Staatsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, mit denen sich Staaten am Kapitalmarkt Geld leihen. Der Käufer einer Staatsanleihe gewährt dem Staat einen Kredit und erhält dafür über die Laufzeit regelmäßige Zinsen sowie am Ende die Rückzahlung des Nennwerts. Staatsanleihen gelten als wichtiges Instrument der Staatsfinanzierung und als verbreitete Kapitalanlage für private wie institutionelle Investoren.
Staatsanleihen gehören zu den ältesten und bedeutendsten Anlageformen am Kapitalmarkt. Sie bilden in vielen Ländern den größten Teil des Anleihemarktes und dienen Zentralbanken als Instrument der Geldpolitik, etwa beim Ankauf von Anleihen zur Steuerung der Geldmenge. Für private Anleger sind sie vor allem als sicherheitsorientierter Baustein im Depot interessant, der die oft schwankungsstärkeren Aktienanlagen ausgleicht.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Staatsanleihen?
Eine Staatsanleihe ist eine Schuldverschreibung, die ein Staat zur Deckung seines Finanzbedarfs ausgibt (emittiert). Sie verbrieft eine Forderung des Anlegers gegenüber dem Emittenten. Der Nennwert ist der Betrag, der am Laufzeitende zurückgezahlt wird; der Kupon gibt den jährlichen Zinssatz an. In Deutschland werden Staatsanleihen als Bundesanleihen über die Finanzagentur des Bundes begeben. Gehandelt werden sie an der Börse, sodass Anleger sie auch vor Fälligkeit kaufen und verkaufen können.
Funktion und Merkmale
Staatsanleihen erfüllen mehrere Aufgaben und weisen typische Merkmale auf:
- Staatsfinanzierung: Der Staat deckt damit Haushaltsdefizite und Investitionen.
- Laufzeit: von kurzfristig (wenige Jahre) bis langfristig (30 Jahre und mehr).
- Bonität: Ratingagenturen bewerten die Rückzahlungsfähigkeit des Staates; eine hohe Bonität bedeutet meist niedrigere Zinsen.
- Kursrisiko: Der Börsenkurs schwankt mit dem Marktzins – steigende Zinsen lassen Kurse bestehender Anleihen sinken.
- Handelbarkeit: Anleihen können über die Börse jederzeit veräußert werden.
Buchung von Staatsanleihen
Erwirbt ein Unternehmen Staatsanleihen als Geldanlage, werden diese je nach Haltedauer im Anlage- oder Umlaufvermögen erfasst. Beim Kauf für 50.000 Euro über die Bank lautet der Buchungssatz:
- Wertpapiere 50.000 EUR an Bank 50.000 EUR
Die laufenden Zinserträge werden ertragswirksam gebucht. Bei einem jährlichen Zins von 2.000 Euro lautet die Buchung:
- Bank 2.000 EUR an Zinserträge 2.000 EUR
Sinkt der Kurs am Bilanzstichtag dauerhaft unter die Anschaffungskosten, ist nach dem strengen Niederstwertprinzip (§ 253 HGB) im Umlaufvermögen eine Abschreibung vorzunehmen. Wird die Anleihe später über den Anschaffungskosten verkauft, entsteht ein Ertrag aus dem Abgang von Wertpapieren.
Für die Bewertung von Staatsanleihen sind neben der Bonität vor allem die Rendite und die Restlaufzeit entscheidend. Die Rendite weicht häufig vom Kupon ab, weil Anleihen über oder unter ihrem Nennwert gehandelt werden:
- Kurs über 100 %: Die Anleihe notiert über pari, die effektive Rendite liegt unter dem Kupon.
- Kurs unter 100 %: Die Anleihe notiert unter pari, die Rendite liegt über dem Kupon.
- Stückzinsen: Beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen vergütet der Käufer dem Verkäufer die bis dahin aufgelaufenen Zinsen.
Institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds nutzen Staatsanleihen, um langfristige Verpflichtungen mit planbaren Zahlungsströmen abzudecken.
Häufige Fragen zu Staatsanleihen
Wie sicher sind Staatsanleihen?
Die Sicherheit hängt von der Bonität des Staates ab. Anleihen von Staaten mit Spitzenrating gelten als sehr sicher, während Anleihen schwächerer Staaten höhere Risiken und Zinsen aufweisen.
Wie verdient man mit Staatsanleihen?
Anleger erhalten regelmäßige Zinszahlungen (Kupon) und am Laufzeitende den Nennwert zurück. Zusätzlich sind Kursgewinne beim Verkauf vor Fälligkeit möglich.
Warum sinken Anleihekurse bei steigenden Zinsen?
Neue Anleihen bieten dann höhere Zinsen. Ältere, niedriger verzinste Anleihen werden dadurch unattraktiver und verlieren entsprechend an Kurswert.