Die Normalkostenrechnung und die Istkostenrechnung sind zwei grundlegende Systeme der Kostenrechnung, die sich darin unterscheiden, mit welchen Werten die Kosten verrechnet werden. Während die Istkostenrechnung mit den tatsächlich angefallenen Kosten arbeitet, verwendet die Normalkostenrechnung durchschnittliche Vergangenheitswerte. Beide Verfahren werden nach dem Zeitbezug der verrechneten Kosten unterschieden.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Normalkostenrechnung und Istkostenrechnung?
Die Istkostenrechnung erfasst die in einer Abrechnungsperiode tatsächlich entstandenen Kosten – mit den realen Mengen und den realen Preisen. Sie bildet die Vergangenheit exakt ab. Die Normalkostenrechnung verrechnet stattdessen Durchschnittswerte, die aus den Istkosten mehrerer vergangener Perioden abgeleitet werden (Normalkosten). Sie glättet so zufällige Schwankungen und macht die Kalkulation stabiler. Beide Systeme gehören zur Vollkostenrechnung und unterscheiden sich vom dritten System, der zukunftsorientierten Plankostenrechnung.
Unterschiede im Überblick
Die wesentlichen Unterschiede lassen sich so zusammenfassen:
- Zeitbezug: Istkosten = tatsächliche Werte der abgelaufenen Periode; Normalkosten = Durchschnitt mehrerer Vergangenheitsperioden.
- Schwankungen: Istkosten schwanken stark (z. B. durch Preisspitzen oder unregelmäßige Reparaturen); Normalkosten sind geglättet und gleichmäßiger.
- Kalkulationssicherheit: Normalkosten ermöglichen stabilere Angebotspreise, weil die Zuschlagssätze konstant bleiben.
- Kostenkontrolle: Durch den Vergleich von Ist- und Normalkosten lassen sich Über- oder Unterdeckungen erkennen.
Ein zentrales Merkmal der Normalkostenrechnung ist die Bildung von Normalzuschlagssätzen für die Gemeinkosten. Weicht der tatsächliche Gemeinkostenanfall vom verrechneten Normalwert ab, entsteht eine Kostenüberdeckung (Istkosten < Normalkosten) oder eine Kostenunterdeckung (Istkosten > Normalkosten).
Anwendung und Beispiel
Rechenbeispiel: Ein Betrieb hat in den letzten drei Jahren Materialgemeinkosten-Zuschlagssätze von 18 %, 22 % und 20 % gehabt. Als Normalzuschlagssatz wird der Durchschnitt von 20 % festgelegt. Betragen die Materialeinzelkosten eines Auftrags 5.000 €, werden 1.000 € Materialgemeinkosten verrechnet. Liegen die tatsächlichen Materialgemeinkosten in der Periode höher, ergibt sich eine Unterdeckung, die gesondert ausgewiesen wird.
In der Praxis wird die Normalkostenrechnung vor allem für die laufende Kalkulation und die Angebotserstellung genutzt, weil sie verlässliche und vergleichbare Werte liefert. Die Istkostenrechnung dient dagegen der genauen Nachkalkulation und der periodengerechten Erfolgsermittlung. Häufig werden beide Systeme kombiniert: Es wird mit Normalkosten kalkuliert und am Periodenende mit den Istkosten abgeglichen.
Die Wahl des Systems hängt vom Verwendungszweck ab. Für die Vorkalkulation eines Angebots eignet sich die Normalkostenrechnung, weil zum Zeitpunkt der Angebotserstellung die tatsächlichen Kosten noch gar nicht feststehen. Für die Nachkalkulation und die Ermittlung des Periodenerfolgs ist dagegen die Istkostenrechnung maßgeblich, da hier die wirklich angefallenen Werte abgerechnet werden. Beide Systeme arbeiten als Vollkostenrechnungen und verteilen sämtliche Kosten auf die Kostenträger. Wer auch kurzfristige Entscheidungen wie die Annahme von Zusatzaufträgen treffen will, ergänzt sie um eine Teilkostenrechnung, die nur die variablen Kosten verrechnet.
Häufige Fragen zu Normalkostenrechnung und Istkostenrechnung
Warum verwendet man Normalkosten statt Istkosten?
Normalkosten glätten zufällige Schwankungen einzelner Perioden und liefern stabile Zuschlagssätze. Dadurch werden Kalkulation und Angebotspreise verlässlicher und besser vergleichbar als bei stark schwankenden Istkosten.
Was bedeutet Kostenüber- und Kostenunterdeckung?
Eine Kostenüberdeckung liegt vor, wenn die verrechneten Normalkosten höher sind als die tatsächlichen Istkosten. Sind die Istkosten höher als die verrechneten Normalkosten, spricht man von einer Kostenunterdeckung. Beide Differenzen werden gesondert erfasst.
Welches System ist genauer?
Die Istkostenrechnung ist genauer in der Abbildung der tatsächlichen Vergangenheit. Die Normalkostenrechnung ist dagegen praktikabler für die laufende Kalkulation, weil sie konstante Werte verwendet. In der Praxis ergänzen sich beide Verfahren.