Die Prozesskostenrechnung ist ein Verfahren der Kostenrechnung, das die Gemeinkosten verursachungsgerecht auf betriebliche Prozesse und Kostenträger verteilt. Sie wurde entwickelt, um die stark gestiegenen Gemeinkosten in indirekten Bereichen wie Beschaffung, Logistik oder Verwaltung transparenter zu machen. Anders als die klassische Zuschlagskalkulation orientiert sie sich an den tatsächlich durchlaufenen Aktivitäten und macht so den Ressourcenverbrauch sichtbar.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Prozesskostenrechnung?
Die Prozesskostenrechnung (auch Activity-Based Costing) bildet die Kosten entlang von Prozessen ab, statt sie pauschal über prozentuale Zuschlagssätze zu verrechnen. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass viele Gemeinkosten nicht vom Materialwert, sondern von der Anzahl und Komplexität der ausgeführten Tätigkeiten abhängen. Ein Beschaffungsvorgang kostet ähnlich viel, unabhängig davon, ob eine teure oder eine günstige Position bestellt wird. Damit ergänzt das Verfahren die traditionelle Kostenrechnung um eine prozessorientierte Sicht.
Unterschieden werden dabei zwei Arten von Prozessen:
- Leistungsmengeninduzierte (lmi) Prozesse: Ihr Aufwand hängt von der Menge ab, etwa „Bestellung ausführen“.
- Leistungsmengenneutrale (lmn) Prozesse: Ihr Aufwand ist mengenunabhängig, etwa „Abteilung leiten“.
Ablauf der Prozesskostenrechnung
Die Einführung erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:
- Tätigkeitsanalyse: Erfassung der Aktivitäten in den Kostenstellen,
- Bildung von Teilprozessen und Hauptprozessen über Kostenstellen hinweg,
- Festlegung der Kostentreiber (Cost Driver) als Maßgröße, z. B. Anzahl Bestellungen,
- Ermittlung der Prozesskostensätze als Kosten je Prozessdurchführung.
Der Prozesskostensatz berechnet sich als:
- Prozesskostensatz = Prozesskosten ÷ Prozessmenge (Anzahl Kostentreiber)
Die Kosten der lmn-Prozesse werden dabei anteilig auf die lmi-Prozesse umgelegt, sodass ein Gesamtprozesskostensatz entsteht.
Beispiel zur Prozesskostenrechnung
Die Abteilung Beschaffung verursacht jährliche Kosten von 240.000 € und wickelt 12.000 Bestellungen ab. Der lmi-Prozesskostensatz beträgt:
- 240.000 € ÷ 12.000 Bestellungen = 20 € je Bestellung
Ein Produkt, das 30 Bestellvorgänge auslöst, wird somit mit 30 × 20 € = 600 € an Beschaffungskosten belastet. Produkte mit vielen kleinen Bestellungen erscheinen dadurch deutlich teurer als in der klassischen Zuschlagskalkulation, was die tatsächliche Ressourcenbeanspruchung realistischer abbildet und Fehlkalkulationen vermeidet.
Vorteile und Grenzen
Die Prozesskostenrechnung schafft mehr Transparenz über die Gemeinkosten und deckt Kostentreiber auf, die in der Zuschlagskalkulation verborgen bleiben. Ihre Stärken und Schwächen lassen sich so zusammenfassen:
- Vorteil: verursachungsgerechte Verteilung der Gemeinkosten indirekter Bereiche,
- Vorteil: Aufdeckung von Komplexitätskosten bei Klein- und Sonderaufträgen,
- Grenze: hoher Aufwand für Tätigkeitsanalyse und laufende Pflege,
- Grenze: ungeeignet für rein mengenunabhängige Kosten der Unternehmensleitung.
Sie ersetzt daher die klassische Kostenrechnung nicht vollständig, sondern ergänzt sie um eine prozessorientierte Perspektive, die besonders bei hohem Gemeinkostenanteil wertvoll ist.
Häufige Fragen zur Prozesskostenrechnung
Für welche Bereiche eignet sich die Prozesskostenrechnung?
Sie eignet sich besonders für indirekte Bereiche mit hohem Gemeinkostenanteil und repetitiven Tätigkeiten, etwa Einkauf, Logistik, Qualitätssicherung und Verwaltung. In der Fertigung selbst bleibt oft die klassische Kostenrechnung sinnvoll.
Was ist ein Kostentreiber?
Ein Kostentreiber (Cost Driver) ist die Bezugsgröße, die den Ressourcenverbrauch eines Prozesses am besten erklärt, zum Beispiel die Anzahl der Bestellungen, Rüstvorgänge oder Rechnungen. Er dient als Verrechnungsschlüssel für die Prozesskosten.
Welchen Vorteil bietet die Prozesskostenrechnung?
Sie deckt die sogenannten Komplexitäts- und Degressionseffekte auf: Produkte mit geringen Stückzahlen, aber vielen Prozessen werden nicht länger zu günstig kalkuliert. Das verbessert Preisentscheidungen und die Beurteilung des Produktprogramms.