Die Tilgungsrate ist der Anteil einer Kreditrate, der die Restschuld verringert. Sie bildet zusammen mit dem Zinsanteil die gesamte Zahlung an den Kreditgeber und entscheidet darüber, wie schnell ein Darlehen zurückgeführt wird. Je höher die Tilgungsrate, desto kürzer die Laufzeit und desto geringer die insgesamt anfallenden Zinskosten.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Tilgungsrate?
Wer einen Kredit aufnimmt, zahlt diesen in regelmäßigen Raten zurück. Jede dieser Zahlungen setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: dem Zinsanteil, der das Entgelt für die Überlassung des Kapitals darstellt, und der Tilgungsrate, die die noch offene Schuld – die sogenannte Restschuld – tatsächlich abbaut. Nur der getilgte Teil verringert den Kreditbetrag; die Zinsen fließen als Ertrag an die Bank und reduzieren die Schuld nicht.
Die anfängliche Tilgungsrate wird häufig als Prozentsatz des Darlehensbetrags angegeben, etwa als „zwei Prozent Tilgung“. Sie ist eine zentrale Stellgröße bei der Finanzierungsplanung, weil sie Laufzeit, monatliche Belastung und Gesamtzinskosten maßgeblich bestimmt.
Tilgungsrate, Zins und Annuität
Der Zusammenhang zwischen den drei Begriffen lässt sich knapp zusammenfassen: Die Rate = Zins + Tilgung. Wie sich die Bestandteile im Zeitverlauf entwickeln, hängt von der gewählten Tilgungsform ab.
- Ratentilgung (Tilgungsdarlehen): Hier bleibt die Tilgungsrate über die gesamte Laufzeit konstant. Da die Restschuld sinkt, fällt der Zinsanteil von Periode zu Periode – die Gesamtrate wird also kontinuierlich kleiner. Die Anfangsbelastung ist vergleichsweise hoch.
- Annuitätendarlehen: Hier bleibt die Gesamtrate, die Annuität, über die Laufzeit gleich. Weil mit sinkender Restschuld immer weniger Zinsen anfallen, wächst der für die Tilgung verfügbare Anteil. Die Tilgungsrate steigt somit von Jahr zu Jahr an.
- Endfälliges Darlehen: Während der Laufzeit wird gar nicht getilgt; die Tilgungsrate beträgt null, und die gesamte Schuld wird erst am Ende in einer Summe zurückgezahlt.
Beispiel
Ein Unternehmen nimmt ein Darlehen über 100.000 Euro zu einem Zinssatz von 4 Prozent jährlich auf. Im ersten Jahr betragen die Zinsen 4 Prozent von 100.000 Euro, also 4.000 Euro.
Bei einer anfänglichen Tilgung von 2 Prozent zahlt das Unternehmen im ersten Jahr 2.000 Euro Tilgung. Bei einem Annuitätendarlehen ergibt sich daraus eine konstante Jahresrate von 4.000 Euro Zins + 2.000 Euro Tilgung = 6.000 Euro.
Nach dem ersten Jahr sinkt die Restschuld auf 98.000 Euro. Im zweiten Jahr fallen daher nur noch 4 Prozent von 98.000 Euro = 3.920 Euro Zinsen an. Da die Annuität konstant bei 6.000 Euro bleibt, steht nun ein größerer Betrag für die Tilgung zur Verfügung: 6.000 − 3.920 = 2.080 Euro. Die Tilgungsrate ist also gestiegen.
Bei einer Ratentilgung hingegen bliebe die Tilgung konstant bei 2.000 Euro pro Jahr, während die Gesamtrate im zweiten Jahr auf 3.920 + 2.000 = 5.920 Euro sinken würde.
Häufige Fragen zur Tilgungsrate
Was bedeutet eine höhere Tilgungsrate?
Eine höhere Tilgungsrate führt dazu, dass die Restschuld schneller abgebaut wird. Dadurch verkürzt sich die Laufzeit des Kredits und es fallen über die gesamte Zeit weniger Zinsen an. Allerdings steigt die monatliche oder jährliche Belastung entsprechend an.
Warum steigt die Tilgungsrate beim Annuitätendarlehen?
Weil die Gesamtrate (Annuität) konstant bleibt, der Zinsanteil mit sinkender Restschuld aber immer kleiner wird. Der frei werdende Betrag fließt zusätzlich in die Tilgung, sodass deren Anteil an der Rate von Periode zu Periode wächst.
Wie unterscheidet sich die Tilgungsrate vom Zinsanteil?
Die Tilgungsrate verringert die tatsächliche Restschuld, während der Zinsanteil lediglich das Entgelt für die Kapitalüberlassung darstellt und an die Bank fließt. Nur die Tilgung reduziert den geschuldeten Kreditbetrag.