Die Eigenfinanzierung bezeichnet alle Möglichkeiten, einem Unternehmen Kapital ohne Kreditaufnahme zuzuführen – also durch Einlagen, Gewinne oder Beteiligungen. Mit den folgenden Übungsaufgaben trainierst du typische Klausuraufgaben zur Innen- und Außenfinanzierung sowie zur Berechnung von Eigenkapitalquoten. Mehr zum Thema Finanzierung findest du in unserem Artikel zu Finanzierung Übungsaufgaben mit Lösungen.
Inhaltsverzeichnis
Aufgabe 1: Eigenfinanzierungsarten klassifizieren
Ordne die folgenden Finanzierungsvorgänge der Eigenfinanzierung oder Fremdfinanzierung zu und unterscheide bei der Eigenfinanzierung zwischen Innen- und Außenfinanzierung: a) Gesellschafter zahlt 50.000 € ein, b) Jahresgewinn von 80.000 € wird thesauriert, c) Rücklage aus Vorjahren wird aufgelöst und für Investitionen genutzt, d) Abschreibungen von 15.000 € werden als Aufwand erfasst, e) GmbH nimmt Bankdarlehen auf.
Lösung Aufgabe 1:
| Vorgang | Finanzierungsart | Innen- oder Außenfinanzierung |
|---|---|---|
| a) Gesellschaftereinlage 50.000 € | Eigenfinanzierung | Außenfinanzierung (Beteiligungsfinanzierung) |
| b) Gewinnthesaurierung 80.000 € | Eigenfinanzierung | Innenfinanzierung (offene Selbstfinanzierung) |
| c) Auflösung stiller Reserven | Eigenfinanzierung | Innenfinanzierung (stille Selbstfinanzierung) |
| d) Abschreibungen 15.000 € | Eigenfinanzierung | Innenfinanzierung (Finanzierung aus Abschreibungen) |
| e) Bankdarlehen | Fremdfinanzierung | Außenfinanzierung |
Aufgabe 2: Eigenkapitalquote und Selbstfinanzierungsgrad
Die Meyer AG hat folgende Bilanzdaten: Eigenkapital 2.400.000 €, Rückstellungen 300.000 €, langfristige Verbindlichkeiten 1.800.000 €, kurzfristige Verbindlichkeiten 500.000 €. Im Jahresabschluss wurde ein Gewinn von 400.000 € ausgewiesen, davon werden 240.000 € thesauriert (Rücklagen) und 160.000 € ausgeschüttet. Berechne: a) die Eigenkapitalquote, b) die Fremdkapitalquote, c) den Selbstfinanzierungsgrad in Bezug auf den Jahresgewinn.
Lösung Aufgabe 2:
Gesamtkapital = 2.400.000 + 300.000 + 1.800.000 + 500.000 = 5.000.000 €
a) Eigenkapitalquote = 2.400.000 / 5.000.000 × 100 = 48 %
b) Fremdkapitalquote = (300.000 + 1.800.000 + 500.000) / 5.000.000 × 100 = 2.600.000 / 5.000.000 × 100 = 52 %
c) Selbstfinanzierungsgrad = thesaurierter Gewinn / Jahresgewinn × 100 = 240.000 / 400.000 × 100 = 60 %
Aufgabe 3: Aktienfinanzierung und Ausgabebetrag
Die Schneider AG möchte 500.000 € durch eine Kapitalerhöhung aufnehmen. Der aktuelle Börsenkurs je Aktie beträgt 120 €, der Nennwert 10 €. Die neuen Aktien sollen zu einem Ausgabebetrag von 90 € ausgegeben werden. Berechne: a) die Anzahl der auszugebenden Aktien, b) den Betrag der Kapitalrücklage, c) den Betrag der Erhöhung des gezeichneten Kapitals.
Lösung Aufgabe 3:
a) Anzahl Aktien = 500.000 € / 90 € = 5.556 Aktien (gerundet)
b) Kapitalrücklage = (Ausgabebetrag – Nennwert) × Aktienanzahl = (90 – 10) × 5.556 = 80 × 5.556 = 444.480 €
c) Gezeichnetes Kapital (Erhöhung) = Nennwert × Aktienanzahl = 10 × 5.556 = 55.560 €
Probe: 444.480 + 55.560 = 500.040 € ≈ 500.000 € (Rundungsdifferenz)
Aufgabe 4: Innenfinanzierung aus Abschreibungen
Ein Unternehmen schreibt eine Maschine (Anschaffungswert 150.000 €) über 10 Jahre linear ab. Im 5. Jahr entstehen aus dem Betrieb Einnahmen von 300.000 € und Ausgaben von 220.000 €. Abschreibungen sind bereits in den Ausgaben enthalten. Wie hoch ist der Kapitalfreisetzungseffekt (Finanzierung aus Abschreibungen) im 5. Jahr?
Lösung Aufgabe 4:
Abschreibung/Jahr = 150.000 / 10 = 15.000 €/Jahr
Abschreibungen sind Aufwand, aber keine Auszahlung. Sie sind im Preis enthalten und fließen als Einnahme ins Unternehmen zurück.
Kapitalfreisetzungseffekt im 5. Jahr = 15.000 €
Diese 15.000 € stehen für Reinvestitionen oder andere Zwecke zur Verfügung, ohne dass Fremdkapital aufgenommen werden muss.
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Prüfungstipp: Unterscheide klar zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung sowie zwischen Innen- und Außenfinanzierung. Abschreibungen sind Innenfinanzierung, weil sie Kapital im Unternehmen freisetzen – auch wenn kein neues Geld von außen zugeführt wird.