Die Zahlungsfähigkeit, auch Liquidität genannt, bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens oder einer Person, sämtliche fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit fristgerecht und in voller Höhe erfüllen zu können. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für den Fortbestand eines Unternehmens, denn dauerhafte Zahlungsunfähigkeit ist ein Insolvenzgrund nach der Insolvenzordnung.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Zahlungsfähigkeit?
Zahlungsfähigkeit bedeutet, dass ausreichend liquide Mittel zur Verfügung stehen, um Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zu begleichen. Dazu zählen Bargeld, Bankguthaben und kurzfristig verfügbare Mittel. Das Gegenteil ist die Zahlungsunfähigkeit: Nach § 17 der Insolvenzordnung gilt ein Schuldner als zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Vorübergehende Engpässe sind dabei von einer dauerhaften Zahlungsunfähigkeit abzugrenzen. Auch die drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO ist ein möglicher Insolvenzeröffnungsgrund. In der Praxis wird eine nur kurzzeitige Liquiditätslücke, die binnen weniger Wochen wieder geschlossen werden kann, üblicherweise als bloße Zahlungsstockung gewertet und nicht als Zahlungsunfähigkeit. Erst wenn ein Schuldner über einen längeren Zeitraum einen erheblichen Teil seiner fälligen Verbindlichkeiten nicht begleichen kann, liegt Zahlungsunfähigkeit im rechtlichen Sinne vor.
Messung über Liquiditätsgrade
Die Zahlungsfähigkeit wird häufig mit den sogenannten Liquiditätsgraden gemessen, die kurzfristige Vermögenswerte den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüberstellen:
- Liquidität 1. Grades: flüssige Mittel im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten
- Liquidität 2. Grades: flüssige Mittel zuzüglich kurzfristiger Forderungen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten
- Liquidität 3. Grades: gesamtes Umlaufvermögen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten
Beispiel: Verfügt ein Unternehmen über 30.000 Euro flüssige Mittel und hat 60.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten, beträgt die Liquidität 1. Grades 50 Prozent. Als Faustregel sollte die Liquidität 3. Grades über 100 Prozent liegen, damit das kurzfristige Vermögen die kurzfristigen Schulden deckt.
Sicherung der Zahlungsfähigkeit
Unternehmen sichern ihre Zahlungsfähigkeit durch eine vorausschauende Liquiditätsplanung, in der erwartete Einzahlungen und Auszahlungen gegenübergestellt werden. Maßnahmen wie ein konsequentes Forderungsmanagement, das Ausnutzen von Zahlungszielen, Kreditlinien oder Factoring helfen, Engpässe zu vermeiden. Wichtig ist die Unterscheidung zur Rentabilität: Ein Unternehmen kann profitabel und dennoch zahlungsunfähig sein, wenn Gewinne in Forderungen oder Vorräten gebunden sind und nicht als liquide Mittel zur Verfügung stehen.
Häufige Fragen zur Zahlungsfähigkeit
Was ist der Unterschied zwischen Zahlungsfähigkeit und Rentabilität?
Zahlungsfähigkeit beschreibt, ob fällige Zahlungen geleistet werden können, also die Liquidität. Rentabilität misst dagegen die Ertragskraft im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Ein Unternehmen kann rentabel, aber dennoch zahlungsunfähig sein.
Ab wann gilt ein Unternehmen als zahlungsunfähig?
Nach § 17 der Insolvenzordnung ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, wenn es seine fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Dauerhafte Zahlungsunfähigkeit verpflichtet zur Stellung eines Insolvenzantrags.
Wie kann ein Unternehmen seine Zahlungsfähigkeit sichern?
Durch eine laufende Liquiditätsplanung, ein straffes Forderungsmanagement, das Verhandeln von Zahlungszielen sowie ausreichende Kreditlinien lässt sich die Zahlungsfähigkeit sichern. Auch das Vorhalten einer Liquiditätsreserve beugt kurzfristigen Engpässen vor.