Gesamtkostenverfahren vs. Umsatzkostenverfahren

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Das Gesamtkostenverfahren (GKV) und das Umsatzkostenverfahren (UKV) sind die beiden nach § 275 HGB zulässigen Gliederungsformen der Gewinn- und Verlustrechnung. Beide führen zum gleichen Jahresergebnis, unterscheiden sich aber grundlegend in der Darstellung der Aufwendungen und im Umgang mit Bestandsveränderungen.

Was unterscheidet die beiden Verfahren?

Der zentrale Unterschied liegt in der Gliederung der Aufwendungen. Das Gesamtkostenverfahren stellt die gesamte Produktionsleistung einer Periode den nach Aufwandsarten gegliederten Kosten gegenüber. Das Umsatzkostenverfahren stellt dagegen nur die Umsatzerlöse den Kosten der tatsächlich verkauften Produkte gegenüber, gegliedert nach Funktionsbereichen. Beide Verfahren sind handelsrechtlich gleichwertig zugelassen, sodass das Unternehmen frei wählen kann.

  • GKV: Produktionsmenge ist Bezugsgröße, Gliederung nach Aufwandsarten (Material, Personal, Abschreibungen).
  • UKV: Absatzmenge ist Bezugsgröße, Gliederung nach Funktionen (Herstellung, Vertrieb, Verwaltung).

Bestandsveränderungen als Kernunterschied

Stimmen Produktions- und Absatzmenge nicht überein, entstehen Bestandsveränderungen bei fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Diese werden in den beiden Verfahren unterschiedlich behandelt:

  • Im GKV werden Bestandserhöhungen als Ertrag und Bestandsminderungen als Aufwandskorrektur ausgewiesen, da sämtliche Produktionskosten der Periode erfasst sind.
  • Im UKV entfällt der gesonderte Ausweis: Es werden nur die Herstellungskosten der verkauften Produkte angesetzt, sodass eine Bestandsbewertung nicht in der GuV erscheint.

Das GKV ist tendenziell einfacher zu erstellen, weil keine Aufteilung der Kosten auf Funktionsbereiche nötig ist. Das UKV liefert dafür aussagekräftigere Informationen für das Controlling.

Beispiel

Ein Betrieb produziert 1.000 Stück zu Herstellungskosten von 60 € je Stück (gesamt 60.000 €) und verkauft 800 Stück zu 100 € (Umsatz 80.000 €). 200 Stück gehen auf Lager.

  • GKV: Umsatz 80.000 € + Bestandserhöhung 12.000 € (200 × 60 €) − Gesamtkosten 60.000 € = 32.000 € Ergebnis
  • UKV: Umsatz 80.000 € − Herstellungskosten der verkauften Produkte 48.000 € (800 × 60 €) = 32.000 € Ergebnis

Beide Verfahren führen zum identischen Ergebnis von 32.000 €, gelangen aber auf unterschiedlichem Weg dorthin. Die unterschiedliche Behandlung der 200 Stück auf Lager ist dabei der entscheidende Punkt.

Beide Verfahren beginnen mit den Umsatzerlösen, behandeln danach aber die Lagerbestände unterschiedlich. Im Gesamtkostenverfahren werden bei einer Bestandserhöhung die bereits produzierten, aber noch nicht verkauften Erzeugnisse als Mehrung der Leistung erfasst, damit Aufwand und Leistung der Periode zueinander passen. Im Umsatzkostenverfahren bleibt der Lagerzugang in der GuV unsichtbar, weil dort ausschließlich die Kosten der verkauften Menge erscheinen.

Für das Umsatzkostenverfahren ist eine funktionsbezogene Kostenrechnung erforderlich, die die Kosten den Bereichen Herstellung, Vertrieb und Verwaltung zuordnet. Das verursacht zusätzlichen Aufwand, liefert aber Kennzahlen, die das Management direkt nutzen kann. Das Gesamtkostenverfahren ist ohne diese Zuordnung erstellbar und daher gerade für kleinere Unternehmen praktikabler.

Häufige Fragen zu GKV und UKV

Welches Verfahren ist in Deutschland üblich?

Traditionell wird in Deutschland überwiegend das Gesamtkostenverfahren angewandt, da es ohne aufwendige Kostenstellenrechnung auskommt. Das Umsatzkostenverfahren ist international verbreitet und wird häufig in größeren Konzernen genutzt.

Führen beide Verfahren zum selben Gewinn?

Ja. Da lediglich die Darstellung der Aufwendungen variiert, ist das Jahresergebnis in beiden Verfahren identisch. Nur die Gliederung und der Ausweis von Bestandsveränderungen unterscheiden sich.

Welche Information liefert das UKV zusätzlich?

Das Umsatzkostenverfahren zeigt die Kosten nach Funktionsbereichen und ermöglicht so Rückschlüsse auf Herstellungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten. Das ist für die interne Steuerung und das Controlling besonders aussagekräftig.

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