Sichteinlagen sind Guthaben bei einem Kreditinstitut, über die der Kunde jederzeit – also „auf Sicht“ – ohne Kündigungsfrist verfügen kann. Typisches Beispiel ist das Guthaben auf einem Girokonto. Sichteinlagen dienen vor allem der Abwicklung des täglichen Zahlungsverkehrs und werden deshalb nur gering oder gar nicht verzinst. Sie sind ein zentraler Bestandteil des Bankgeschäfts und ein wichtiger Baustein der volkswirtschaftlichen Geldmenge.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Sichteinlagen?
Sichteinlagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie täglich fällig sind und keine feste Laufzeit haben. Der Kontoinhaber kann jederzeit über sein Guthaben verfügen, etwa durch Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung oder Barabhebung. Aufgrund dieser ständigen Verfügbarkeit bieten Banken für Sichteinlagen nur eine sehr niedrige oder keine Verzinsung. Im Gegenzug erhält der Kunde maximale Flexibilität. Der Begriff leitet sich davon ab, dass das Guthaben „bei Sicht“, also auf Verlangen, sofort ausgezahlt wird.
Merkmale von Sichteinlagen
Die wesentlichen Eigenschaften von Sichteinlagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Jederzeitige Verfügbarkeit: keine Kündigungsfrist, tägliche Fälligkeit.
- Geringe Verzinsung: niedriger Zinssatz als Ausgleich für die hohe Liquidität.
- Zahlungsverkehr: Grundlage für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen.
- Hohe Liquidität: aus Sicht des Kunden nahezu so flexibel wie Bargeld.
Für die Bank sind Sichteinlagen eine kostengünstige Refinanzierungsquelle, allerdings mit dem Nachteil, dass sie theoretisch jederzeit abgezogen werden können. Erfahrungsgemäß verbleibt jedoch ein stabiler Bodensatz dauerhaft auf den Konten.
Abgrenzung und Bedeutung für die Geldmenge
Sichteinlagen sind von anderen Einlageformen zu unterscheiden:
- Termineinlagen: Guthaben mit fester Laufzeit oder Kündigungsfrist und in der Regel höherer Verzinsung.
- Spareinlagen: Guthaben mit Kündigungsfrist, die nicht dem laufenden Zahlungsverkehr dienen.
Volkswirtschaftlich zählen Sichteinlagen zusammen mit dem Bargeldumlauf zur eng abgegrenzten Geldmenge M1, weil sie unmittelbar als Zahlungsmittel zur Verfügung stehen. Sie spielen daher eine wichtige Rolle in der Geldpolitik der Zentralbank und bei der Analyse der Geldmengenentwicklung.
Sichteinlagen und Geldschöpfung
Sichteinlagen spielen eine zentrale Rolle bei der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken. Indem Banken Kredite vergeben und die Beträge den Girokonten gutschreiben, entsteht neues Buchgeld in Form von Sichteinlagen.
- Buchgeld: Sichteinlagen sind kein Bargeld, sondern Forderungen gegen die Bank, die im Zahlungsverkehr aber wie Geld verwendet werden.
- Mindestreserve: Für Sichteinlagen müssen Banken bei der Zentralbank eine Mindestreserve halten.
- Einlagensicherung: Guthaben auf Girokonten sind im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt.
Wegen ihrer jederzeitigen Verfügbarkeit gelten Sichteinlagen als nahezu vollwertiges Zahlungsmittel und bilden zusammen mit dem Bargeld das Rückgrat des modernen, weitgehend bargeldlosen Zahlungsverkehrs.
Häufige Fragen zu Sichteinlagen
Was ist ein typisches Beispiel für eine Sichteinlage?
Das Guthaben auf einem Girokonto. Es ist jederzeit verfügbar, hat keine feste Laufzeit und dient der Abwicklung des täglichen Zahlungsverkehrs.
Warum werden Sichteinlagen kaum verzinst?
Weil der Kunde jederzeit ohne Kündigungsfrist über das Geld verfügen kann. Diese hohe Liquidität wird mit einer niedrigen oder fehlenden Verzinsung erkauft; für höhere Zinsen muss man auf die Verfügbarkeit verzichten.
Worin unterscheiden sich Sicht- und Termineinlagen?
Sichteinlagen sind täglich verfügbar und niedrig verzinst. Termineinlagen haben eine feste Laufzeit oder Kündigungsfrist, sind während dieser Zeit nicht frei verfügbar und werden dafür höher verzinst. Wer also kurzfristig auf sein Geld zugreifen muss, wählt die Sichteinlage; wer auf einen Teil seines Guthabens eine Zeit lang verzichten kann, erhält über Termineinlagen eine bessere Verzinsung.