Kuppelkalkulation: Restwertmethode und Marktpreismethode einfach erklärt

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Die Kuppelkalkulation kommt bei der Herstellung von Kuppelprodukten (Nebenerzeugnissen) zum Einsatz. Sie beantwortet die Frage: Wie werden die Gesamtkosten auf Haupt- und Nebenprodukte verteilt? Ein prüfungsrelevantes Thema im 3.–4. Semester BWL.

Was sind Kuppelprodukte?

Kuppelprodukte entstehen zwangsläufig im selben Produktionsprozess. Beispiele: Bei der Erdölraffinerie entstehen Benzin, Diesel, Heizöl und Bitumen gleichzeitig. Bei der Milchverarbeitung entstehen Vollmilch, Magermilch und Molke nebeneinander. Die Kosten lassen sich nicht direkt einzelnen Produkten zuordnen.

Methoden der Kuppelkalkulation

Methode Vorgehen Anwendung
Restwertmethode Kosten der Nebenprodukte werden vom Gesamtaufwand abgezogen; Rest trägt das Hauptprodukt Ein klares Hauptprodukt
Marktpreismethode Kosten werden im Verhältnis der Markterlöse auf alle Produkte verteilt Gleichwertige Kuppelprodukte

Beispiel 1: Restwertmethode

Eine Raffinerie verarbeitet im Monat Rohöl und hat Gesamtkosten von 500.000 €. Es entstehen: Hauptprodukt Benzin (8.000 l) und Nebenprodukt Heizöl (2.000 l). Heizöl wird zum Marktpreis von 0,80 €/l weiterverkauft.

Schritt 1: Erlös Nebenprodukt = 2.000 × 0,80 = 1.600 €

Schritt 2: Kosten Hauptprodukt (Restwert) = 500.000 – 1.600 = 498.400 €

Schritt 3: Stückkosten Benzin = 498.400 / 8.000 = 62,30 €/l

Die Nebenprodukt-Erlöse reduzieren die Kosten des Hauptprodukts.

Beispiel 2: Marktpreismethode

Dieselbe Raffinerie. Gesamtkosten: 500.000 €. Diesmal werden beide Produkte als gleichwertig behandelt. Benzin: 8.000 l à 1,50 €/l Marktpreis. Heizöl: 2.000 l à 0,80 €/l Marktpreis.

Schritt 1: Gesamterlöse: 8.000×1,50 + 2.000×0,80 = 12.000 + 1.600 = 13.600 €

Schritt 2: Kostenanteil Benzin = 12.000/13.600 × 500.000 = 88,24 % × 500.000 = 441.176 €

Schritt 3: Kostenanteil Heizöl = 1.600/13.600 × 500.000 = 11,76 % × 500.000 = 58.824 €

Stückkosten Benzin: 441.176/8.000 = 55,15 €/l; Stückkosten Heizöl: 58.824/2.000 = 29,41 €/l

Vor- und Nachteile der Methoden

Methode Vorteile Nachteile
Restwertmethode Einfach, klar Nebenprodukt trägt keine Kosten; Hauptprodukt wird ggf. überbelastet
Marktpreismethode Marktorientiert, alle Produkte tragen Kosten Abhängig von volatilen Marktpreisen; willkürlich bei Preisschwankungen

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Prüfungstipp: In der Klausur wird meist nur eine Methode gefragt. Erkenne am Sachverhalt, ob ein klares Hauptprodukt vorliegt (→ Restwert) oder mehrere gleichwertige Produkte (→ Marktpreismethode). Bei der Restwertmethode gilt: Nebenprodukt erst herausrechnen, dann Restkosten auf Hauptprodukt verteilen.

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