Lohmann-Ruchti-Effekt: Definition, Formel & Beispiel

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Der Lohmann-Ruchti-Effekt (auch Kapazitätserweiterungseffekt) beschreibt, wie ein Unternehmen allein durch die Reinvestition verdienter Abschreibungsgegenwerte seine Produktionskapazität ausweiten kann, ohne zusätzliches Kapital von außen aufzunehmen. Benannt ist er nach Martin Lohmann und Hans Ruchti.

Was ist der Lohmann-Ruchti-Effekt?

Abschreibungen mindern den Gewinn, sind aber nicht mit Auszahlungen verbunden. Werden die abgeschriebenen Beträge über die Umsatzerlöse verdient, fließen sie dem Unternehmen als liquide Mittel zu. Solange die alten Anlagen noch weiterlaufen, stehen diese Gegenwerte für neue Investitionen zur Verfügung. Werden sie laufend in gleichartige Anlagen reinvestiert, wächst der Anlagenbestand – und damit die Kapazität – über den ursprünglichen Umfang hinaus. Der Effekt beruht also auf der Freisetzung und Wiederanlage von Kapital innerhalb des Anlagevermögens. Man spricht auch vom Kapitalfreisetzungs- und Kapazitätserweiterungseffekt, weil zwei Wirkungen zusammenkommen: Zunächst werden über die Abschreibungen gebundene Mittel frei, anschließend erhöhen die Neuinvestitionen die Leistungsfähigkeit des Betriebs, ohne dass ein Kredit aufgenommen oder Eigenkapital erhöht werden muss.

Voraussetzungen und Wirkungsweise

Damit der Effekt eintritt, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Abschreibungsgegenwerte werden tatsächlich über den Markt verdient.
  • Die freigesetzten Mittel werden sofort in gleichartige, teilbare Anlagegüter reinvestiert.
  • Die Wiederbeschaffungspreise bleiben konstant.
  • Die Anlagen sind gleichartig und lassen sich in kleinen Einheiten beschaffen.

In der Anlaufphase steigt die Kapazität stark an, bis sich der Bestand auf einem höheren Niveau einpendelt. Langfristig stabilisiert sich der Kapazitätszuwachs bei etwa dem Faktor zwei bezogen auf den Ausgangsbestand.

Rechenbeispiel zum Kapazitätserweiterungseffekt

Ein Unternehmen kauft fünf Maschinen zu je 10.000 Euro (Gesamtinvestition 50.000 Euro) mit einer Nutzungsdauer von fünf Jahren. Die lineare Abschreibung beträgt jährlich 10.000 Euro (50.000 Euro / 5 Jahre).

  • Bereits nach dem ersten Jahr stehen 10.000 Euro aus Abschreibungen zur Verfügung – genug für eine zusätzliche Maschine.
  • Der Bestand wächst so schrittweise über die anfänglichen fünf Maschinen hinaus.
  • Da alte Maschinen erst nach fünf Jahren ausscheiden, überlagern sich Zugänge und Weiterbetrieb, sodass die Kapazität zunächst deutlich steigt.

Ohne zusätzliches Kapital lässt sich die Kapazität so näherungsweise verdoppeln, bevor sich ein stabiler Gleichgewichtsbestand einstellt. Der maximale Zuwachs ergibt sich rechnerisch aus der Nutzungsdauer: Je länger die Anlagen halten, desto ausgeprägter fällt der Effekt aus, weil über mehr Jahre Abschreibungsgegenwerte angesammelt werden, bevor der erste Ersatz fällig wird.

Häufige Fragen zum Lohmann-Ruchti-Effekt

Warum wird der Effekt auch Kapazitätserweiterungseffekt genannt?

Weil die Produktionskapazität allein aus intern freigesetzten Abschreibungsmitteln wächst, ohne dass neues Eigen- oder Fremdkapital zugeführt wird. Der Betrieb erweitert sich gewissermaßen aus sich selbst heraus.

Welche Grenzen hat der Lohmann-Ruchti-Effekt?

In der Praxis steigen häufig die Wiederbeschaffungspreise, Anlagen sind nicht beliebig teilbar, und die Abschreibungsgegenwerte werden nicht immer voll verdient. Auch schwankende Auslastung, technischer Fortschritt und der Umstand, dass freie Mittel für andere Zwecke benötigt werden, begrenzen die Wirkung. Dadurch fällt der Effekt schwächer aus als im theoretischen Modell.

Ist der Effekt mit einer echten Finanzierung vergleichbar?

Er zählt zur Innenfinanzierung, genauer zur Finanzierung aus Abschreibungen. Es fließt kein frisches Kapital zu; vielmehr werden bereits gebundene Mittel umgeschichtet und für Kapazitätswachstum genutzt. Deshalb ist der Effekt kein Ersatz für eine echte Außenfinanzierung, sondern ergänzt sie, indem er vorhandene Ressourcen effizienter einsetzt.

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