Kuppelproduktion: Definition, Kuppelkalkulation und Beispiel

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Die Kuppelproduktion liegt vor, wenn aus einem einheitlichen Produktionsprozess technisch zwangsläufig mehrere Produkte gleichzeitig entstehen. Diese sogenannten Kuppelprodukte lassen sich nicht getrennt voneinander herstellen. Ein klassisches Beispiel ist die Rohölverarbeitung, bei der zugleich Benzin, Diesel, Heizöl und weitere Fraktionen anfallen, ohne dass eines der Produkte isoliert erzeugt werden könnte.

Was ist Kuppelproduktion?

Bei der Kuppelproduktion – auch verbundene Produktion genannt – führt ein einziger Fertigungsvorgang zwangsläufig zu einem Bündel unterschiedlicher Erzeugnisse. Die Mengenverhältnisse sind dabei durch das Verfahren häufig vorgegeben und nur begrenzt beeinflussbar. Man unterscheidet:

  • Hauptprodukt: das Erzeugnis mit dem größten wirtschaftlichen Wert, das eigentliche Produktionsziel
  • Nebenprodukte: Erzeugnisse von geringerem Wert, die zwangsläufig mit anfallen
  • Abfallprodukte: Rückstände ohne oder mit sehr geringem Wert, oft sogar mit Entsorgungskosten

Kennzeichnend ist das Zurechnungsproblem: Die gemeinsamen Kosten des Prozesses lassen sich den einzelnen Kuppelprodukten nicht verursachungsgerecht zuordnen, weil sie erst am sogenannten Split-off-Point voneinander getrennt werden. Deshalb sind besondere Kalkulationsverfahren erforderlich. Kuppelproduktion tritt neben der Chemie- und Mineralölindustrie auch in Sägewerken, Molkereien und der Fleischverarbeitung auf.

Verfahren der Kuppelkalkulation

Zur Verteilung der gemeinsamen Kosten haben sich zwei Grundverfahren durchgesetzt:

  • Restwertmethode (Subtraktionsmethode): Sie eignet sich, wenn es ein klares Hauptprodukt gibt. Von den Gesamtkosten werden die Erlöse der Nebenprodukte abgezogen; der verbleibende Restbetrag wird allein dem Hauptprodukt zugerechnet.
  • Verteilungsmethode (Marktwertmethode): Sie wird angewandt, wenn mehrere gleichrangige Hauptprodukte entstehen. Die Gesamtkosten werden im Verhältnis der Marktwerte oder anhand technischer Verteilungsschlüssel auf die Produkte verteilt.

Beispiel zur Restwertmethode

Ein Prozess verursacht Gesamtkosten von 100.000 Euro. Es entstehen ein Hauptprodukt und ein Nebenprodukt. Das Nebenprodukt erzielt Erlöse von 20.000 Euro. Aus dem Prozess resultieren 8.000 Einheiten des Hauptprodukts.

  • Kosten des Hauptprodukts = 100.000 − 20.000 = 80.000 Euro
  • Stückkosten = 80.000 ÷ 8.000 = 10 Euro je Einheit

Die Erlöse des Nebenprodukts entlasten so die Kosten des Hauptprodukts. Steigen die Nebenprodukterlöse, sinken rechnerisch die Stückkosten des Hauptprodukts – eine Besonderheit, die die Aussagekraft der Restwertmethode einschränkt.

Eine Besonderheit der Kuppelproduktion ist, dass sich das Mengenverhältnis der Produkte kurzfristig kaum steuern lässt. Möchte ein Unternehmen mehr vom gefragten Hauptprodukt herstellen, entstehen zwangsläufig auch mehr Nebenprodukte, für die es unter Umständen keinen ausreichenden Absatzmarkt gibt. Für Absatz- und Produktionsplanung ist die Kuppelproduktion deshalb anspruchsvoll. Zudem beeinflusst die Wahl des Kalkulationsverfahrens die ausgewiesenen Stückkosten erheblich, sodass die Ergebnisse stets im Zusammenhang mit der gewählten Methode zu beurteilen sind.

Häufige Fragen zur Kuppelproduktion

Was unterscheidet Haupt- und Nebenprodukt?

Das Hauptprodukt ist das wirtschaftlich bedeutendste Erzeugnis und das eigentliche Ziel der Produktion. Nebenprodukte fallen mit geringerem Wert zwangsläufig mit an.

Warum ist die Kostenzurechnung schwierig?

Weil alle Produkte aus einem gemeinsamen Prozess stammen, lassen sich die Kosten nicht verursachungsgerecht auf einzelne Produkte aufteilen; man muss auf Verteilungs- oder Restwertverfahren zurückgreifen.

Wann wird die Verteilungsmethode genutzt?

Sie kommt zum Einsatz, wenn mehrere gleichwertige Hauptprodukte entstehen und die Kosten nach ihren Marktwerten oder nach technischen Schlüsseln auf die Produkte aufgeteilt werden.

In welchen Branchen tritt Kuppelproduktion auf?

Typisch ist sie in der chemischen Industrie und der Mineralölverarbeitung, außerdem in Sägewerken, in der Fleisch- und Milchverarbeitung sowie überall dort, wo aus einem Rohstoff zwangsläufig mehrere Erzeugnisse entstehen.

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