Fertigungsverfahren sind die verschiedenen Organisationsformen, nach denen Unternehmen ihre Güter herstellen. Sie unterscheiden sich danach, in welcher Menge, mit welcher Anordnung der Betriebsmittel und in welchem zeitlichen Ablauf produziert wird. Die Wahl des passenden Fertigungsverfahrens hat erheblichen Einfluss auf Kosten, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit der Produktion.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Fertigungsverfahren?
Fertigungsverfahren beschreiben die grundsätzliche Gestaltung des Produktionsprozesses in einem Industriebetrieb. Man unterscheidet sie typischerweise nach zwei Gesichtspunkten: nach der Menge der produzierten Erzeugnisse (Fertigungstyp) und nach der räumlichen und zeitlichen Anordnung der Arbeitsplätze (Organisationstyp). Die Entscheidung für ein bestimmtes Verfahren richtet sich nach dem Produkt, der Absatzmenge und dem Grad der gewünschten Individualisierung. Grundsätzlich gilt: Je größer die Stückzahl und je gleichartiger das Erzeugnis, desto stärker lohnt sich eine standardisierte, hoch automatisierte Fertigung. Bei individuellen Einzelstücken überwiegt dagegen die Notwendigkeit einer flexiblen Organisation. Die Wahl des Fertigungsverfahrens ist somit eine grundlegende Standortentscheidung, die Investitionen, Personaleinsatz und Kostenstruktur eines Industriebetriebs langfristig prägt.
Einteilung nach der Fertigungsmenge
Nach der hergestellten Menge gleichartiger Erzeugnisse werden folgende Fertigungstypen unterschieden:
- Einzelfertigung: Es wird nur ein einzelnes, oft individuell gestaltetes Erzeugnis hergestellt, etwa ein Schiff, eine Brücke oder eine Sondermaschine.
- Serienfertigung: Es werden begrenzte Stückzahlen gleichartiger Produkte gefertigt, beispielsweise Möbel oder Werkzeugmaschinen.
- Sortenfertigung: Eine Sonderform der Serienfertigung, bei der artverwandte Produkte aus demselben Grundstoff entstehen, wie verschiedene Biersorten oder Bleche unterschiedlicher Dicke.
- Massenfertigung: Es werden über einen langen Zeitraum sehr große Mengen eines gleichartigen Produkts hergestellt, etwa Schrauben, Zement oder Strom.
Einteilung nach der Arbeitsorganisation
Nach der räumlichen und zeitlichen Anordnung der Produktion unterscheidet man insbesondere:
- Werkstattfertigung: Gleichartige Maschinen werden in Werkstätten zusammengefasst; das Werkstück wandert von Werkstatt zu Werkstatt. Hohe Flexibilität, aber lange Durchlaufzeiten.
- Fließfertigung: Die Arbeitsplätze sind nach dem Arbeitsablauf angeordnet, das Werkstück durchläuft sie kontinuierlich. Hohe Wirtschaftlichkeit bei großen Stückzahlen, jedoch geringe Flexibilität.
- Gruppen- oder Inselfertigung: Eine Mischform, bei der Teams an räumlich zusammengefassten Arbeitsplätzen ganze Baugruppen fertigen.
- Baustellenfertigung: Das Erzeugnis bleibt ortsfest, und die Betriebsmittel sowie das Personal werden an den Fertigungsort gebracht, wie beim Bau eines Hauses oder einer Brücke.
In der Praxis kombinieren viele Unternehmen mehrere dieser Organisationsformen, um Wirtschaftlichkeit und Flexibilität in Einklang zu bringen.
Häufige Fragen zu Fertigungsverfahren
Worin unterscheiden sich Serien- und Massenfertigung?
Bei der Serienfertigung werden begrenzte Stückzahlen gleichartiger Produkte hergestellt, danach wird auf ein anderes Erzeugnis umgestellt. Die Massenfertigung produziert über einen langen Zeitraum sehr große Mengen eines einzigen, gleichbleibenden Produkts.
Wann ist die Werkstattfertigung sinnvoll?
Die Werkstattfertigung eignet sich besonders für die Einzel- und Kleinserienfertigung, da sie hohe Flexibilität bietet. Sie wird bevorzugt, wenn unterschiedliche Produkte mit wechselnden Arbeitsschritten gefertigt werden müssen.
Welche Vorteile bietet die Fließfertigung?
Die Fließfertigung ermöglicht durch die ablaufgerechte Anordnung der Arbeitsplätze kurze Durchlaufzeiten und niedrige Stückkosten bei großen Mengen. Nachteilig sind die geringe Flexibilität und die hohe Abhängigkeit von einem störungsfreien Ablauf.