Ein Reverse-Floater (auch Inverse Floater) ist eine variabel verzinsliche Anleihe, deren Kupon sich gegenläufig zu einem Referenzzinssatz entwickelt. Sinkt der Marktzins, steigt die Verzinsung des Reverse-Floaters – und umgekehrt. Damit ist er das Spiegelbild eines klassischen Floaters, dessen Kupon mit dem Referenzzins steigt. Reverse-Floater gehören zu den strukturierten Anleihen und richten sich an Anleger mit einer klaren Zinsmeinung.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Reverse-Floater?
Bei einem Reverse-Floater wird der Kupon nicht als Referenzzins plus Aufschlag berechnet, sondern als fester Basiszins abzüglich eines Referenzzinssatzes. Als Referenz dient üblicherweise ein Geldmarktsatz wie der EURIBOR. Der Anleger profitiert also von fallenden Zinsen, weil dann der abzuziehende Referenzzins kleiner wird und der Kupon steigt. Ein Reverse-Floater eignet sich damit vor allem für Anleger, die von sinkenden oder stabilen Marktzinsen ausgehen. Der Emittent nutzt das Instrument häufig, um bestimmte Zinserwartungen abzusichern oder Finanzierungskosten zu gestalten.
Berechnung des Kupons
Die Kuponformel lautet vereinfacht:
- Kupon = Basiszins − Referenzzins (z. B. 8 % − EURIBOR)
- Meist ist eine Untergrenze (Floor) von 0 % vereinbart, damit der Kupon nicht negativ werden kann.
- Teils wird der Referenzzins mit einem Faktor (Hebel) multipliziert, was die Zinssensitivität weiter erhöht.
Rechenbeispiel: Der Basiszins beträgt 8 %, der EURIBOR liegt bei 3 %. Der Kupon ergibt sich zu 8 % − 3 % = 5 %. Fällt der EURIBOR auf 1 %, steigt der Kupon auf 8 % − 1 % = 7 %. Steigt der EURIBOR dagegen auf 6 %, sinkt der Kupon auf nur noch 2 %. Bei einem Nominalbetrag von 10.000 € entspricht ein Kupon von 5 % einer jährlichen Zinszahlung von 500 €.
Chancen und Risiken
Der Reverse-Floater reagiert besonders stark auf Zinsänderungen, weil sich sowohl der Kupon als auch der Barwert der Anleihe gegenläufig bewegen. Daraus ergeben sich charakteristische Eigenschaften:
- Chance: Bei fallenden Zinsen steigen Kupon und Kurs überproportional – der Reverse-Floater hat eine hohe Duration.
- Risiko: Bei steigenden Zinsen sinken Kupon und Kurs deutlich; das Zinsänderungsrisiko ist erheblich größer als bei einer normalen Anleihe.
- Bonitätsrisiko: Wie bei jeder Anleihe besteht das Risiko, dass der Emittent ausfällt.
- Liquiditätsrisiko: Strukturierte Anleihen sind oft weniger liquide und schwerer wieder zu verkaufen.
Einordnung und Bewertung
Wegen seiner hohen Zinssensitivität wird der Reverse-Floater häufig zur gezielten Zinsspekulation oder zur Absicherung von Zinsrisiken eingesetzt. Steigen die Marktzinsen entgegen der Erwartung, kann der Kurs deutlich fallen, sodass ein Verkauf vor Fälligkeit mit Verlusten verbunden sein kann. Anleger sollten daher die Laufzeit, den Floor und einen möglichen Hebel genau prüfen. Als strukturiertes Produkt gehört der Reverse-Floater eher in die Hände erfahrener Anleger, die die zugrunde liegenden Zinsmechanismen verstehen und die Schwankungen tragen können.
Häufige Fragen zum Reverse-Floater
Worin unterscheidet sich ein Reverse-Floater von einem normalen Floater?
Beim klassischen Floater steigt der Kupon mit dem Referenzzins, beim Reverse-Floater fällt er. Der Reverse-Floater ist damit für Anleger interessant, die auf sinkende Zinsen setzen und eine höhere Kurssensitivität in Kauf nehmen.
Kann der Kupon eines Reverse-Floaters negativ werden?
Rechnerisch ja, wenn der Referenzzins den Basiszins übersteigt. In der Praxis vereinbaren Emittenten meist einen Floor von 0 %, sodass der Kupon nicht unter null fällt.
Für wen eignet sich ein Reverse-Floater?
Er eignet sich für Anleger mit einer klaren Erwartung fallender Marktzinsen und einer höheren Risikobereitschaft, da das Zinsänderungsrisiko und die Kursschwankungen deutlich größer sind als bei einer festverzinslichen Standardanleihe.