Zertifikate: Definition, Arten und Funktionsweise

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Zertifikate sind Schuldverschreibungen, deren Wertentwicklung von einem zugrunde liegenden Basiswert abhängt. Sie ermöglichen Anlegern, auf die Entwicklung von Aktien, Indizes, Rohstoffen oder Währungen zu setzen, ohne den Basiswert direkt zu erwerben.

Was sind Zertifikate?

Rechtlich handelt es sich bei Zertifikaten um Inhaberschuldverschreibungen einer Bank oder eines anderen Emittenten. Der Wert eines Zertifikats leitet sich von einem Basiswert (Underlying) ab, etwa einem Aktienindex wie dem DAX. Deshalb zählen Zertifikate zu den derivativen Finanzinstrumenten.

Ein wesentliches Merkmal ist das Emittentenrisiko: Da Zertifikate Schuldverschreibungen sind, hängt die Rückzahlung von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab. Wird dieser zahlungsunfähig, kann der Anleger sein eingesetztes Kapital ganz oder teilweise verlieren – unabhängig von der Entwicklung des Basiswerts.

Wichtige Arten von Zertifikaten

Es gibt zahlreiche Zertifikatetypen mit unterschiedlichen Chance-Risiko-Profilen:

  • Indexzertifikate: bilden einen Index nahezu eins zu eins ab und eignen sich für eine breite Streuung.
  • Discountzertifikate: werden mit Abschlag zum Basiswert gekauft, die Rendite ist jedoch nach oben durch einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt.
  • Bonuszertifikate: zahlen einen Bonus, sofern der Basiswert eine bestimmte Schwelle nicht unterschreitet.
  • Garantiezertifikate: sichern am Laufzeitende zumindest einen Teil des eingesetzten Kapitals ab.
  • Hebelzertifikate: ermöglichen überproportionale Gewinne, aber auch entsprechend hohe Verluste bis zum Totalverlust.

Chancen und Risiken

Zertifikate bieten Chancen, bergen aber auch Risiken:

  • Chance: Zugang zu vielfältigen Märkten und Strategien mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz.
  • Chance: maßgeschneiderte Auszahlungsprofile, etwa mit Teilschutz oder Bonus.
  • Risiko: Emittentenrisiko bei Zahlungsunfähigkeit des Herausgebers.
  • Risiko: teils komplexe Konstruktionen, deren Wirkungsweise Anleger genau verstehen sollten.

Besteuerung von Zertifikaten

Erträge aus Zertifikaten zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Kursgewinne und laufende Erträge unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Wichtige Punkte für Anleger:

  • Gewinne werden erst bei Verkauf oder Fälligkeit steuerlich wirksam.
  • Ein Sparer-Pauschbetrag stellt Kapitalerträge bis zu einem jährlichen Freibetrag steuerfrei.
  • Verluste aus Zertifikaten können mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden.

Depotbanken behalten die Abgeltungsteuer in der Regel automatisch ein und führen sie an das Finanzamt ab. Vor einer Anlage in Zertifikate sollten Anleger neben den Chancen und Risiken stets auch die Kostenstruktur des jeweiligen Produkts prüfen.

Insgesamt sind Zertifikate flexible, aber erklärungsbedürftige Produkte. Anleger sollten vor dem Kauf stets das jeweilige Auszahlungsprofil, das Emittentenrisiko und die Kosten genau verstehen und prüfen, ob das Produkt zu ihrer persönlichen Anlagestrategie und Risikobereitschaft passt. Da die Vielfalt der angebotenen Zertifikate groß ist und die Konstruktionen sich erheblich unterscheiden, empfiehlt sich ein genauer Blick in die Produktinformationen des Emittenten, bevor Kapital gebunden wird.

Häufige Fragen zu Zertifikaten

Was ist das Emittentenrisiko bei Zertifikaten?

Zertifikate sind Schuldverschreibungen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht dem Anleger ein Teil- oder Totalverlust – selbst dann, wenn sich der Basiswert positiv entwickelt hat. Anders als bei Fonds gibt es kein geschütztes Sondervermögen.

Worin unterscheiden sich Zertifikate von Aktien?

Beim Kauf einer Aktie erwirbt der Anleger einen Anteil am Unternehmen. Ein Zertifikat ist dagegen eine Forderung gegen den Emittenten, deren Wert von einem Basiswert abhängt. Ein direktes Miteigentum entsteht nicht.

Für wen eignen sich Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate eignen sich nur für erfahrene, risikobewusste Anleger. Sie ermöglichen hohe Gewinne, können aber ebenso schnell zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

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