BWA – Betriebswirtschaftliche Auswertung: Aufbau, Lesen und Interpretation

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Die Betriebswirtschaftliche Auswertung – kurz BWA – ist eine monatliche Ergebnisübersicht, die Unternehmer und Steuerberater nutzen, um die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zeitnah zu beurteilen. Sie ist kein Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses, aber ein unverzichtbares Steuerungsinstrument in der Praxis.

Was ist die BWA?

Die BWA wird monatlich oder quartalsweise aus den Buchhaltungsdaten erstellt. Sie zeigt Erlöse, Kosten und vorläufiges Betriebsergebnis – oft schon wenige Wochen nach Ende des Berichtsmonats. Im Gegensatz zum Jahresabschluss ist sie nicht nach GoB aufzustellen und nicht prüfungspflichtig.

Merkmal BWA Jahresabschluss
Häufigkeit Monatlich / quartalsweise Jährlich
Rechtsgrundlage Keine Pflicht HGB-Pflicht
Aktualität Sehr zeitnah Rückwirkend
Prüfungspflicht Nein Ab bestimmten Größenklassen ja
Abgrenzungen/Rückstellungen Oft nicht vollständig Vollständig

Aufbau einer Standard-BWA (nach DATEV)

Die verbreitetste BWA-Form ist die Kurz-BWA (Standard-BWA) nach DATEV:

Position Betrag (Beispiel)
Umsatzerlöse 250.000 €
+ Bestandsveränderungen und AEL 5.000 €
= Gesamtleistung 255.000 €
– Materialaufwand – 80.000 €
= Rohertrag 175.000 €
– Personalkosten – 90.000 €
– Raumkosten – 18.000 €
– Abschreibungen – 12.000 €
– Sonstige betriebliche Aufwendungen – 25.000 €
= Betriebsergebnis (EBIT) 30.000 €
+/– Finanzergebnis – 4.000 €
= Vorläufiges Ergebnis 26.000 €

Wichtige Kennzahlen aus der BWA

Kennzahl Berechnung Aussage
Rohertragsquote Rohertrag / Gesamtleistung × 100 Effizienz der Leistungserstellung
Personalkostenquote Personalkosten / Gesamtleistung × 100 Personalintensität
Betriebsergebnisquote Betriebsergebnis / Gesamtleistung × 100 Operative Rentabilität
Materialquote Materialaufwand / Gesamtleistung × 100 Materialintensität

Beispiel: Interpretation einer BWA

Im vorigen Beispiel ergeben sich folgende Quoten:

Kennzahl Wert Bewertung
Rohertragsquote 175.000 / 255.000 = 68,6 % Gut für einen Dienstleister
Personalkostenquote 90.000 / 255.000 = 35,3 % Im branchenüblichen Bereich
Betriebsergebnisquote 30.000 / 255.000 = 11,8 % Solide Rentabilität

Grenzen der BWA

Die BWA ist kein vollständiger Jahresabschluss. Typische Schwachstellen:

  • Periodenabgrenzungen fehlen oft (Urlaubs-, Weihnachtsgeld noch nicht gebucht)
  • Rückstellungen werden erst am Jahresende gebildet
  • Vorläufige Werte können sich noch ändern
  • Ohne Vergleichszahlen schwer zu interpretieren

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Prüfungstipp: Die BWA ist kein Klausurstandardthema, aber in Prüfungen zu Unternehmenssteuerung und Controlling wird sie als praxisrelevantes Instrument thematisiert. Verstehe den Aufbau und die Grenzen.

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