Make or Buy: Kritische Menge berechnen und Faktoren abwägen

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Die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug – international als Make-or-Buy bezeichnet – gehört zu den zentralen Fragen der Beschaffungs- und Produktionsplanung. Sie klärt, ob ein Unternehmen ein Teil oder eine Leistung selbst herstellt oder von einem externen Lieferanten bezieht. Ein wichtiges Werkzeug für die kostenseitige Beurteilung ist die Berechnung der kritischen Menge.

Was bedeutet Make-or-Buy?

Bei der Eigenfertigung (Make) übernimmt das Unternehmen die Herstellung selbst und trägt sowohl fixe als auch variable Kosten. Die Fixkosten für Maschinen und Personal fallen dabei unabhängig von der Auslastung an. Beim Fremdbezug (Buy) kauft das Unternehmen das Teil ein und zahlt einen Preis je Stück, meist ohne eigene Fixkosten für dieses Teil. Ziel des Vergleichs ist es, die kostengünstigere Alternative in Abhängigkeit von der benötigten Menge zu bestimmen.

Kritische Menge berechnen

Die kritische Menge ist die Stückzahl, bei der Eigenfertigung und Fremdbezug exakt gleich teuer sind. Die Kostenfunktionen lauten:

  • Eigenfertigung: K_e = K_fix + k_var · x
  • Fremdbezug: K_f = p · x

Durch Gleichsetzen beider Funktionen und Auflösen nach x ergibt sich die kritische Menge:

x_krit = K_fix / (p − k_var)

Beispiel: Die Eigenfertigung verursacht 20.000 Euro Fixkosten und 6 Euro variable Kosten je Stück, der Einkaufspreis beträgt 10 Euro. Dann gilt: x_krit = 20.000 / (10 − 6) = 5.000 Stück.

  • Bei einer Menge über 5.000 Stück ist die Eigenfertigung günstiger.
  • Bei einer Menge unter 5.000 Stück lohnt sich der Fremdbezug.

Voraussetzung ist, dass der Einkaufspreis über den variablen Stückkosten der Eigenfertigung liegt. Andernfalls ist der Fremdbezug bei jeder Menge günstiger.

Qualitative Faktoren

Der reine Kostenvergleich reicht für eine fundierte Entscheidung nicht aus. Ebenso wichtig sind qualitative und strategische Aspekte:

  • Qualität und Know-how: Sicherung von Kernkompetenzen bei Eigenfertigung.
  • Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und Versorgungssicherheit.
  • Kapazitätsauslastung und freie Ressourcen im eigenen Betrieb.
  • Flexibilität, Lieferzeiten und Geheimhaltung sensibler Fertigungsverfahren.

Fixkosten der Eigenfertigung fallen zudem auch bei Nichtnutzung an, während der Fremdbezug die Kosten variabel und damit besser steuerbar hält. Wer strategisch wichtige Teile auslagert, gibt außerdem Kontrolle und Wissen an den Lieferanten ab. In der Praxis empfiehlt sich daher eine kombinierte Betrachtung: Zunächst wird über die kritische Menge die kostengünstigere Alternative bestimmt, anschließend werden die qualitativen Faktoren gewichtet und der Entscheidung gegenübergestellt. Nur wenn beide Ebenen in dieselbe Richtung weisen, ist die Make-or-Buy-Entscheidung eindeutig; andernfalls muss das Management zwischen kurzfristigem Kostenvorteil und langfristiger strategischer Sicherheit abwägen.

Häufige Fragen zu Make-or-Buy

Was besagt die kritische Menge?

Sie gibt die Stückzahl an, bei der Eigenfertigung und Fremdbezug exakt gleich hohe Gesamtkosten verursachen. Sie ist der Schwellenwert für die kostengünstigere Alternative.

Warum reicht der Kostenvergleich nicht aus?

Weil strategische Faktoren wie Qualität, Lieferabhängigkeit, Kapazität und Know-how nicht in der Formel erfasst werden, aber die Entscheidung langfristig stark beeinflussen können.

Wann ist Fremdbezug sinnvoll?

Vor allem bei geringen Mengen unterhalb der kritischen Menge, bei fehlender eigener Kapazität oder wenn ein Lieferant das Teil in besserer Qualität oder günstiger anbietet und keine sensiblen Kernkompetenzen betroffen sind.

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