Die Prozesskostenrechnung (PKR) ist eine moderne Methode der Kostenrechnung, die Gemeinkosten nicht pauschal auf Produkte verteilt, sondern gezielt nach den verursachten Prozessen. Besonders in Unternehmen mit hohem Gemeinkostenanteil – wie Dienstleistern oder Handelsunternehmen – bietet sie ein realistischeres Bild der tatsächlichen Kosten.
Inhaltsverzeichnis
Warum Prozesskostenrechnung?
Traditionelle Kalkulationsverfahren (Zuschlagskalkulation) verteilen Gemeinkosten über pauschale Zuschläge auf Basis von Lohnkosten oder Materialkosten. Das führt zu Verzerrungen: Standardprodukte mit geringem Bearbeitungsaufwand werden zu teuer kalkuliert, Sonderprodukte zu günstig. Die Prozesskostenrechnung schafft Abhilfe, indem sie die eigentlichen Kostentreiber identifiziert.
Grundbegriffe der Prozesskostenrechnung
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Prozess | Wiederkehrende Aktivität (z. B. Bestellung bearbeiten, Rechnung stellen) |
| Kostentreiber (Cost Driver) | Maßgröße für die Prozessinanspruchnahme (z. B. Anzahl Bestellungen) |
| Prozesskostensatz | Kosten pro Einheit des Kostentreibers |
| lmi-Prozess | Leistungsmengeninduziert: Kosten steigen mit der Leistungsmenge |
| lmn-Prozess | Leistungsmengenneutral: Kosten fallen unabhängig von der Menge an |
Ablauf der Prozesskostenrechnung
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Tätigkeitsanalyse | Welche Prozesse finden in den Kostenstellen statt? |
| 2. Kostentreiber festlegen | Womit lässt sich die Prozessinanspruchnahme messen? |
| 3. Kosten der Prozesse ermitteln | Welche Kosten entstehen je Prozess? |
| 4. Prozesskostensätze berechnen | Kosten ÷ Kostentreibervolumen |
| 5. Produktkalkulation | Zurechnung der Prozesskosten nach Inanspruchnahme |
Berechnungsbeispiel
Kostenstelle „Einkauf“ mit Gesamtkosten 200.000 €/Jahr:
| Prozess | Typ | Kosten | Kostentreiber | Menge/Jahr | Prozesskostensatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Bestellungen aufgeben | lmi | 120.000 € | Anzahl Bestellungen | 2.000 | 60 €/Bestellung |
| Lieferanten verwalten | lmi | 50.000 € | Anzahl Lieferanten | 100 | 500 €/Lieferant |
| Bereichsleitung | lmn | 30.000 € | – | – | wird umgelegt |
Produkt A löst 5 Bestellungen und 0,5 Lieferantenkontakte aus:
Prozesskosten A = 5 × 60 € + 0,5 × 500 € = 300 € + 250 € = 550 €
Vorteile und Grenzen
| Vorteile | Grenzen |
|---|---|
| Realistischere Gemeinkostenverteilung | Hoher Einführungsaufwand |
| Kostentransparenz über Prozesse | Subjektive Prozessabgrenzung |
| Basis für Prozessoptimierung | Nur für repetitive Prozesse geeignet |
| Basis für Target Costing | Lmn-Kosten müssen geschätzt werden |
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Prüfungstipp: Verstehe den Unterschied zwischen lmi- und lmn-Prozessen. Die Berechnung des Prozesskostensatzes (Kosten ÷ Kostentreibervolumen) ist klausurrelevant. Übungsaufgaben findest du unter Kostenrechnung Übungsaufgaben.