Materialkosten sind der in Geld bewertete Verbrauch an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie an fremdbezogenen Bauteilen innerhalb einer Abrechnungsperiode. Sie zählen zu den wichtigsten Kostenarten eines Industriebetriebs und gehen sowohl in die Kostenrechnung als auch in die Kalkulation der Herstellkosten ein. In produzierenden Unternehmen machen die Materialkosten häufig den größten Anteil an den Gesamtkosten aus, weshalb ihre korrekte Ermittlung über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Materialkosten?
Materialkosten entstehen durch den Einsatz von Werkstoffen in der Produktion. Ein Möbelhersteller verbraucht beispielsweise Holz, Leim und Schrauben, um einen Tisch zu fertigen. Diese Kosten werden danach unterschieden, ob sie sich einem Kostenträger direkt zurechnen lassen oder nicht:
- Materialeinzelkosten: direkt einem Produkt zurechenbar, z. B. Rohstoffe und Fertigungsmaterial wie das Holz des Tisches.
- Materialgemeinkosten: nicht direkt zurechenbar, z. B. Hilfsstoffe (Leim, Schrauben) und Betriebsstoffe (Schmieröl, Strom für die Lagerverwaltung).
- Sondereinzelkosten des Materials: etwa spezielle Verpackungen oder Modelle für einen bestimmten Auftrag.
Die Materialgemeinkosten werden in der Zuschlagskalkulation als prozentualer Zuschlag auf die Materialeinzelkosten verrechnet, da sie sich nicht verursachungsgerecht einem einzelnen Produkt zuordnen lassen. Auf diese Weise fließen auch indirekte Materialkosten in die Selbstkosten ein.
Materialkosten berechnen und bewerten
Die Materialkosten ergeben sich grundsätzlich aus Verbrauchsmenge × Preis je Einheit. Zunächst muss also der Verbrauch ermittelt werden. Das gelingt zuverlässig über die Inventurmethode, die den Bestand am Anfang und Ende der Periode berücksichtigt:
- Anfangsbestand + Zugänge − Endbestand = Verbrauch
- Beispiel: 200 kg + 800 kg − 150 kg = 850 kg Verbrauch
- Bei einem Preis von 4,00 € je kg: 850 kg × 4,00 € = 3.400,00 € Materialkosten
Bei schwankenden Einkaufspreisen ist zusätzlich der Preis je Einheit festzulegen. Gängige Bewertungsverfahren sind das FIFO-Verfahren (first in, first out: zuerst eingekaufte Mengen werden zuerst verbraucht) und das gewogene Durchschnittsverfahren. Beim Durchschnittsverfahren werden zum Beispiel 200 kg zu 3,00 € und 800 kg zu 4,25 € eingekauft. Daraus ergibt sich ein Durchschnittspreis von (600,00 € + 3.400,00 €) ÷ 1.000 kg = 4,00 € je kg. Dieser geglättete Preis wird dann auf den gesamten Verbrauch angewendet.
Materialkosten buchen (SKR03)
Der Verbrauch von Rohstoffen wird als Aufwand erfasst. Beim Einkauf wird zunächst der Lagerbestand erhöht, beim tatsächlichen Verbrauch erfolgt die Umbuchung über das Aufwandskonto. So wird das Betriebsergebnis genau in der Periode belastet, in der das Material eingesetzt wird:
- Einkauf auf Lager: 3000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 3.400,00 € an 1600 Verbindlichkeiten 3.400,00 € (netto, zzgl. Vorsteuer).
- Verbrauchsbuchung: 3980 Materialaufwand 3.400,00 € an 3000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 3.400,00 €.
Durch diese Buchungslogik erscheinen die Materialkosten als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung und mindern den Gewinn periodengerecht.
Häufige Fragen zu Materialkosten
Worin unterscheiden sich Materialeinzel- und Materialgemeinkosten?
Materialeinzelkosten lassen sich einem einzelnen Produkt direkt zurechnen, etwa das verbaute Holz eines Tisches. Materialgemeinkosten wie Hilfs- und Betriebsstoffe entstehen für mehrere Produkte gemeinsam und werden über einen prozentualen Zuschlagssatz verrechnet.
Welches Bewertungsverfahren sollte ich wählen?
Das Durchschnittsverfahren glättet Preisschwankungen und ist einfach anzuwenden. Das FIFO-Verfahren bildet bei steigenden Preisen einen höheren Endbestand ab. Handels- und steuerrechtlich ist FIFO zulässig, das LIFO-Verfahren nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Wie ermittle ich den Materialverbrauch?
Am genauesten gelingt das über die Inventurmethode: Anfangsbestand plus Zugänge minus Endbestand. Alternativ liefert die Skontrationsmethode über Materialentnahmescheine eine laufende Verbrauchserfassung während der Periode.