Das Finanzcontrolling ist der Teilbereich des Controllings, der die finanzielle Steuerung eines Unternehmens sicherstellt. Es überwacht Liquidität, Kapitalstruktur und Rentabilität und liefert der Geschäftsführung die Kennzahlen, die für finanzielle Entscheidungen nötig sind.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Finanzcontrolling?
Das Finanzcontrolling verbindet die kurzfristige Sicherung der Zahlungsfähigkeit mit der langfristigen Finanzplanung. Das operative Finanzcontrolling hat einen Zeithorizont von bis zu einem Jahr und arbeitet eng mit dem Cash-Management zusammen; es steuert die laufende Liquidität. Das strategische Finanzcontrolling denkt in mehreren Jahren und richtet die Kapital– und Finanzierungsstruktur an den Unternehmenszielen aus. Zusammengefasst unterscheidet man zwei Zeithorizonte:
- Operatives Finanzcontrolling – Liquiditätsplanung, Zahlungsströme, kurzfristige Finanzierung
- Strategisches Finanzcontrolling – Kapitalstruktur, Investitionsfinanzierung, langfristige Finanzarchitektur
Aufgaben und Instrumente
Die zentrale Aufgabe des Finanzcontrollings ist die jederzeitige Sicherung der Zahlungsfähigkeit bei gleichzeitig wirtschaftlichem Kapitaleinsatz. Wichtige Aufgaben und Instrumente sind:
- Liquiditätsplanung – Gegenüberstellung erwarteter Ein- und Auszahlungen
- Finanzplan – mehrperiodige Planung von Kapitalbedarf und Kapitaldeckung
- Cashflow-Analyse – Ermittlung des selbst erwirtschafteten Finanzierungsspielraums
- Working-Capital-Management – Steuerung von Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten
- Abweichungsanalyse – Vergleich von Plan- und Ist-Finanzgrößen
Darüber hinaus verantwortet das Finanzcontrolling die Finanzierung von Investitionen und die Steuerung der Kapitalkosten. Es prüft, ob geplante Vorhaben über Eigen- oder Fremdkapital finanziert werden, und achtet auf ein ausgewogenes Verhältnis der Finanzierungsquellen.
Eine wichtige Planungsgröße ist der Kapitalbedarf: Das Finanzcontrolling ermittelt, wie viel Kapital in Anlage- und Umlaufvermögen gebunden ist, und stimmt die Dauer der Finanzierung auf die Dauer der Kapitalbindung ab. Diese Fristenkongruenz besagt, dass langfristig gebundenes Vermögen auch langfristig finanziert sein sollte; Verstöße gegen diese Regel erhöhen das Risiko von Liquiditätsengpässen. Ebenso gehört die Steuerung des Zinsergebnisses zu den Aufgaben: Über die Wahl von Finanzierungsformen und Laufzeiten beeinflusst das Finanzcontrolling die Kapitalkosten und damit unmittelbar den Gewinn des Unternehmens.
Wichtige Kennzahlen
Das Finanzcontrolling arbeitet mit Kennzahlen, die aus Bilanz und GuV abgeleitet werden. Zu den wichtigsten zählen:
- Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Gesamtkapital × 100
- Liquidität 2. Grades = (liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100
- Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Eigenkapital × 100
- Cashflow = Jahresüberschuss + Abschreibungen + Zunahme langfristiger Rückstellungen
Beispiel: Beträgt das Eigenkapital 400.000 € und das Gesamtkapital 1.000.000 €, ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 400.000 € ÷ 1.000.000 € × 100 = 40 %. Ein solcher Wert gilt in vielen Branchen als solide Basis für die Aufnahme weiteren Fremdkapitals. Kennzahlen entfalten ihren Nutzen allerdings erst im Zeit- und Branchenvergleich. Das Finanzcontrolling beobachtet daher die Entwicklung über mehrere Perioden und vergleicht die Werte mit Branchendurchschnitten (Benchmarking), um Fehlentwicklungen früh zu erkennen.
Häufige Fragen zum Finanzcontrolling
Worin unterscheiden sich Finanzcontrolling und Finanzbuchhaltung?
Die Finanzbuchhaltung dokumentiert vergangene Geschäftsvorfälle für den Jahresabschluss. Das Finanzcontrolling nutzt diese Daten, um in die Zukunft zu planen und die finanzielle Entwicklung aktiv zu steuern.
Warum ist die Liquiditätsplanung so wichtig?
Ein Unternehmen kann trotz Gewinnen zahlungsunfähig werden, wenn Einzahlungen und Auszahlungen zeitlich auseinanderfallen. Die Liquiditätsplanung erkennt solche Engpässe frühzeitig und hilft, eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden.
Was ist der Unterschied zwischen Rentabilität und Liquidität?
Rentabilität misst die Ertragskraft, also den Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Liquidität beschreibt die Fähigkeit, Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Beide Ziele können sich widersprechen und müssen ausbalanciert werden.