Kuppelproduktion liegt vor, wenn aus einem einheitlichen Fertigungsprozess zwangsläufig mehrere verschiedene Produkte entstehen, ohne dass diese gezielt einzeln produziert werden könnten. Die entstehenden Produkte werden als Kuppelprodukte bezeichnet und stellen eine besondere Herausforderung für die Kalkulation dar.
Inhaltsverzeichnis
Definition und Abgrenzung
Beim Kuppelproduktionsprozess können die entstehenden Produkte nicht unabhängig voneinander in ihrer Menge variiert werden. Das Mengenverhältnis der Kuppelprodukte wird durch die Produktionstechnologie vorgegeben.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Hauptprodukt | Das eigentlich angestrebte Produkt mit dem höchsten Wert |
| Nebenprodukt | Entsteht zwangsläufig, hat aber noch positiven Marktpreis |
| Abfallprodukt / Ausschuss | Entsteht zwangsläufig, hat keinen oder negativen Wert (Entsorgungskosten) |
Beispiele aus der Praxis
- Erdölraffination: Aus Rohöl entstehen Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl, Bitumen – in festem Mengenverhältnis
- Schlachtung: Aus einem Tier entstehen verschiedene Fleischsorten, Innereien, Fell, Knochen
- Kohleverkokung: Koks (Hauptprodukt) + Koksgas + Teer + Ammoniak (Nebenprodukte)
- Milchverarbeitung: Rahm (für Butter/Sahne) + Magermilch entstehen beim Zentrifugieren gleichzeitig
Das Kalkulationsproblem
Da alle Kuppelprodukte gemeinsam entstehen, lassen sich die Gesamtkosten nicht verursachungsgerecht auf einzelne Produkte verteilen. Es gibt nur willkürliche Zurechnungsverfahren. Dies ist das Zurechnungsproblem der Kuppelkalkulation.
Methode 1: Restwertmethode (Subtraktionsmethode)
Die Nebenprodukte werden zum Marktpreis bewertet und von den Gesamtkosten abgezogen. Die verbleibenden Kosten werden dem Hauptprodukt zugerechnet:
Kosten Hauptprodukt = Gesamtkosten – Erlöse Nebenprodukte
Beispiel: Gesamtkosten 500.000 €, Nebenprodukt-Erlöse 80.000 € → Kosten Hauptprodukt = 420.000 €
Vorteil: Einfach. Nachteil: Nebenproduktbewertung beeinflusst Hauptproduktkosten; alle Kosten beim Hauptprodukt.
Methode 2: Marktpreismethode (Schlüsselung)
Die Gesamtkosten werden im Verhältnis der Marktpreise (oder Erlöse) auf alle Kuppelprodukte verteilt:
Kostenzurechnung Produkt i = Gesamtkosten × (Erlös i ÷ Gesamterlöse aller Produkte)
Vorteil: Alle Produkte tragen zu den Kosten bei. Nachteil: Marktpreisänderungen verändern Kostenstruktur willkürlich.
Entscheidungsrelevanz
Für kurzfristige Preisentscheidungen gilt: Einzelne Kuppelprodukte sollten am Markt abgesetzt werden, solange der Erlös die Trennkosten (Kosten nach dem Trennpunkt, die spezifisch für ein Produkt anfallen) übersteigt. Die Gesamtproduktionskosten vor dem Trennpunkt sind sunk costs und entscheidungsirrelevant.