Wechselkursarten bezeichnen die verschiedenen Formen, in denen das Austauschverhältnis zwischen zwei Währungen ausgedrückt wird. Der Wechselkurs gibt an, wie viele Einheiten einer Währung man für eine Einheit einer anderen Währung erhält, und ist eine zentrale Größe im internationalen Zahlungsverkehr und in der Außenhandelsbilanzierung.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Wechselkursarten?
Unter Wechselkursarten versteht man die Unterscheidung von Kursen nach ihrer Funktion und Entstehung. Der Wechselkurs selbst ist der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen. Im Devisenhandel und beim Währungsumtausch wird zwischen mehreren Kursen unterschieden, weil Banken An- und Verkaufspreise verlangen und weil Kurse je nach Wirtschaftssystem fest oder beweglich sein können. Die Kenntnis der Kursarten ist wichtig für Unternehmen, die Geschäfte im Ausland tätigen, sowie für die korrekte Bewertung von Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten.
Geldkurs, Briefkurs und Mittelkurs
Aus Sicht der Bank werden vor allem drei Kurse unterschieden:
- Geldkurs (Ankaufskurs): Der Kurs, zu dem die Bank eine Fremdwährung ankauft. Der Kunde erhält diesen niedrigeren Kurs, wenn er Devisen verkauft.
- Briefkurs (Verkaufskurs): Der Kurs, zu dem die Bank eine Fremdwährung verkauft. Der Kunde zahlt diesen höheren Kurs, wenn er Devisen kauft.
- Mittelkurs: Der rechnerische Durchschnitt aus Geld- und Briefkurs. Er dient häufig als Referenz und wird für die Bilanzierung herangezogen.
Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs wird als Spread oder Spanne bezeichnet und stellt die Marge der Bank dar. Ein Beispiel: Liegt der Geldkurs bei 1,08 USD/EUR und der Briefkurs bei 1,12 USD/EUR, beträgt der Mittelkurs 1,10 USD/EUR. Zu beachten ist außerdem die Notierungsweise. Bei der heute üblichen Preisnotierung wird der Preis einer Einheit ausländischer Währung in inländischer Währung angegeben. Bei der früher gebräuchlichen Mengennotierung wird umgekehrt angegeben, wie viele Einheiten Fremdwährung man für eine Einheit Inlandswährung erhält. Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar in Mengennotierung angegeben, also etwa 1 EUR = 1,10 USD.
Feste und flexible Wechselkurse
Nach dem zugrunde liegenden Währungssystem unterscheidet man weiter:
- Feste Wechselkurse: Der Kurs wird durch Notenbanken oder zwischenstaatliche Vereinbarungen festgelegt und durch Interventionen stabil gehalten.
- Flexible (freie) Wechselkurse: Der Kurs bildet sich frei nach Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt, wie heute beim Euro gegenüber dem US-Dollar.
Ergänzend wird zwischen Kassakurs (sofortige Erfüllung innerhalb von zwei Bankarbeitstagen) und Terminkurs (Erfüllung zu einem späteren, vereinbarten Zeitpunkt) unterschieden. Der Terminkurs ist für Unternehmen wichtig, die sich gegen Wechselkursschwankungen absichern wollen. Ein Exporteur, der in drei Monaten eine Zahlung in US-Dollar erwartet, kann den Kurs heute schon per Termingeschäft festschreiben und so das Risiko fallender Kurse ausschließen. Liegt der Terminkurs über dem Kassakurs, spricht man von einem Report (Aufschlag), liegt er darunter, von einem Deport (Abschlag).
Häufige Fragen zu Wechselkursarten
Was ist der Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs?
Der Geldkurs ist der Preis, zu dem die Bank Devisen ankauft, der Briefkurs der höhere Preis, zu dem sie verkauft. Die Spanne dazwischen ist der Gewinn der Bank.
Welcher Kurs gilt für die Bilanzierung?
Für die Umrechnung von Fremdwährungsposten wird in der Regel der Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag verwendet (§ 256a HGB), also der Mittelkurs für sofort erfüllbare Geschäfte.
Was bedeutet ein flexibler Wechselkurs?
Ein flexibler Wechselkurs entsteht frei durch Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt ohne staatliche Festsetzung. Er kann täglich schwanken und spiegelt wirtschaftliche Erwartungen wider.