Das Target Costing, im Deutschen Zielkostenrechnung genannt, ist ein Instrument des strategischen Kostenmanagements. Es dreht die klassische Kalkulationslogik um: Nicht die entstandenen Kosten bestimmen den Preis, sondern der am Markt erzielbare Preis bestimmt die erlaubten Kosten. Leitfrage ist daher nicht „Was wird ein Produkt kosten?“, sondern „Was darf ein Produkt kosten?“.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Target Costing?
Target Costing ist ein marktorientiertes Verfahren, das bereits in der Entwicklungsphase eines Produkts ansetzt. Ausgangspunkt ist der Preis, den Kunden zu zahlen bereit sind – der Target Price beziehungsweise Zielpreis. Von diesem wird die gewünschte Gewinnmarge abgezogen. Das Ergebnis sind die erlaubten Kosten (Allowable Costs), die das Produkt maximal verursachen darf.
Der Ansatz stammt ursprünglich aus der japanischen Automobilindustrie und zielt darauf ab, die Kosten von Anfang an so zu gestalten, dass das Produkt am Markt profitabel angeboten werden kann. Das ist deshalb so wirkungsvoll, weil ein großer Teil der späteren Kosten bereits in der Konstruktions- und Entwicklungsphase festgelegt wird, während spätere Änderungen kaum noch möglich sind.
Methode und Zielkostenformel
Der Ablauf des Target Costing folgt mehreren Schritten:
- Ermittlung des am Markt erzielbaren Zielpreises (Target Price) durch Marktforschung
- Festlegung der geplanten Gewinnmarge (Target Profit)
- Berechnung der erlaubten Kosten (Allowable Costs)
- Ermittlung der voraussichtlich anfallenden Kosten (Drifting Costs) im Unternehmen
- Schließen der Kostenlücke zwischen Drifting Costs und Allowable Costs
Die zentrale Formel lautet:
- Erlaubte Kosten = Zielpreis − Zielgewinn
Anschließend werden die Zielkosten über die Zielkostenspaltung auf einzelne Produktfunktionen und Komponenten verteilt, orientiert an der Bedeutung, die die jeweilige Funktion für den Kunden hat. So erkennt das Unternehmen, welche Komponenten im Verhältnis zu ihrem Kundennutzen zu teuer sind.
Beispiel zur Zielkostenrechnung
Ein Hersteller plant ein neues Gerät. Die Marktforschung zeigt, dass Kunden bereit sind, 200 Euro zu zahlen. Das Unternehmen strebt eine Gewinnmarge von 15 Prozent an, also 30 Euro je Stück.
- Erlaubte Kosten = 200 − 30 = 170 Euro
Eine erste Kalkulation ergibt jedoch voraussichtliche Kosten (Drifting Costs) von 195 Euro. Es besteht somit eine Kostenlücke von 25 Euro, die durch Maßnahmen wie Materialsubstitution, Vereinfachung des Designs, Standardisierung von Bauteilen oder Prozessoptimierung geschlossen werden muss, damit das Produkt die geplante Marge erreicht.
Der Vorteil des Target Costing liegt in der konsequenten Ausrichtung auf Markt und Kunde: Das Unternehmen entwickelt nur das, was sich zu einem tragfähigen Preis herstellen lässt, und vermeidet teure Überkonstruktionen. Zugleich fördert das Verfahren die Zusammenarbeit von Entwicklung, Einkauf, Produktion und Controlling, weil die Zielkosten nur gemeinsam erreicht werden können. Als Grenze gilt, dass der Zielpreis eine verlässliche Marktforschung voraussetzt und die Zielkostenspaltung auf die einzelnen Funktionen mit Schätzungen und Annahmen verbunden ist.
Häufige Fragen zum Target Costing
Wodurch unterscheidet sich Target Costing von der klassischen Kalkulation?
Die klassische Kalkulation ermittelt den Preis aus den entstandenen Kosten. Beim Target Costing gibt der Markt den Preis vor, aus dem die erlaubten Kosten abgeleitet werden.
Was sind Drifting Costs?
Drifting Costs sind die voraussichtlich tatsächlich anfallenden Kosten bei gegebener Technologie und Konstruktion, bevor Kostensenkungsmaßnahmen greifen.
Wann wird Target Costing eingesetzt?
Es wird vor allem in der Produktentwicklung eingesetzt, weil dort der größte Teil der späteren Kosten festgelegt wird und Anpassungen an Design und Material noch möglich sind.