Die Grenzplankostenrechnung (GPK) ist ein modernes Kostenrechnungssystem, das Plankosten- und Grenzkosten-/Teilkostenrechnung kombiniert. Es ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Kostenrechnungssystem in der Praxis. Im Gegensatz zur Vollkostenrechnung werden bei der GPK nur variable Kosten auf die Kostenträger verrechnet – fixe Kosten werden als Periodenkosten behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Grundprinzipien der Grenzplankostenrechnung
| Merkmal | Grenzplankostenrechnung |
|---|---|
| Kostenbasis | Nur variable (Grenz-)Kosten werden auf Produkte verrechnet |
| Fixkosten | Werden als Periodenkosten separat ausgewiesen (nicht auf Produkte) |
| Planorientierung | Arbeitet mit Sollkosten (Plankostenansatz) |
| Abweichungsanalyse | Unterscheidet Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung |
| Entscheidungsrelevanz | Variable Kosten sind für kurzfristige Entscheidungen relevant |
Aufbau der Grenzplankostenrechnung
Die GPK ist dreistufig aufgebaut:
- Grenzplankostenrechnung in der Kostenartenrechnung: Trennung von variablen und fixen Kosten für jede Kostenart
- Grenzplankostenrechnung in der Kostenstellenrechnung: Verrechnung nur der variablen Kosten auf Kostenstellen; Fixkosten werden separat erfasst
- Grenzplankostenrechnung in der Kostenträgerrechnung: Kalkulation der Produkte nur mit variablen Herstellkosten
Abweichungsanalyse in der GPK
Die GPK unterscheidet zwei wesentliche Abweichungsarten:
| Abweichungsart | Ursache | Formel |
|---|---|---|
| Verbrauchsabweichung | Mehr/weniger Ressourcen verbraucht als geplant | Sollkosten – Istkosten |
| Beschäftigungsabweichung | Andere Auslastung als geplant (nur bei Fixkosten) | Fixkosten × (Plan-BKF – Ist-BKF) |
Vergleich: GPK vs. Vollkostenrechnung
| Kriterium | Grenzplankostenrechnung | Vollkostenrechnung |
|---|---|---|
| Fixkostenverrechnung | Nicht auf Produkte verrechnet | Vollständig auf Produkte verrechnet |
| Lagerbewerung | Zu variablen Herstellkosten | Zu Vollherstellkosten |
| Deckungsbeitrag | Explizit ausgewiesen | Nicht direkt sichtbar |
| Entscheidungseignung | Besser (keine Fixkostenverzerrung) | Schlechter (Fixkostenverzerrung möglich) |
| Handelsrechtliche Bewertung | Nicht zulässig (§ 255 HGB) | Zulässig |
Beispiel: Deckungsbeitrag in der GPK
| Position | Produkt A | Produkt B |
|---|---|---|
| Verkaufspreis | 100 € | 80 € |
| Variable Kosten | 60 € | 70 € |
| Deckungsbeitrag | 40 € | 10 € |
| Fixkosten (Periodenkosten) | 200.000 € gesamt | |
Produkt A hat einen deutlich höheren Deckungsbeitrag und sollte bei Kapazitätsengpässen bevorzugt werden.
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Prüfungstipp: Der Kernunterschied zur Vollkostenrechnung: In der GPK werden Fixkosten nicht auf Produkte verrechnet, sondern als Periodenkosten behandelt. Das vermeidet die „Fixkostenpropagation“ und liefert bessere Entscheidungsgrundlagen für kurzfristige Entscheidungen.