Die Baustellenfertigung ist eine Form der Fertigungsorganisation, bei der das herzustellende Erzeugnis während der gesamten Produktion an einem festen Ort verbleibt und alle benötigten Produktionsfaktoren – Material, Werkzeuge, Maschinen und Arbeitskräfte – zum Erzeugnis hingebracht werden. Sie steht damit im Gegensatz zur Werkstatt- oder Fließfertigung, bei denen das Werkstück von Bearbeitungsstation zu Bearbeitungsstation wandert.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Baustellenfertigung?
Charakteristisch für die Baustellenfertigung ist die Ortsgebundenheit des Produkts. Das Erzeugnis ist so groß, schwer oder ortsfest, dass ein Transport während der Herstellung nicht möglich oder unwirtschaftlich wäre. Deshalb wird die Produktion an den Standort des Erzeugnisses verlagert. Die Bezeichnung leitet sich vom typischen Anwendungsfall ab: dem Bau eines Hauses oder einer Brücke. Die Baustellenfertigung ist meist mit einer Einzel- oder Kleinserienfertigung verbunden, da häufig individuelle, einmalige Erzeugnisse entstehen.
Merkmale und Anwendungsbereiche
Typische Merkmale der Baustellenfertigung sind:
- Das Erzeugnis bleibt ortsfest, die Produktionsfaktoren sind mobil.
- Häufig handelt es sich um Großprojekte mit langer Fertigungsdauer.
- Es überwiegt die Einzelfertigung individueller Erzeugnisse.
- Hoher Bedarf an Planung, Koordination und Logistik.
Typische Beispiele sind der Hoch- und Tiefbau (Gebäude, Brücken, Straßen), der Schiffbau auf der Werft, der Bau von Großmaschinen und Industrieanlagen sowie der Flugzeugbau. In all diesen Fällen ist es praktisch unmöglich, das Erzeugnis durch eine Werkstatt zu transportieren – stattdessen kommen Kräne, mobile Maschinen und Montageteams zur Baustelle.
Vor- und Nachteile
Die Baustellenfertigung bringt spezifische Stärken und Schwächen mit sich:
- Vorteil: Auch sehr große und ortsgebundene Erzeugnisse lassen sich herstellen. Die Fertigung kann flexibel an individuelle Kundenwünsche angepasst werden.
- Vorteil: Da Teams das gesamte Projekt begleiten, entsteht oft eine hohe Identifikation mit dem Werkstück.
- Nachteil: Der Transport von Material und Maschinen verursacht hohe Logistikkosten. Witterung und örtliche Bedingungen können den Ablauf stören.
- Nachteil: Die Auslastung von Maschinen und Personal ist schwerer zu planen, und es entstehen meist hohe Stückkosten.
Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Baustellenfertigung vor allem dort eingesetzt, wo keine wirtschaftlichere Alternative besteht, weil das Erzeugnis seiner Natur nach nicht transportabel ist. Eine sorgfältige Ablaufplanung ist dabei entscheidend, denn die einzelnen Arbeitsschritte – etwa Aushub, Rohbau und Ausbau – müssen zeitlich und räumlich genau aufeinander abgestimmt werden. Da viele Gewerke nacheinander am selben Ort arbeiten, kommt der Koordination der beteiligten Unternehmen und der Materialanlieferung eine besondere Bedeutung zu.
Häufige Fragen zur Baustellenfertigung
Wodurch unterscheidet sich die Baustellenfertigung von der Fließfertigung?
Bei der Fließfertigung wandert das Werkstück durch aufeinanderfolgende Bearbeitungsstationen. Bei der Baustellenfertigung bleibt das Erzeugnis ortsfest, und die Produktionsfaktoren werden zu ihm gebracht.
Welche Branchen nutzen die Baustellenfertigung?
Typisch sind die Baubranche, der Schiffbau, der Anlagen- und Maschinenbau sowie der Flugzeugbau – also überall dort, wo große, schwere oder ortsgebundene Erzeugnisse entstehen.
Ist Baustellenfertigung immer Einzelfertigung?
Häufig ja, weil meist individuelle Großerzeugnisse hergestellt werden. Zwingend ist das aber nicht: Auch Kleinserien können in Baustellenfertigung erstellt werden, etwa bei gleichartigen Bauprojekten.