Weg: A hat eine niedrige Marge, aber hohen Umschlag (typisch: Discounter). B hat hohe Marge, aber niedrigen Umschlag (typisch: Premium-Anbieter). Beide übertreffen den Branchendurchschnitt.
Aufgabe 4: Rentabilitätsentwicklung im Zeitvergleich
Beurteile die Entwicklung der Bäcker AG über 3 Jahre:
| Jahr | Umsatz | EBIT | Jahresüberschuss | GK |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 5.000.000 | 400.000 | 250.000 | 2.000.000 |
| 2 | 5.500.000 | 385.000 | 220.000 | 2.100.000 |
| 3 | 6.000.000 | 360.000 | 180.000 | 2.200.000 |
Lösung Aufgabe 4:
| Jahr | EBIT-Marge | GKR | Trend |
|---|---|---|---|
| 1 | 8,0 % | 12,5 % | – |
| 2 | 7,0 % | 10,5 % | Sinkend |
| 3 | 6,0 % | 8,2 % | Weiter sinkend |
Obwohl der Umsatz steigt, sinken alle Rentabilitätskennzahlen. Dies deutet auf steigende Kosten hin, die die Umsatzgewinne überproportional aufzehren. Handlungsbedarf!
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Prüfungstipp: Rentabilitätskennzahlen müssen nicht nur berechnet, sondern auch interpretiert werden. Übe stets auch den Kommentar: Ist die Kennzahl gut? Was sind mögliche Ursachen für Veränderungen?