Die Balanced Scorecard (BSC) ist ein Managementinstrument zur Umsetzung von Unternehmensstrategien, das von Robert Kaplan und David Norton entwickelt wurde. Sie übersetzt die Vision und Strategie eines Unternehmens in ein ausgewogenes („balanced“) System aus finanziellen und nicht-finanziellen Kennzahlen und betrachtet dabei das Unternehmen aus vier unterschiedlichen Perspektiven. So wird Strategie messbar und operativ steuerbar.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Balanced Scorecard?
Die Balanced Scorecard ist mehr als ein reines Kennzahlensystem: Sie verbindet strategische Ziele mit konkreten Messgrößen, Zielwerten und Maßnahmen. Der Grundgedanke ist, dass eine rein finanzielle Betrachtung zu kurz greift, weil sie nur die Vergangenheit abbildet. Die BSC ergänzt daher die Finanzsicht um Kunden-, Prozess- und Entwicklungsaspekte, die den künftigen Erfolg bestimmen. So entsteht ein ausgewogenes Bild aus Frühindikatoren (leading indicators) und Spätindikatoren (lagging indicators) der Unternehmensleistung. Ziel ist es, die Strategie in allen Bereichen des Unternehmens verständlich und umsetzbar zu machen.
Die vier Perspektiven
Die Balanced Scorecard betrachtet vier miteinander verknüpfte Perspektiven, die in einer Ursache-Wirkungs-Kette stehen:
- Finanzperspektive: Wie sehen uns die Anteilseigner? Kennzahlen wie Umsatzrentabilität, Cashflow oder Eigenkapitalrentabilität.
- Kundenperspektive: Wie sehen uns die Kunden? Kennzahlen wie Kundenzufriedenheit, Marktanteil oder Reklamationsquote.
- Interne Prozessperspektive: In welchen Prozessen müssen wir uns auszeichnen? Kennzahlen wie Durchlaufzeit, Ausschussquote oder Termintreue.
- Lern- und Entwicklungsperspektive: Wie können wir uns weiter verbessern? Kennzahlen wie Mitarbeiterqualifikation, Fluktuation oder Innovationsrate.
Für jede Perspektive werden Ziele, Messgrößen, Zielwerte und konkrete Maßnahmen festgelegt.
Beispiel für eine Balanced Scorecard
Ein Unternehmen verfolgt das strategische Ziel „profitables Wachstum“. In der Balanced Scorecard könnte dies wie folgt heruntergebrochen werden:
- Finanzen: Ziel Umsatzsteigerung 10 %, Messgröße Jahresumsatz, Maßnahme Ausbau des Vertriebs.
- Kunden: Ziel Kundenzufriedenheit 90 %, Messgröße Zufriedenheitsindex, Maßnahme besserer Service.
- Prozesse: Ziel Lieferzeit −20 %, Messgröße Durchlaufzeit, Maßnahme Prozessoptimierung.
- Lernen: Ziel Weiterbildung, Messgröße Schulungstage je Mitarbeiter, Maßnahme Trainingsprogramm.
Die Ketten zeigen, dass qualifizierte Mitarbeiter bessere Prozesse ermöglichen, die zu zufriedeneren Kunden und schließlich zu höheren Finanzergebnissen führen. So macht die BSC die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sichtbar.
Vorteile und Kritik
Der große Vorteil der Balanced Scorecard liegt darin, dass sie die Strategie mit dem operativen Geschäft verknüpft und für alle Ebenen verständlich macht. Sie richtet die Aufmerksamkeit nicht nur auf finanzielle Ergebnisse, sondern auch auf deren Ursachen. Kritisch angemerkt wird, dass die Erstellung aufwendig ist und die Auswahl geeigneter Kennzahlen anspruchsvoll bleibt. Werden zu viele Messgrößen gewählt oder die Ursache-Wirkungs-Ketten nicht sauber hergeleitet, verliert das Instrument an Wirkung. Entscheidend für den Erfolg ist daher eine klare, fokussierte Umsetzung.
Häufige Fragen zur Balanced Scorecard
Wer hat die Balanced Scorecard entwickelt?
Die Balanced Scorecard wurde Anfang der 1990er Jahre von Robert S. Kaplan und David P. Norton an der Harvard Business School entwickelt und seither weltweit verbreitet.
Warum heißt sie „balanced“?
Weil sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Kennzahlen, zwischen kurz- und langfristigen Zielen sowie zwischen internen und externen Perspektiven herstellt.
Kann man die vier Perspektiven anpassen?
Ja. Die vier Standardperspektiven sind ein Rahmen und können je nach Branche und Strategie ergänzt oder angepasst werden, etwa um eine Umwelt-, Lieferanten- oder Mitarbeiterperspektive.