Wertschöpfung berechnen: Formel, Beispiel und Bedeutung in der BWL

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Die Wertschöpfung ist eine der zentralen Kennzahlen der Betriebswirtschaft. Sie misst, welchen wirtschaftlichen Mehrwert ein Unternehmen durch seine Tätigkeit erbringt – also was nach Abzug der Vorleistungen als eigene Leistung verbleibt.

Wasserfalldiagramm: Gesamtleistung 500.000 Euro minus Vorleistungen 300.000 Euro ergibt Wertschöpfung 200.000 Euro.
Die Wertschöpfung ist der Teil der Gesamtleistung, der nach Abzug aller von außen bezogenen Vorleistungen als eigener Wertbeitrag verbleibt.

Die Formel

Wertschöpfung = Bruttoproduktionswert – Vorleistungen

Variable Bedeutung Einheit
Bruttoproduktionswert Gesamter Umsatz inkl. Bestandsveränderungen und aktivierter Eigenleistungen
Vorleistungen Materialaufwand, Fremdleistungen, Energie – kurz: alle extern bezogenen Güter/Dienste
Wertschöpfung (netto) Bruttowertschöpfung – Abschreibungen

Berechnungsbeispiel

Unternehmen X erzielt im Geschäftsjahr folgende Ergebnisse:

Position Betrag
Umsatzerlöse 5.000.000 €
+ Bestandserhöhungen 200.000 €
= Bruttoproduktionswert 5.200.000 €
– Materialaufwand 2.000.000 €
– Fremdleistungen 500.000 €
– Energie und sonstige Vorleistungen 300.000 €
= Bruttowertschöpfung 2.400.000 €
– Abschreibungen 400.000 €
= Nettowertschöpfung 2.000.000 €

Verteilung der Wertschöpfung

Die Nettowertschöpfung wird auf die Produktionsfaktoren verteilt:

Empfänger Form der Zahlung Beispiel
Arbeitnehmer Löhne und Gehälter 1.200.000 €
Staat Steuern und Abgaben 300.000 €
Fremdkapitalgeber Zinszahlungen 150.000 €
Eigenkapitalgeber Dividenden / Gewinnentnahme 200.000 €
Unternehmen (thesauriert) Einbehaltener Gewinn 150.000 €
Summe 2.000.000 €

Wertschöpfungsquote

Wertschöpfungsquote = Wertschöpfung / Umsatz × 100 %

Im Beispiel: 2.000.000 / 5.000.000 × 100 = 40 %

Eine hohe Wertschöpfungsquote zeigt, dass das Unternehmen viel eigenständig erbringt. Handelsunternehmen haben typischerweise niedrige (10–25 %), Dienstleister hohe (60–80 %) Wertschöpfungsquoten.

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Die Wertschöpfung aller Unternehmen eines Landes ergibt das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Sie ist damit eine der wichtigsten volkswirtschaftlichen Größen.

Wertschöpfungskette nach Porter

Der Begriff Wertschöpfung erscheint auch im strategischen Management in Michael Porters Wertkette (Value Chain). Sie unterteilt die Unternehmensaktivitäten in primäre und unterstützende Aktivitäten:

Primäre Aktivitäten Beschreibung
Eingangslogistik Wareneingangsprüfung, Lagerung von Rohstoffen
Operationen (Produktion) Umwandlung von Inputs in Endprodukte
Ausgangslogistik Lagerung und Auslieferung fertiger Produkte
Marketing und Vertrieb Preisgestaltung, Werbung, Verkauf
Kundendienst After-Sales-Service, Garantieleistungen

Unterstützende Aktivitäten (Beschaffung, Technologieentwicklung, Personalwirtschaft, Infrastruktur) ergänzen die primären Aktivitäten. An jeder Stufe entsteht Wertschöpfung – Unternehmen analysieren, welche Stufen sie besser als Wettbewerber ausführen können (Kernkompetenzen) und welche sie auslagern sollten.

Wertschöpfungstiefe und Make-or-Buy

Die Wertschöpfungstiefe beschreibt, welchen Anteil der Gesamtwertschöpfung das Unternehmen selbst erbringt:

Wertschöpfungstiefe = Eigenwertschöpfung / (Eigenwertschöpfung + Fremdbezug) × 100

Hohe Wertschöpfungstiefe bedeutet: Das Unternehmen macht viel selbst (z. B. vertikale Integration). Niedrige Wertschöpfungstiefe bedeutet: Konzentration auf Kernkompetenzen, viel Outsourcing. Apple hat trotz hoher Umsätze eine relativ niedrige Wertschöpfungstiefe – die Produktion wird an Foxconn ausgelagert, Apple konzentriert sich auf Design, Software und Marketing.

Bruttowertschöpfung in der Volkswirtschaft

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen. 2023 entfielen auf den Dienstleistungssektor ~70 %, Industrie ~22 % und Baugewerbe ~5 % der deutschen Bruttowertschöpfung. Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (BIP) = Summe aller Bruttowertschöpfungen + Gütersteuern − Gütersubventionen.

Verwandte Themen

Prüfungstipp: Unterscheide klar zwischen Bruttowertschöpfung (vor Abschreibungen) und Nettowertschöpfung (nach Abschreibungen). Die Verteilungsrechnung zeigt, wer die Wertschöpfung erhält – das ist häufig Prüfungsthema im VWL-Teil der BWL-Klausur.

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