Der Lombardkredit ist ein kurzfristiger Kredit, der gegen die Verpfändung beweglicher, leicht verwertbarer Vermögenswerte gewährt wird. Als Sicherheit dienen meist Wertpapiere, aber auch Waren oder Edelmetalle. Der Name geht auf die oberitalienische Region Lombardei zurück, in der diese Form der besicherten Kreditvergabe entwickelt wurde.
Der Lombardkredit gehört zu den klassischen kurzfristigen Finanzierungsformen und wird sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen genutzt. Sein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass der Kreditnehmer kurzfristig Liquidität erhält, ohne seine Vermögenswerte verkaufen zu müssen. Gerade Anleger mit größeren Wertpapierdepots schätzen diese Möglichkeit, weil sie investiert bleiben und zugleich finanziellen Spielraum gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Lombardkredit?
Beim Lombardkredit erhält der Kreditnehmer einen festen Geldbetrag und verpfändet im Gegenzug Sicherheiten an die Bank. Anders als beim Hypothekarkredit, der auf Grundstücke abstellt, werden hier bewegliche Pfänder hinterlegt. Die Höhe des Kredits liegt unter dem Wert der Sicherheit; die Differenz, der sogenannte Beleihungsabschlag, schützt die Bank vor Kursverlusten des Pfands. Der Kreditnehmer bleibt dabei Eigentümer der Wertpapiere und profitiert weiterhin von Zinsen oder Dividenden.
Arten und Merkmale
Je nach Art der hinterlegten Sicherheit unterscheidet man verschiedene Lombardkredite:
- Effektenlombard: Beleihung von Wertpapieren wie Aktien oder Anleihen.
- Warenlombard: Beleihung von Waren oder Rohstoffen.
- Edelmetalllombard: Beleihung von Gold und anderen Edelmetallen.
- Wechsellombard: Beleihung von Wechseln.
Typische Merkmale sind die kurze Laufzeit, die feste Kreditsumme und die Besicherung durch ein Pfand. Bleibt die Rückzahlung aus, darf die Bank die Sicherheit verwerten. Sinkt der Wert des Pfands, etwa bei fallenden Aktienkursen, kann die Bank weitere Sicherheiten oder eine Teilrückzahlung verlangen.
Buchung eines Lombardkredits
Nimmt ein Unternehmen einen Lombardkredit über 20.000 Euro auf, der dem Bankkonto gutgeschrieben wird, lautet der Buchungssatz:
- Bank 20.000 EUR an Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 20.000 EUR
Die anfallenden Zinsen werden als Aufwand erfasst, zum Beispiel bei 400 Euro Zinsen:
- Zinsaufwand 400 EUR an Bank 400 EUR
Bei der Rückzahlung wird die Verbindlichkeit ausgebucht: Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 20.000 EUR an Bank 20.000 EUR. Die verpfändeten Wertpapiere bleiben in der Bilanz des Kreditnehmers und werden lediglich im Anhang als Sicherheit vermerkt.
Eine besondere Rolle spielt der Lombardkredit auch in der Geldpolitik. Über die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität – früher als Lombardsatz bezeichnet – können sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank kurzfristig gegen Sicherheiten Geld leihen. Daraus ergeben sich für den privaten und betrieblichen Lombardkredit folgende Eigenschaften:
- Flexibilität: Der Kredit steht kurzfristig und ohne aufwendige Prüfung zur Verfügung.
- Liquidität ohne Verkauf: Wertpapiere müssen nicht veräußert werden, der Anleger bleibt investiert.
- Risiko: Bei fallenden Kursen kann eine Nachschusspflicht entstehen.
Der Lombardkredit eignet sich daher vor allem zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe, sollte wegen des Kursrisikos der Sicherheiten aber mit Bedacht eingesetzt werden.
Häufige Fragen zum Lombardkredit
Welche Sicherheiten werden beim Lombardkredit akzeptiert?
Vor allem Wertpapiere, daneben auch Waren, Edelmetalle oder Wechsel – also bewegliche und leicht verwertbare Vermögenswerte.
Was ist der Beleihungswert?
Der Beleihungswert ist der Betrag, bis zu dem eine Sicherheit beliehen wird. Er liegt wegen des Beleihungsabschlags unter dem Marktwert des Pfands.
Worin unterscheiden sich Lombardkredit und Hypothekarkredit?
Der Lombardkredit ist durch bewegliche Pfänder wie Wertpapiere besichert und kurzfristig, der Hypothekarkredit dagegen durch Grundstücke und langfristig angelegt.