Ein Zinstermingeschäft ist ein Termingeschäft, dessen Wert sich von der künftigen Entwicklung eines Zinssatzes oder eines zinstragenden Basiswertes ableitet. Käufer und Verkäufer vereinbaren bereits heute die Konditionen, die Erfüllung des Geschäfts erfolgt jedoch erst zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt. Zinstermingeschäfte gehören zu den derivativen Finanzinstrumenten und dienen vor allem der Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Zinstermingeschäft?
Bei einem Zinstermingeschäft schließen zwei Parteien einen Vertrag über einen zinsbezogenen Basiswert ab, etwa eine Anleihe oder einen Referenzzinssatz. Der Preis beziehungsweise Zinssatz wird im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses fixiert, während Lieferung und Bezahlung erst in der Zukunft stattfinden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko steigender oder fallender Zinsen bereits heute kalkulierbar machen.
Zinstermingeschäfte unterscheiden sich vom Kassageschäft, bei dem Abschluss und Erfüllung nahezu zeitgleich erfolgen. Beim Termingeschäft liegt zwischen beiden Zeitpunkten eine vereinbarte Frist.
Formen und Funktion
Zinstermingeschäfte treten in unterschiedlichen Ausgestaltungen auf:
- Forward Rate Agreement (FRA): Außerbörslich vereinbarte Festlegung eines künftigen Zinssatzes für einen bestimmten Zeitraum.
- Zinsfutures: Standardisierte, börsengehandelte Kontrakte auf zinstragende Basiswerte wie den Euro-Bund-Future.
- Zinsswaps: Tausch von festen gegen variable Zinszahlungen über eine vereinbarte Laufzeit.
- Zinsoptionen: Recht, aber nicht die Pflicht, ein zinsbezogenes Geschäft zu festgelegten Konditionen abzuschließen (z. B. Caps und Floors).
Die Hauptfunktion liegt in der Absicherung (Hedging) gegen Zinsänderungsrisiken. Daneben werden Zinstermingeschäfte auch zur Spekulation auf Zinsentwicklungen sowie zur Arbitrage genutzt.
Anwendung und Beispiel
Ein Unternehmen erwartet in sechs Monaten die Aufnahme eines Kredits und befürchtet steigende Zinsen. Durch ein Forward Rate Agreement kann es sich den heutigen Zinssatz für den künftigen Zeitraum sichern:
- Steigen die Marktzinsen tatsächlich, erhält das Unternehmen einen Ausgleich und zahlt im Ergebnis den vereinbarten niedrigeren Satz.
- Fallen die Zinsen hingegen, muss das Unternehmen den vereinbarten höheren Satz akzeptieren beziehungsweise einen Ausgleich leisten.
Das Geschäft macht die künftige Zinsbelastung damit planbar, unabhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung. Der Sicherungseffekt hat allerdings seinen Preis: Sinken die Zinsen, profitiert das Unternehmen nicht von den günstigeren Konditionen, weil es an die vereinbarte Vereinbarung gebunden bleibt. Die Absicherung tauscht somit Unsicherheit gegen Planbarkeit ein und sollte stets im Verhältnis zum tatsächlichen Risiko stehen.
Häufige Fragen zu Zinstermingeschäften
Wer nutzt Zinstermingeschäfte?
Vor allem Banken, Versicherungen und größere Unternehmen setzen Zinstermingeschäfte ein, um sich gegen Zinsänderungsrisiken abzusichern. Auch institutionelle Anleger und professionelle Marktteilnehmer nutzen sie zu Spekulations- und Arbitragezwecken.
Welche Risiken sind mit Zinstermingeschäften verbunden?
Zinstermingeschäfte können erhebliche Verluste verursachen, wenn sich die Zinsen entgegen der Erwartung entwickeln. Bei nicht abgesicherten Positionen wirkt zudem die Hebelwirkung verstärkend. Daher gelten viele dieser Geschäfte als risikoreich und sind für Privatanleger nur eingeschränkt geeignet.
Was unterscheidet ein Zinstermingeschäft von einem Kassageschäft?
Beim Kassageschäft fallen Vertragsabschluss und Erfüllung nahezu zusammen. Beim Zinstermingeschäft liegt zwischen Abschluss und Erfüllung eine vereinbarte Frist, sodass die Konditionen für die Zukunft bereits heute festgelegt werden.