Fertigungsmenge: Definition, Berechnung & Bedeutung

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Die Fertigungsmenge bezeichnet die produzierte Stückzahl in einer Periode – also die Anzahl der Erzeugnisse, die ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums (etwa eines Monats, Quartals oder Jahres) tatsächlich herstellt. Sie ist eine zentrale Mengengröße der Produktions- und Kostenrechnung und darf nicht mit der Absatzmenge verwechselt werden.

Was ist die Fertigungsmenge?

Die Fertigungsmenge (auch Produktionsmenge genannt) gibt an, wie viele Einheiten eines Produkts in einer Periode gefertigt wurden. Sie wird in Mengeneinheiten ausgedrückt, beispielsweise in Stück, Kilogramm, Litern oder Metern. Maßgeblich ist allein der Akt der Herstellung – unabhängig davon, ob die fertigen Erzeugnisse anschließend verkauft oder zunächst eingelagert werden.

Die Fertigungsmenge orientiert sich an mehreren Faktoren: an der erwarteten Bedarf und Nachfrage">Nachfrage

, an den vorhandenen Produktionskapazitäten sowie an der angestrebten Lagerung">Lagerhaltung. Sie ist damit das Ergebnis der Produktionsplanung und bildet die Grundlage für die Kalkulation der Herstellkosten je Einheit.

Fertigungsmenge, Absatzmenge und Lager

Die Fertigungsmenge ist klar von der Absatzmenge zu trennen. Die Absatzmenge umfasst die in einer Periode tatsächlich verkauften Erzeugnisse, während die Fertigungsmenge die hergestellten Erzeugnisse beschreibt. Stimmen beide nicht überein, verändert sich der Lagerbestand. Es gilt der folgende Zusammenhang:

Endbestand = Anfangsbestand + Fertigungsmenge − Absatzmenge

  • Ist die Fertigungsmenge größer als die Absatzmenge: Lageraufbau.
  • Ist die Fertigungsmenge kleiner als die Absatzmenge: Lagerabbau.
  • Sind beide Mengen gleich groß: Lagerbestand bleibt konstant.

Bedeutung in der Kostenrechnung

In der Kostenrechnung beeinflusst die Fertigungsmenge unmittelbar die Stückkosten. Hintergrund ist die sogenannte Fixkostendegression: Die fixen Kosten – etwa für Maschinen, Miete oder Gehälter – fallen unabhängig von der produzierten Menge an. Je höher die Fertigungsmenge, auf desto mehr Einheiten verteilen sich diese Fixkosten, sodass die Stückkosten sinken. Eine detaillierte Übersicht der Kostenarten finden Sie im Beitrag über fixe und variable Kosten.

Rechenbeispiel: Fixkostendegression Schritt für Schritt

Ein Produktionsbetrieb hat folgende Kostensituation:

  • Fixkosten pro Monat: 50.000 €
  • Variable Kosten je Stück: 10,00 €

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Stückkosten bei unterschiedlichen Fertigungsmengen entwickeln:

Fertigungsmenge (Stück) Fixkosten gesamt (€) Fixkosten je Stück (€) Variable Kosten je Stück (€) Gesamtstückkosten (€)
2.500 50.000 20,00 10,00 30,00
5.000 50.000 10,00 10,00 20,00
10.000 50.000 5,00 10,00 15,00

Schritt-für-Schritt-Berechnung für 5.000 Stück:

Fixkosten je Stück = 50.000 € ÷ 5.000 Stück = 10,00 €
Gesamtstückkosten = 10,00 € (fix) + 10,00 € (variabel) = 20,00 € je Stück

Eine Verdopplung der Fertigungsmenge von 2.500 auf 5.000 Stück halbiert die Fixkosten je Einheit – die Gesamtstückkosten sinken von 30,00 € auf 20,00 €. Das zeigt, warum eine möglichst hohe Auslastung der Produktionskapazitäten wirtschaftlich bedeutsam ist.

Fertigungsmenge und Lagerhaltungskosten

Eine hohe Fertigungsmenge senkt die Stückkosten, erhöht aber bei gleichbleibender Absatzmenge den Lagerbestand – und damit die Lagerkosten. Lagerkosten umfassen Kapitalkosten für das gebundene Umlaufvermögen, Raumkosten, Versicherungen und das Risiko von Verderb oder Veralterung. Unternehmen stehen daher vor dem Zielkonflikt: Hohe Fertigungsmengen senken Stückkosten durch Fixkostendegression, erzeugen aber gleichzeitig höhere Lagerhaltungskosten. Optimale Bestellmengenmodelle (z. B. die Andler-Formel) versuchen, dieses Spannungsfeld aufzulösen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Fertigungsmenge und Absatzmenge?

Die Fertigungsmenge gibt an, wie viele Einheiten in einer Periode hergestellt wurden. Die Absatzmenge gibt an, wie viele Einheiten in derselben Periode tatsächlich verkauft wurden. Beide Größen stimmen nur dann überein, wenn der Lagerbestand am Ende der Periode dem Anfangsbestand entspricht. Unterschiede führen zu Lageraufbau (Fertigung > Absatz) oder Lagerabbau (Fertigung < Absatz).

Wie wirkt eine höhere Fertigungsmenge auf den Gewinn?

Kurzfristig senkt eine höhere Fertigungsmenge die Stückkosten durch Fixkostendegression, was bei unverändertem Verkaufspreis den Stückgewinn erhöht. Langfristig hängt die Wirkung davon ab, ob die gefertigten Mengen auch abgesetzt werden: Bleibt Ware unverkauft im Lager, steigen die Lagerkosten und binden Kapital – der Nettoeffekt kann dann negativ sein.

Was ist die optimale Fertigungsmenge?

Die optimale Fertigungsmenge orientiert sich an der erwarteten Absatzmenge, den Produktionskapazitäten und den angestrebten Sicherheitsbeständen. In der Praxis wird sie über Produktionsplanung und Losgrößenoptimierung ermittelt. Ziel ist es, Rüstkosten (die für jeden Fertigungsauftrag anfallen) und Lagerhaltungskosten so in Balance zu bringen, dass die Gesamtkosten minimiert werden.

Fertigungsmenge in der Kalkulation

Bei der Divisionskalkulation werden die Gesamtkosten einer Periode direkt durch die Fertigungsmenge geteilt, um die Stückkosten zu ermitteln. Dieses Verfahren ist nur sinnvoll, wenn ein Betrieb ausschließlich ein homogenes Produkt herstellt. Bei mehreren Produkten kommt die Äquivalenzziffernkalkulation oder die Zuschlagskalkulation zum Einsatz, bei der die Gemeinkosten anhand von Schlüsseln auf die Erzeugnisse verteilt werden. In jedem Fall ist die Fertigungsmenge die zentrale Bezugsgröße: Sie bestimmt, auf wie viele Einheiten die gesamten Fertigungskosten (Material, Löhne, Abschreibungen, Raumkosten) aufgeteilt werden.

Die Fertigungsmenge beeinflusst auch die Bewertung der Lagerbestände: Nach § 255 HGB sind selbst hergestellte Erzeugnisse mindestens zu den Herstellungskosten anzusetzen. Diese umfassen Material- und Fertigungseinzelkosten sowie anteilige Material- und Fertigungsgemeinkosten. Je höher die Fertigungsmenge, desto niedriger der Gemeinkostenanteil je Einheit – und desto geringer die bilanzierten Herstellungskosten pro Stück.

In der Plankostenrechnung wird die Fertigungsmenge als Planbeschäftigung festgelegt. Am Ende einer Periode vergleicht man die tatsächliche Istmenge mit der Planmenge: Weicht die Fertigungsmenge ab, entstehen Beschäftigungsabweichungen, die in der Kostenrechnung analysiert und berichtet werden. Diese Abweichungsanalyse ist ein zentrales Controllinginstrument, um die Effizienz der Produktion zu beurteilen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

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