Hilfsstoffe sind Werkstoffe, die zwar in das hergestellte Erzeugnis eingehen, jedoch wertmäßig und mengenmäßig nur einen untergeordneten Anteil am fertigen Produkt ausmachen. Gemeinsam mit den Rohstoffen und den Betriebsstoffen bilden sie die Gruppe der Werkstoffe, die im Fertigungsprozess eines Industriebetriebs verbraucht werden.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Hilfsstoffe?
Im Gegensatz zu Rohstoffen, die als Hauptbestandteil unmittelbar und in großem Umfang in das Erzeugnis eingehen, treten Hilfsstoffe nur ergänzend hinzu. Sie sind körperlicher Bestandteil des Produkts, prägen dessen Charakter aber nicht. Typische Beispiele sind:
- Leim und Nägel bei der Herstellung von Möbeln (Rohstoff ist hier das Holz)
- Lacke und Farben bei der Fertigung von Karosserien
- Nähgarn und Knöpfe in der Bekleidungsproduktion
- Schrauben und Dichtungen im Maschinenbau
Die Abgrenzung erfolgt also nach der wirtschaftlichen Bedeutung, nicht nach der physikalischen Beschaffenheit. Ob ein Material Roh- oder Hilfsstoff ist, hängt vom jeweiligen Erzeugnis ab: Schrauben sind bei der Möbelproduktion ein Hilfsstoff, beim Schraubenhersteller selbst jedoch das Fertigerzeugnis.
Abgrenzung zu Betriebsstoffen und buchhalterische Behandlung
Die dritte Werkstoffgruppe bilden die Betriebsstoffe. Diese gehen im Unterschied zu Hilfsstoffen nicht in das Erzeugnis ein, sondern werden lediglich verbraucht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, etwa Schmieröl, Strom oder Reinigungsmittel. Die Faustregel lautet daher:
- Hilfsstoffe: gehen in das Produkt ein, aber nur in geringem Umfang
- Betriebsstoffe: gehen nicht in das Produkt ein, werden aber verbraucht
Buchhalterisch werden Hilfsstoffe häufig aus Vereinfachungsgründen als Gemeinkosten erfasst, weil sich ihr Verbrauch nur schwer einem einzelnen Erzeugnis zurechnen lässt. Der Einkauf wird auf dem Bestandskonto „Hilfsstoffe“ gebucht. Ein einfacher Buchungssatz beim Kauf auf Ziel lautet:
- Hilfsstoffe an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (zuzüglich Vorsteuer)
Beim Verbrauch wird der Aufwand erfasst: Aufwendungen für Hilfsstoffe an Hilfsstoffe. In der Bilanz erscheinen die noch vorhandenen Hilfsstoffe im Vorratsvermögen des Umlaufvermögens. Der Verbrauch wird in der Praxis häufig über die Methode der Inventur oder über die Skontration (Materialentnahmescheine) ermittelt. Eine sorgfältige Erfassung ist wichtig, weil die Materialkosten in vielen Industriebetrieben den größten Kostenblock bilden und sich unmittelbar auf den Gewinn auswirken.
Bedeutung für die Lagerhaltung und Beschaffung
Auch Hilfsstoffe müssen beschafft, gelagert und verwaltet werden. Da viele Hilfsstoffe geringwertig sind, aber in großer Zahl benötigt werden, wendet man häufig die ABC-Analyse an. Hilfsstoffe zählen meist zu den C-Gütern: niedriger Wert, hohe Stückzahl. Für sie genügen einfache Bestellverfahren, etwa das Bestellpunktverfahren mit Meldebestand. So wird vermieden, dass durch fehlende Kleinteile wie Schrauben oder Leim die gesamte Produktion stockt, ohne dass ein übermäßiger Verwaltungsaufwand entsteht.
Häufige Fragen zu Hilfsstoffen
Worin unterscheiden sich Hilfsstoffe und Rohstoffe?
Rohstoffe bilden den wesentlichen Hauptbestandteil eines Erzeugnisses, etwa das Holz beim Stuhl. Hilfsstoffe gehen zwar ebenfalls in das Produkt ein, machen aber nur einen geringen Anteil aus, wie Leim oder Nägel. Die Unterscheidung erfolgt nach dem wertmäßigen und mengenmäßigen Anteil am Produkt.
Sind Hilfsstoffe Einzel- oder Gemeinkosten?
Grundsätzlich könnten Hilfsstoffe als Einzelkosten zugerechnet werden. In der Praxis behandelt man sie wegen des geringen Werts und des hohen Erfassungsaufwands jedoch meist als unechte Gemeinkosten und verteilt sie über Zuschlagssätze.
Wo werden Hilfsstoffe in der Bilanz ausgewiesen?
Noch nicht verbrauchte Hilfsstoffe gehören zum Vorratsvermögen und werden im Umlaufvermögen der Bilanz unter den Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen ausgewiesen.