Das Gesellschaftsrecht regelt die Gründung, Struktur und Auflösung von Unternehmen. Als BWL-Student begegnest du ihm in Rechtskunde, Steuerrecht und Unternehmensführung. Diese Übungsaufgaben trainieren die wichtigsten Grundlagen zu GmbH, AG, OHG und KG.
Inhaltsverzeichnis
Aufgabe 1: Merkmale der Gesellschaftsformen
Ordne folgende Eigenschaften den Gesellschaftsformen GmbH, AG, OHG und KG zu:
- Mindestkapital 50.000 € – aufgeteilt in Aktien
- Keine Mindesteinlage; alle Gesellschafter haften unbeschränkt
- Mindestkapital 25.000 €; beschränkte Haftung der Gesellschafter
- Mindestens ein Vollhafter (Komplementär) + mindestens ein beschränkt haftender Gesellschafter (Kommanditist)
Lösung Aufgabe 1:
| Eigenschaft | Gesellschaftsform | Begründung |
|---|---|---|
| a) 50.000 € Mindestkapital, Aktien | AG | § 7 AktG: Mindestgrundkapital 50.000 €; Kapital eingeteilt in Aktien |
| b) Kein Mindestkapital, unbeschränkte Haftung aller | OHG | § 105 HGB: Alle Gesellschafter haften mit ihrem gesamten Vermögen |
| c) 25.000 € Mindestkapital, beschränkte Haftung | GmbH | § 5 GmbHG: Stammkapital mindestens 25.000 €; Haftung auf Einlage |
| d) Komplementär + Kommanditist | KG | § 161 HGB: Komplementär haftet unbeschränkt, Kommanditist bis zur Einlage |
Aufgabe 2: Haftung bei Personengesellschaften
A, B und C gründen eine OHG mit Einlagen von je 100.000 €. Die OHG gerät in finanzielle Schwierigkeiten mit Verbindlichkeiten von 500.000 €. Das Gesellschaftsvermögen beläuft sich auf 150.000 €.
Frage: Wie haften A, B und C für die restlichen 350.000 €?
Lösung Aufgabe 2:
Bei der OHG haften alle Gesellschafter persönlich, unbeschränkt, unmittelbar und gesamtschuldnerisch (§ 128 HGB).
| Position | Betrag |
|---|---|
| Gesamtverbindlichkeiten | 500.000 € |
| – Gesellschaftsvermögen | 150.000 € |
| = Restschuld | 350.000 € |
| Haftung je Gesellschafter (Gesamtschuldner) | Jeder kann für die vollen 350.000 € in Anspruch genommen werden |
Der Gläubiger kann A, B oder C (oder alle) für die vollen 350.000 € in Anspruch nehmen. Im Innenverhältnis besteht dann ein Ausgleichsanspruch untereinander (je 1/3).
Aufgabe 3: GmbH-Gründung
Drei Gesellschafter möchten eine GmbH gründen. Sie planen, Stammeinlagen von jeweils 10.000 € zu leisten. Ist die Gründung möglich?
Lösung Aufgabe 3:
Das Stammkapital beträgt 3 × 10.000 = 30.000 €. Damit ist das gesetzliche Mindest-Stammkapital von 25.000 € (§ 5 GmbHG) erfüllt. Die Gründung ist möglich.
Weitere Voraussetzungen:
- Notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag
- Mindestens 25 % jeder Stammeinlage sofort einzuzahlen (mindestens 12.500 € gesamt)
- Eintragung ins Handelsregister → erst dann entsteht die GmbH als juristische Person
Aufgabe 4: Unterschied Kapital- vs. Personengesellschaft
Nennen und erläutere zwei wesentliche Unterschiede zwischen einer GmbH (Kapitalgesellschaft) und einer OHG (Personengesellschaft).
Lösung Aufgabe 4:
| Kriterium | GmbH (Kapitalgesellschaft) | OHG (Personengesellschaft) |
|---|---|---|
| Haftung | Beschränkt auf Stammeinlage; Gesellschafter haften nicht persönlich | Unbeschränkte persönliche Haftung aller Gesellschafter |
| Rechtspersönlichkeit | Juristische Person (eigene Rechtsfähigkeit, KSt-pflichtig) | Keine eigene Rechtspersönlichkeit (Mitunternehmerschaft, ESt-pflichtig) |
| Mindestkapital | 25.000 € Stammkapital erforderlich | Kein Mindestkapital |
| Geschäftsführung | Geschäftsführer (kann Nicht-Gesellschafter sein) | Grundsätzlich alle Gesellschafter (§ 114 HGB) |
Verwandte Themen
- Körperschaftsteuer – Besteuerung von Kapitalgesellschaften
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- BWL Klausuraufgaben – Weitere Übungsaufgaben
Prüfungstipp: Lerne die vier Grundformen (GmbH, AG, OHG, KG) mit ihren Kernmerkmalen (Haftung, Mindestkapital, Rechtspersönlichkeit, Besteuerung). Die Haftungsfrage bei OHG und KG wird in Klausuren gerne mit konkreten Zahlen abgefragt.