Mit gezielten Übungsaufgaben zu Gemeinkosten und Einzelkosten lässt sich die Unterscheidung beider Kostenkategorien sicher beherrschen. Dieser Beitrag erklärt zunächst die Grundbegriffe und zeigt anschließend gerechnete Aufgaben zur Zurechnung und zur Zuschlagskalkulation.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Einzelkosten und Gemeinkosten?
Einzelkosten lassen sich einem einzelnen Kostenträger direkt und verursachungsgerecht zurechnen, etwa das Fertigungsmaterial eines Produkts oder die Akkordlöhne. Gemeinkosten fallen dagegen für mehrere Kostenträger gemeinsam an und können nur indirekt über Schlüssel oder Zuschlagssätze verteilt werden, zum Beispiel Miete, Gehälter der Verwaltung oder Energiekosten. Die saubere Unterscheidung ist die Grundlage der Zuschlagskalkulation und entscheidet darüber, wie genau die Selbstkosten eines Produkts ermittelt werden können.
Übungsaufgabe 1: Kosten zuordnen
Ordnen Sie die folgenden Kosten den Einzel- oder Gemeinkosten zu:
- Fertigungsmaterial für einen Auftrag – Einzelkosten
- Gehalt des Meisters – Gemeinkosten
- Akkordlohn eines Arbeiters für ein Produkt – Einzelkosten
- Miete der Fertigungshalle – Gemeinkosten
- Abschreibung einer Maschine, die mehrere Produkte fertigt – Gemeinkosten
Faustregel: Lässt sich der Kostenbeleg eindeutig einem einzigen Produkt zuordnen, handelt es sich um Einzelkosten. Andernfalls liegen Gemeinkosten vor, die über die Kostenstellenrechnung weiterverrechnet werden müssen.
Übungsaufgabe 2: Zuschlagskalkulation
Ein Betrieb ermittelt für einen Auftrag folgende Werte: Materialeinzelkosten 4.000 €, Fertigungseinzelkosten 6.000 €. Die Zuschlagssätze betragen: Materialgemeinkosten 10 %, Fertigungsgemeinkosten 150 %, Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten 20 % auf die Herstellkosten. Gesucht sind die Selbstkosten.
- Materialkosten: 4.000 € + 10 % = 4.400 €
- Fertigungskosten: 6.000 € + 150 % = 15.000 €
- Herstellkosten: 4.400 € + 15.000 € = 19.400 €
- Verwaltungs-/Vertriebsgemeinkosten: 20 % von 19.400 € = 3.880 €
- Selbstkosten: 19.400 € + 3.880 € = 23.280 €
Die Selbstkosten des Auftrags betragen somit 23.280 €. Auf dieser Basis kann das Unternehmen mit einem Gewinnzuschlag den Angebotspreis bilden. Die Zuschlagssätze stammen aus dem Betriebsabrechnungsbogen, in dem die Gemeinkosten zuvor auf die Kostenstellen verteilt wurden.
Übungsaufgabe 3: Auch echte und unechte Gemeinkosten lassen sich unterscheiden. Echte Gemeinkosten, wie die Hallenmiete, könnten dem einzelnen Produkt grundsätzlich nicht zugerechnet werden. Unechte Gemeinkosten wären zwar direkt zurechenbar, werden aus Wirtschaftlichkeitsgründen aber wie Gemeinkosten behandelt – etwa Hilfsstoffe wie Schrauben oder Leim, deren genaue Erfassung je Stück zu aufwendig wäre. Aufgabe: Ordnen Sie Schmierfett für Maschinen zu. Lösung: Es handelt sich um unechte Gemeinkosten, da eine produktgenaue Zurechnung theoretisch möglich, praktisch aber unwirtschaftlich ist. Solche Überlegungen zeigen, dass die Abgrenzung nicht nur theoretisch, sondern auch nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit erfolgt.
Häufige Fragen zu Gemein- und Einzelkosten-Aufgaben
Wie erkenne ich Einzelkosten in einer Aufgabe?
Einzelkosten lassen sich einem konkreten Produkt oder Auftrag direkt zurechnen. Typische Beispiele sind Fertigungsmaterial und Akkordlöhne. Können Sie die Kosten genau einem Kostenträger zuordnen, sind es Einzelkosten.
Warum werden Gemeinkosten über Zuschläge verteilt?
Weil sie sich nicht direkt zurechnen lassen, müssen Gemeinkosten über Schlüssel oder prozentuale Zuschlagssätze auf die Kostenträger verteilt werden. Die Zuschlagssätze stammen aus dem Betriebsabrechnungsbogen.
Was sind Sondereinzelkosten?
Sondereinzelkosten sind Einzelkosten, die nicht je Stück, aber für einen bestimmten Auftrag anfallen, etwa Sonderwerkzeuge in der Fertigung oder Verpackung und Fracht im Vertrieb.