Der Effektivzins gibt die tatsächlichen jährlichen Kosten eines Kredits in Prozent an und berücksichtigt neben dem reinen Zins auch weitere preisbestimmende Faktoren. Er macht Kreditangebote vergleichbar und ist deshalb für Verbraucher die wichtigste Kennzahl bei der Aufnahme eines Darlehens. Im Gegensatz zum Nominalzins zeigt er die wahre Belastung über ein Jahr.
Inhaltsverzeichnis
Was ist der Effektivzins?
Der Effektivzins – genauer der effektive Jahreszins – fasst alle preisbestimmenden Bestandteile eines Kredits in einer einzigen Prozentzahl zusammen. Dazu gehören der Nominalzins, die Art der Zinsverrechnung und der Tilgungsverrechnung sowie bestimmte Nebenkosten. Banken sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet, den effektiven Jahreszins auszuweisen, damit Kreditangebote vergleichbar werden. Der Nominalzins hingegen bezieht sich nur auf den reinen Sollzins für die Kreditsumme.
Unterschied zum Nominalzins
Die beiden Zinsbegriffe unterscheiden sich im Umfang der erfassten Kosten:
- Nominalzins (Sollzins): reiner Zinssatz auf die Darlehenssumme ohne Nebenkosten.
- Effektivzins: berücksichtigt zusätzlich Auszahlungskurs, Zins- und Tilgungstermine sowie preisrelevante Kosten.
Der Effektivzins ist daher in der Regel höher als der Nominalzins. Nicht enthalten sind hingegen Kosten, die nicht zwingend mit dem Kredit verbunden sind, etwa eine freiwillige Restschuldversicherung. Für den Vergleich verschiedener Angebote ist allein der effektive Jahreszins aussagekräftig.
Berechnung und Beispiel
Eine vereinfachte Näherung des Effektivzinses lässt sich über die durchschnittliche jährliche Belastung im Verhältnis zum tatsächlich verfügbaren Kreditbetrag bestimmen. Ein typischer Effekt ist das Disagio (Abschlag bei der Auszahlung).
Beispiel: Ein Darlehen über einen Nennbetrag von 10.000 € wird zu 4 % Nominalzins vereinbart, aber nur zu 98 % ausgezahlt (2 % Disagio). Tatsächlich erhält der Kreditnehmer also 9.800 €, muss aber die vollen 10.000 € verzinsen und tilgen. Die jährliche Zinsbelastung beträgt:
- 10.000 € × 4 % = 400 € Zinsen pro Jahr
- bezogen auf die ausgezahlten 9.800 €: 400 € ÷ 9.800 € × 100 ≈ 4,08 %
Schon durch das Disagio liegt der effektive Zinssatz spürbar über dem Nominalzins. Die exakte Berechnung erfolgt nach der Preisangabenverordnung mithilfe einer finanzmathematischen Formel, die alle Zahlungsströme auf den Auszahlungszeitpunkt abzinst.
Neben dem Disagio beeinflussen weitere Faktoren den Effektivzins. Dazu zählen vor allem die Zahlungsweise (monatliche statt jährlicher Raten erhöhen den effektiven Zins) sowie die Zinsverrechnung. Bei Verbraucherkrediten muss der effektive Jahreszins nach den gesetzlichen Vorgaben einheitlich berechnet werden, was den Vergleich verschiedener Banken erst sinnvoll macht. Bei Immobiliendarlehen wird zusätzlich zwischen dem anfänglichen effektiven Jahreszins und der Gesamtbelastung über die gesamte Laufzeit unterschieden, da sich der Zinssatz nach Ablauf der Zinsbindung ändern kann.
Häufige Fragen zum Effektivzins
Warum ist der Effektivzins höher als der Nominalzins?
Weil er zusätzlich zu den reinen Zinsen weitere preisbestimmende Faktoren wie ein Disagio sowie die Art der Zins- und Tilgungsverrechnung einbezieht. Dadurch spiegelt er die tatsächliche jährliche Kostenbelastung des Kredits realistischer wider.
Welcher Zins ist für den Kreditvergleich entscheidend?
Für den Vergleich von Kreditangeboten ist ausschließlich der effektive Jahreszins maßgeblich, da er die Gesamtkosten berücksichtigt. Ein niedriger Nominalzins kann durch hohe Nebenkosten relativiert werden.
Sind im Effektivzins alle Kosten enthalten?
Im effektiven Jahreszins sind die zwingend mit dem Kredit verbundenen Kosten enthalten. Freiwillige oder nicht zwingend erforderliche Zusatzleistungen wie eine optionale Restschuldversicherung müssen dagegen nicht einbezogen werden.