Die Steuerbilanz unterscheidet sich von der Handelsbilanz durch steuerrechtliche Vorschriften, die von den handelsrechtlichen Grundsätzen abweichen. Diese Übungsaufgaben trainieren die wichtigsten Unterschiede und Korrekturen zwischen Handels- und Steuerbilanz.
Das Maßgeblichkeitsprinzip (§ 5 EStG)
Die Handelsbilanz ist grundsätzlich maßgeblich für die Steuerbilanz. Steuerlich sind jedoch zahlreiche Abweichungen vorgesehen:
| Art der Abweichung | Beschreibung | Folge |
|---|---|---|
| Steuerliche Ansatzverbote | Bestimmte Positionen dürfen steuerlich nicht aktiviert werden | Steuerbilanz weicht ab |
| Steuerliche Bewertungsvorbehalte | Andere Abschreibungsmethoden / Beträge | Unterschiedliche Wertansätze |
| Steuerliche Wahlrechte | Z.B. Sonderabschreibungen (§ 7g EStG) | Wahlweise Aktivierung |
| Umgekehrte Maßgeblichkeit | Seit BilMoG 2009 abgeschafft | Steuerliche Wahlrechte nun unabhängig |
Aufgabe 1: GWG-Behandlung (Geringwertige Wirtschaftsgüter)
Ein Unternehmen kauft im September einen Laptop für 850 € netto. Handelsrechtlich wird er über 3 Jahre abgeschrieben. Wie ist die steuerliche Behandlung?
Lösung Aufgabe 1:
Steuerlich gibt es für GWG drei Möglichkeiten:
| Methode | Voraussetzung | Behandlung |
|---|---|---|
| Sofortabschreibung | Nettowert bis 800 € | Sofortiger Aufwand im Jahr der Anschaffung |
| Sammelposten-Methode | Nettowert 250–1.000 € | Sammelposten über 5 Jahre à 20 % |
| Reguläre AfA | Über 1.000 € | Nach amtlicher AfA-Tabelle |
Laptop für 850 € (netto): Der Sammelposten ist die steuerlich günstige Methode, aber ab 2024 gilt die erhöhte Sofortabschreibungsgrenze von 800 €. Da 850 € über 800 €, kommt die Sammelposten-Methode in Betracht. Über 5 Jahre: 850 € × 20 % = 170 €/Jahr steuerliche AfA.
Handelsbilanz: 850 € / 3 Jahre = 283 €/Jahr → Differenz führt zu aktiver latenter Steuer.
Aufgabe 2: Steuerliche Sonderabschreibung nach § 7g EStG
Kleinbetrieb Maier (Gewinn < 200.000 €) kauft eine Maschine für 60.000 €, Nutzungsdauer 10 Jahre. Er nimmt eine Sonderabschreibung von 20 % in Anspruch. Berechne die steuerliche AfA im Jahr 1.
Lösung Aufgabe 2:
| Position | Handelsbilanz | Steuerbilanz |
|---|---|---|
| Reguläre lineare AfA (10 %) | 6.000 € | 6.000 € |
| Sonderabschreibung (20 % auf AK) | nicht möglich | 12.000 € |
| Gesamte AfA Jahr 1 | 6.000 € | 18.000 € |
| Differenz (passive latente Steuer) | 12.000 € → passive latente Steuer 12.000 × 15 % = 1.800 € | |
Aufgabe 3: Rückstellungen – Unterschied HGB vs. Steuerrecht
Handelsrechtlich bildet ein Unternehmen eine Rückstellung für Prozesskosten von 80.000 €. Steuerrechtlich sind Rückstellungen für laufende Gerichtsverfahren häufig nicht oder nur eingeschränkt anerkannt. Im konkreten Fall wird steuerlich nur eine Rückstellung von 50.000 € anerkannt.
Lösung Aufgabe 3:
| Position | HGB | Steuerrecht |
|---|---|---|
| Rückstellung | 80.000 € | 50.000 € |
| Differenz | 30.000 € | |
| Aktive latente Steuer (30.000 × 15 %) | 4.500 € (HGB-Ergebnis ist niedriger, daher wird steuerlich mehr gezahlt) | |
Aufgabe 4: Überleitung von Handels- zu Steuerbilanz
Handelsbilanzgewinn: 250.000 €. Steuerliche Korrekturen: Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben +15.000 € (Geschenke über 35 €, Bewirtung 70 %), steuerfreie Erträge –8.000 € (Beteiligungsertrag nach § 8b KStG zu 95 %), GWG-Differenz +3.000 €. Berechne das steuerliche Einkommen.
Lösung Aufgabe 4:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Handelsbilanzgewinn | 250.000 € |
| + Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben | + 15.000 € |
| – Steuerfreie Erträge | – 8.000 € |
| + GWG-Differenz steuerliche Mehrbelastung | + 3.000 € |
| = Steuerliches Einkommen (zvE) | 260.000 € |
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Prüfungstipp: Bei Steuerbilanzaufgaben musst du die wichtigsten Abweichungen kennen: GWG-Grenze, Sonderabschreibungen (§ 7g), nicht abzugsfähige Betriebsausgaben, eingeschränkte Rückstellungsbildung. Jede Abweichung führt zu latenten Steuern!