Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert von einem Basiswert (Underlying) abhängt. Sie werden zur Absicherung von Risiken (Hedging), zur Spekulation oder zur Arbitrage eingesetzt. Für BWL-Studenten sind Derivate im Kontext des Finanzcontrollings und des Treasury-Managements relevant. Mehr zu Finanzinstrumenten im Artikel Wertpapiere buchen.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Derivate?
Derivate sind Verträge, deren Wert sich von einem Basiswert ableitet. Typische Basiswerte (Underlyings) sind: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen, Zinssätze oder Indizes. Der Wert des Derivats steigt oder fällt mit dem Basiswert – oft mit einem Hebeleffekt.
Die wichtigsten Derivate-Arten
| Derivat | Beschreibung | Verpflichtung |
|---|---|---|
| Future | Standardisierter Terminkontrakt: Kauf/Verkauf eines Basiswerts zu einem festgelegten Preis zu einem zukünftigen Zeitpunkt | Beide Seiten verpflichtet |
| Forward | Wie Future, aber individuell ausgehandelt (OTC-Handel, nicht börsengehandelt) | Beide Seiten verpflichtet |
| Option | Recht (keine Pflicht), einen Basiswert zu einem bestimmten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put) | Nur Verkäufer verpflichtet |
| Swap | Austausch von Zahlungsströmen, z. B. Zinsswap: fixer gegen variablen Zinssatz | Beide Seiten verpflichtet |
Einsatzzwecke von Derivaten
- Hedging (Absicherung): Ein Exporteur sichert sich gegen Währungsrisiken ab, indem er einen Devisenterminkontrakt abschließt
- Spekulation: Wetten auf Preisentwicklungen mit Hebelwirkung (höheres Risiko, höhere Chance)
- Arbitrage: Risikofreier Gewinn durch Ausnutzung von Preisunterschieden an verschiedenen Märkten
Beispiel: Devisenterminkontrakt (Forward)
Ein deutsches Unternehmen erwartet in 3 Monaten eine Zahlung von 1 Mio. USD. Es schließt einen Forward-Kontrakt ab, der die USD zum aktuellen Terminkurs von 1,10 €/USD verkauft. Damit ist sichergestellt, dass die 1 Mio. USD zu 909.091 € umgetauscht werden – egal, wie sich der Wechselkurs entwickelt.
Beispiel: Zinsswap
Unternehmen A hat einen variablen Kredit (EURIBOR + 1 %), möchte aber eine feste Zinslast. Unternehmen B hat einen Festzinskredit, bevorzugt aber variabler. Über einen Zinsswap tauschen sie ihre Zinsverpflichtungen: A zahlt an B einen festen Zinssatz, B zahlt an A EURIBOR.
Bilanzierung von Derivaten nach HGB und IFRS
Nach HGB gilt grundsätzlich das Anschaffungskostenprinzip. Schwebende Verluste aus Derivaten sind zu passivieren (Imparitätsprinzip), Gewinne dürfen erst bei Realisierung gezeigt werden. Nach IFRS (IFRS 9) sind Derivate grundsätzlich zum Fair Value zu bilanzieren.
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Prüfungstipp: Kenne die vier Grundtypen: Future, Forward, Option, Swap. Der wichtigste Unterschied zwischen Future und Option: Beim Future sind beide Seiten verpflichtet, bei der Option nur der Verkäufer (der Käufer hat ein Recht, keine Pflicht).