Normalkostenrechnung vs. Istkostenrechnung: Unterschiede und Anwendung

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In der Kostenrechnung gibt es drei grundlegende Systeme, die sich nach dem Zeitbezug der verwendeten Kosten unterscheiden: die Istkostenrechnung, die Normalkostenrechnung und die Plankostenrechnung. Die Wahl des Systems beeinflusst maßgeblich die Genauigkeit der Kalkulation und die Möglichkeit zur Kostenkontrolle.

Vergleich der Kostenrechnungssysteme

Merkmal Istkostenrechnung Normalkostenrechnung
Kostenbasis Tatsächlich angefallene Kosten Durchschnittswerte vergangener Perioden
Zeitbezug Aktuelle Periode Mehrere vergangene Perioden
Preisschwankungen Voll durchschlagend Geglättet
Kalkulationspreise Schwanken von Periode zu Periode Stabil über längere Zeit
Kostenkontrolle Eingeschränkt (kein Vergleichsmaßstab) Über-/Unterdeckung zeigt Abweichungen
Aufwand Gering Mittel

Problem der Istkostenrechnung

Die Istkostenrechnung hat einen entscheidenden Nachteil: Die Stückkosten schwanken von Monat zu Monat, obwohl sich am Produkt nichts ändert. Wenn z. B. im Winter die Heizkosten steigen, werden die Produkte teurer kalkuliert – obwohl die Preisschwankung nichts mit der Produktion zu tun hat.

Lösung: Normalkostenrechnung

Die Normalkostenrechnung löst dieses Problem, indem sie Durchschnittswerte verwendet. Die Normalgemeinkosten-Zuschlagssätze werden aus den Istwerten mehrerer vergangener Perioden (typisch: 6–12 Monate) berechnet.

Normal-Zuschlagssatz = Ø Istgemeinkosten der letzten 12 Monate / Ø Einzelkosten der letzten 12 Monate × 100

Beispiel

Ein Unternehmen hatte in den letzten 12 Monaten durchschnittliche Fertigungsgemeinkosten von 240.000 € und durchschnittliche Fertigungseinzelkosten von 200.000 €.

Normal-FGK-Zuschlagssatz = 240.000 / 200.000 × 100 = 120 %

Im aktuellen Monat: Fertigungseinzelkosten 18.000 €, tatsächliche FGK 23.000 €

Verrechnete Normal-FGK = 18.000 × 1,20 = 21.600 €

Unterdeckung = 23.000 – 21.600 = 1.400 €

Die Unterdeckung zeigt, dass die tatsächlichen Kosten über dem Normalwert liegen – ein Signal für das Controlling.

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Prüfungstipp: In Klausuren wird oft nach den Vorteilen der Normalkostenrechnung gegenüber der Istkostenrechnung gefragt. Die zwei wichtigsten: stabile Kalkulationspreise und die Möglichkeit zur Kostenkontrolle durch Über-/Unterdeckung.

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