Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) gehören zu den wichtigsten Themen im Rechnungswesen und sind ein fester Bestandteil von Klausuren in Buchführung und Bilanzierung. Sie dienen dazu, Einnahmen und Ausgaben dem Geschäftsjahr zuzuordnen, zu dem sie wirtschaftlich gehören – unabhängig davon, wann die Zahlung tatsächlich erfolgt. Gerade zum Jahresabschluss spielen RAP eine zentrale Rolle, denn sie stellen sicher, dass das Periodisierungsprinzip eingehalten wird. In der Praxis begegnen dir RAP häufig bei Mieten, Versicherungsprämien oder Zinsen, die über den Bilanzstichtag hinausreichen.
Das Handelsgesetzbuch regelt die Rechnungsabgrenzung in § 250 HGB. Grundsätzlich wird zwischen aktiven und passiven Rechnungsabgrenzungsposten unterschieden. Aktive RAP (ARAP) stehen auf der Aktivseite der Bilanz und entstehen, wenn vor dem Bilanzstichtag eine Ausgabe getätigt wird, die wirtschaftlich (teilweise) dem folgenden Geschäftsjahr zuzurechnen ist. Passive RAP (PRAP) stehen auf der Passivseite und entstehen bei Einnahmen vor dem Stichtag, die wirtschaftlich ins nächste Jahr gehören.
Übersicht: Aktive vs. Passive Rechnungsabgrenzungsposten
| Merkmal | Aktiver RAP (ARAP) | Passiver RAP (PRAP) |
|---|---|---|
| Bilanzseite | Aktivseite | Passivseite |
| Definition | Ausgabe vor Stichtag, Aufwand nach Stichtag | Einnahme vor Stichtag, Ertrag nach Stichtag |
| Typisches Beispiel | Vorauszahlung einer Versicherungsprämie (Dez. für Jan.–Dez.) | Mieteinnahme im Voraus (Dez. für Jan.) |
| Buchungssatz Bildung | ARAP an Aufwandskonto | Ertragskonto an PRAP |
| Buchungssatz Auflösung | Aufwandskonto an ARAP | PRAP an Ertragskonto |
Ein klassisches Beispiel: Am 1. Oktober zahlt ein Unternehmen eine Kfz-Versicherungsprämie von 1.200 Euro für den Zeitraum Oktober bis September des Folgejahres. Zum 31. Dezember gehören 9 Monate (Januar bis September) wirtschaftlich ins nächste Jahr. Daher wird ein ARAP in Höhe von 900 Euro gebildet (1.200 € × 9/12). Im neuen Geschäftsjahr wird dieser ARAP aufgelöst und als Aufwand verbucht.
Lernhinweis: Achte in Klausuren immer auf die zeitliche Zuordnung. Zeichne dir einen Zeitstrahl, um den Anteil vor und nach dem Bilanzstichtag schnell zu ermitteln. Verwechsle RAP nicht mit Rückstellungen – RAP betreffen zeitliche Abgrenzungen bestehender Geschäftsvorfälle, Rückstellungen dagegen ungewisse Verbindlichkeiten.