Die Maschinenstundensatzrechnung ist ein Verfahren der Kostenrechnung, mit dem die von einer Maschine verursachten Kosten je Betriebsstunde ermittelt und den Kostenträgern zugerechnet werden. Sie ist besonders in kapitalintensiven Fertigungsbetrieben verbreitet, in denen die maschinenabhängigen Kosten den größten Teil der Fertigungsgemeinkosten ausmachen und der Anteil der Fertigungslöhne vergleichsweise gering ist.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Maschinenstundensatzrechnung?
Klassische Zuschlagskalkulationen verteilen die Fertigungsgemeinkosten pauschal über einen prozentualen Zuschlag auf die Fertigungslöhne. Bei hohem Maschineneinsatz und geringem Lohnanteil führt das zu ungenauen Ergebnissen, weil ein niedriger Lohn dann eine unrealistisch niedrige Kostenbelastung nach sich zieht. Die Maschinenstundensatzrechnung löst dieses Problem, indem sie die maschinenabhängigen Kosten gesondert erfasst und über einen Stundensatz verrechnet.
Nur die restlichen, nicht maschinenabhängigen Gemeinkosten werden weiterhin über einen Zuschlagssatz auf die Fertigungslöhne oder eine andere Bezugsgröße verteilt. Dadurch werden Aufträge, die viel Maschinenzeit beanspruchen, verursachungsgerechter mit Kosten belastet als bei einer reinen Lohnzuschlagskalkulation.
Bestandteile und Formel
In den Maschinenstundensatz gehen typischerweise folgende maschinenabhängigen Kostenarten ein:
- kalkulatorische Abschreibungen der Maschine, orientiert am Wiederbeschaffungswert
- kalkulatorische Zinsen auf das in der Maschine gebundene Kapital
- Energiekosten wie Strom und Druckluft
- Instandhaltung, Wartung und Reparaturen
- Raumkosten des Maschinenstandorts
- gegebenenfalls Werkzeug- und Hilfsstoffkosten, soweit sie der Maschine direkt zurechenbar sind
Der Maschinenstundensatz berechnet sich nach der Formel:
- Maschinenstundensatz = maschinenabhängige Kosten pro Jahr ÷ Laufzeit der Maschine in Stunden pro Jahr
Berechnungsbeispiel
Eine Maschine verursacht folgende jährliche maschinenabhängige Kosten:
- Kalkulatorische Abschreibung: 20.000 Euro
- Kalkulatorische Zinsen: 4.000 Euro
- Energiekosten: 6.000 Euro
- Instandhaltung: 5.000 Euro
- Raumkosten: 3.000 Euro
- Summe: 38.000 Euro
Die Maschine läuft 1.900 Stunden im Jahr. Der Maschinenstundensatz beträgt:
- 38.000 ÷ 1.900 = 20 Euro je Maschinenstunde
Benötigt ein Auftrag 8 Maschinenstunden, entfallen darauf 160 Euro maschinenabhängige Kosten (8 × 20). Hinzu kommen die übrigen, über Zuschlagssätze verrechneten Fertigungsgemeinkosten sowie die Material- und Lohnkosten des Auftrags. Sinkt die Laufzeit der Maschine, steigt bei gleichbleibenden Kosten der Stundensatz – die Auslastung wirkt sich also unmittelbar auf die Kalkulation aus.
Der Vorteil der Maschinenstundensatzrechnung liegt in der genaueren und verursachungsgerechteren Zurechnung der Kosten. Ihr Nachteil ist der höhere Erfassungsaufwand, denn die maschinenabhängigen Kosten müssen für jede Maschine oder Maschinengruppe getrennt ermittelt und die Laufzeiten dokumentiert werden. Zudem beruht der Stundensatz auf einer geplanten Jahreslaufzeit: Wird diese nicht erreicht, entstehen Leerkosten, weil ein Teil der bereitgestellten Kapazität ungenutzt bleibt. In der Praxis wird die Maschinenstundensatzrechnung deshalb meist in Kombination mit ergänzenden Zuschlagssätzen für die nicht maschinenbezogenen Gemeinkosten eingesetzt.
Häufige Fragen zur Maschinenstundensatzrechnung
Wann lohnt sich die Maschinenstundensatzrechnung?
Sie ist sinnvoll, wenn die Fertigung stark maschinengeprägt ist und der Anteil der Fertigungslöhne gering ausfällt, sodass eine reine Lohnzuschlagskalkulation zu ungenaue Ergebnisse liefern würde.
Welche Kosten fließen nicht in den Maschinenstundensatz ein?
Nicht maschinenabhängige Gemeinkosten wie Fertigungsleitung, allgemeine Verwaltung oder Rüstkosten werden weiterhin über getrennte Zuschlagssätze verrechnet und nicht im Stundensatz erfasst.
Warum verwendet man kalkulatorische Abschreibungen?
Kalkulatorische Abschreibungen orientieren sich am Wiederbeschaffungswert und der tatsächlichen Nutzung und bilden den Werteverzehr für die Kalkulation realistischer ab als die rein bilanziellen Abschreibungen.