Eigenfertigung vs. Fremdbezug (Make-or-Buy): Kritische Menge berechnen und qualitative Faktoren

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Die Make-or-Buy-Entscheidung (oder: Eigenfertigung vs. Fremdbezug) ist eine klassische betriebswirtschaftliche Entscheidung: Soll das Unternehmen ein Produkt oder eine Dienstleistung selbst herstellen oder von einem externen Anbieter beziehen? Diese Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf Kosten, Flexibilität und strategische Ausrichtung. Mehr zu Controlling-Entscheidungen im Artikel Kosten-Nutzen-Analyse.

Was ist eine Make-or-Buy-Entscheidung?

Unternehmen stehen regelmäßig vor der Wahl, Komponenten, Dienstleistungen oder ganze Prozesse selbst zu erbringen (Make) oder extern zu beschaffen (Buy). Typische Anwendungsbereiche sind: Produktionsteile und Baugruppen, IT-Dienstleistungen, Logistik, Buchhaltung, Reinigungsdienste.

Kostenmäßige Analyse: Kritische Menge

Die Grundlage ist der Kostenvergleich. Bei der Eigenfertigung entstehen fixe und variable Kosten, beim Fremdbezug nur variable (Einkaufskosten je Stück).

Formel für die kritische Menge:

x_krit = Fixkosten Eigenfertigung / (Einkaufspreis – variable Stückkosten)

Unterhalb der kritischen Menge ist Fremdbezug günstiger, oberhalb ist Eigenfertigung günstiger.

Beispiel: Kritische Menge berechnen

Eigenfertigung: Fixkosten 60.000 €/Monat, variable Stückkosten 15 €. Fremdbezug: Einkaufspreis 30 €/Stück.

x_krit = 60.000 / (30 – 15) = 60.000 / 15 = 4.000 Stück/Monat

Bei weniger als 4.000 Stück/Monat → Fremdbezug günstiger. Bei mehr als 4.000 Stück/Monat → Eigenfertigung günstiger.

Qualitative Faktoren der Make-or-Buy-Entscheidung

Reine Kostenvergleiche greifen zu kurz. Qualitative Aspekte sind ebenso wichtig:

Faktor Für Make (Eigenfertigung) Für Buy (Fremdbezug)
Qualitätskontrolle Vollständige Kontrolle möglich Abhängigkeit vom Lieferanten
Know-how Wissen bleibt im Unternehmen Lieferant entwickelt Expertise
Flexibilität Anpassung an eigene Bedarfe Schnelle Skalierung möglich
Kapazitätsauslastung Fixkosten werden besser gedeckt Keine Bindung an Kapazitäten
Lieferantenrisiko Kein Lieferausfallrisiko Risiko von Lieferengpässen
Kernkompetenz Konzentration auf Kerngeschäft ggf. nicht möglich Konzentration auf Kernkompetenzen

Strategische Dimension: Outsourcing

Make-or-Buy-Entscheidungen werden strategisch häufig als Outsourcing bezeichnet, wenn bisher intern erbrachte Leistungen an externe Dienstleister verlagert werden. Das Gegenteil – die Rückverlagerung externer Leistungen – heißt Insourcing.

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Prüfungstipp: Die kritische Menge ist der Kern der Make-or-Buy-Analyse. Achte in Klausuren darauf, dass Fixkosten bei der Eigenfertigung auch dann anfallen, wenn du auf Fremdbezug umstellst – sie entfallen nur, wenn die entsprechenden Kapazitäten wirklich abgebaut werden.

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