Verrechnungspreise – auch Transferpreise genannt – sind interne Preise, die zwischen verbundenen Unternehmen eines Konzerns für den internen Leistungsaustausch berechnet werden. Sie sind sowohl in der Betriebswirtschaft als auch im internationalen Steuerrecht von großer Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
Definition und Zweck von Verrechnungspreisen
Wenn eine Konzernmutter ihrer Tochtergesellschaft Waren, Dienstleistungen, Patente oder Finanzmittel zur Verfügung stellt, muss ein interner Preis festgelegt werden. Dieser Preis beeinflusst:
| Bereich | Auswirkung |
|---|---|
| Steuerliche Gewinnverteilung | Hohe Preise verschieben Gewinn in Niedrigsteuerländer |
| Unternehmenssteuerung | Beurteilung der Profitabilität einzelner Konzerneinheiten |
| Leistungsanreize | Motivations- und Steuerungswirkung für dezentrale Einheiten |
| Liquiditätsverteilung | Gezielter Transfer von Mittelzuflüssen im Konzern |
Methoden zur Festlegung von Verrechnungspreisen
Die OECD-Leitlinien fordern den Fremdvergleichsgrundsatz: Interne Preise sollen dem entsprechen, was unabhängige Dritte vereinbaren würden.
| Methode | Beschreibung | Anwendung |
|---|---|---|
| Preisvergleichsmethode (CUP) | Vergleich mit Marktpreisen für identische Güter | Rohstoffe, Standardprodukte |
| Wiederverkaufspreismethode | Marktpreis minus Handelsmarge | Vertriebsgesellschaften |
| Kostenaufschlagsmethode (Cost Plus) | Vollkosten plus angemessener Gewinnaufschlag | Produktionsgesellschaften |
| Transaktionsbezogene Nettomargen-Methode (TNMM) | Vergleich der Nettogewinnmarge | Häufig in der Praxis verwendet |
| Gewinnaufteilungsmethode | Gesamtgewinn wird nach Wertschöpfungsbeitrag aufgeteilt | Integrierte Transaktionen |
Berechnungsbeispiel: Kostenaufschlagsmethode
Die Produktionsgesellschaft A stellt Bauteile her und liefert an Schwestergesellschaft B. Die Vollkosten je Einheit betragen 80 €. Ein angemessener Gewinnaufschlag wird mit 15 % vereinbart.
Verrechnungspreis = Vollkosten × (1 + Gewinnaufschlag)
Verrechnungspreis = 80 € × 1,15 = 92 € je Einheit
Wenn B anschließend zum Endkunden für 150 € verkauft, verbleibt ein Gewinnanteil von 58 € bei B. Durch Erhöhung des Verrechnungspreises auf z.B. 110 € würde mehr Gewinn bei A verbleiben – was bei internationalen Konzernen steuerliche Auswirkungen hat.
Verrechnungspreise im Controlling: Interne Steuerung
Neben dem steuerlichen Aspekt dienen Verrechnungspreise der Leistungsbeurteilung dezentraler Einheiten. Gängige Ansätze:
| Ansatz | Beschreibung | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Marktpreisbasiert | Externer Marktpreis als Verrechnungspreis | Objektivität, Leistungsanreiz | Marktpreise oft nicht verfügbar |
| Kostenbasiert | Grenzkosten oder Vollkosten + Aufschlag | Einfach berechenbar | Keine Anreize zur Kostenoptimierung |
| Verhandelter Preis | Einigung zwischen Konzerneinheiten | Akzeptanz der Beteiligten | Zeitaufwändig, Konflikte möglich |
| Dualer Preis | Verschiedene Preise für Käufer und Verkäufer | Optimale Steuerung beider Seiten | Konzernsumme zeigt Scheingewinn |
Steuerrechtliche Anforderungen in Deutschland
Gemäß Paragraf 1 AStG müssen Verrechnungspreise mit Auslandsbezug dem Fremdvergleich standhalten. Dokumentationspflichten nach Paragraf 90 Abs. 3 AO:
- Stammdokumentation für den Gesamtkonzern
- Einzeldokumentation für die deutsche Gesellschaft
- Länderbezogener Bericht für Konzerne über 750 Mio. € Umsatz
Bei Verstößen drohen Schätzungen durch die Finanzbehörden und empfindliche Strafzuschläge.
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Prüfungstipp: In BWL-Prüfungen wird häufig gefragt, warum Verrechnungspreise für die Steuerplanung und das Controlling wichtig sind. Verstehe den Zielkonflikt: Steuerminimierung vs. optimale Unternehmenssteuerung.