Liquiditätsgrade Übungsaufgaben mit Lösungen: Liquiditätsgrad 1, 2 und 3 berechnen

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Die Liquiditätsgrade gehören zu den wichtigsten Kennzahlen der Bilanzanalyse. Mit diesen Übungsaufgaben lernst du, die drei Liquiditätsgrade sicher zu berechnen und richtig zu interpretieren – ideal zur Vorbereitung auf BWL-Klausuren.

Grundlagen: Die drei Liquiditätsgrade

Bevor du mit den Aufgaben beginnst, hier eine kurze Übersicht der Formeln:

Kennzahl Formel Richtwert
Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) Zahlungsmittel / kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 10–30 %
Liquidität 2. Grades (Quick Ratio) (Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 ≥ 100 %
Liquidität 3. Grades (Current Ratio) Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten × 100 150–200 %

Mehr zu den Formeln und deren Bedeutung in unserem Artikel zu Bilanzkennzahlen berechnen.

Aufgabe 1: Liquiditätsgrade eines Handelsunternehmens berechnen

Die Müller GmbH weist folgende Bilanzpositionen aus: Kassenbestand: 15.000 €, Bankguthaben: 35.000 €, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: 80.000 €, Vorräte: 120.000 €, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen: 90.000 €, kurzfristige Bankdarlehen: 40.000 €.
Berechne die Liquiditätsgrade 1, 2 und 3 und beurteile die Liquiditätssituation.

Lösung Aufgabe 1:

Schritt 1: Zahlungsmittel ermitteln
Zahlungsmittel = Kassenbestand + Bankguthaben = 15.000 + 35.000 = 50.000 €

Schritt 2: Kurzfristige Verbindlichkeiten ermitteln
Kurzfr. Verbindlichkeiten = 90.000 + 40.000 = 130.000 €

Schritt 3: Liquiditätsgrade berechnen

Kennzahl Berechnung Ergebnis Bewertung
Liquidität 1. Grades 50.000 / 130.000 × 100 38,5 % Über Richtwert (10–30 %), gut
Liquidität 2. Grades (50.000 + 80.000) / 130.000 × 100 100,0 % Exakt am Richtwert (≥ 100 %), ausreichend
Liquidität 3. Grades (50.000 + 80.000 + 120.000) / 130.000 × 100 192,3 % Im Richtwertbereich (150–200 %), sehr gut

Fazit: Die Müller GmbH ist kurzfristig gut liquide. Die Liquidität 2. Grades liegt genau am Mindestwert – ein Hinweis, dass Forderungsausfälle die Lage schnell verschlechtern könnten.

Aufgabe 2: Liquiditätsanalyse mit kritischer Interpretation

Die Tech AG hat: Zahlungsmittel: 8.000 €, Forderungen: 45.000 €, Vorräte: 180.000 €, kurzfristige Verbindlichkeiten gesamt: 95.000 €.
Berechne alle drei Liquiditätsgrade und erkläre, wo ein Risiko besteht.

Lösung Aufgabe 2:

Kennzahl Rechnung Ergebnis Risiko?
Liquidität 1. Grades 8.000 / 95.000 × 100 8,4 % Unter Richtwert – kritisch!
Liquidität 2. Grades (8.000 + 45.000) / 95.000 × 100 55,8 % Deutlich unter 100 % – hohes Risiko!
Liquidität 3. Grades (8.000 + 45.000 + 180.000) / 95.000 × 100 245,3 % Gut, aber Vorräte dominieren

Analyse: Der hohe Liquiditätsgrad 3 täuscht über die schlechte kurzfristige Zahlungsfähigkeit hinweg. Das Unternehmen ist stark von der Verwertbarkeit seiner Vorräte abhängig. Im Falle von Absatzschwierigkeiten droht Zahlungsunfähigkeit.

Aufgabe 3: Veränderung der Liquidität im Zeitvergleich

Beurteile die Entwicklung der Kaufmann AG über zwei Jahre:

Position Jahr 1 Jahr 2
Zahlungsmittel 25.000 € 18.000 €
Forderungen 60.000 € 75.000 €
Vorräte 90.000 € 110.000 €
Kurzfr. Verbindlichkeiten 80.000 € 100.000 €

Lösung Aufgabe 3:

Kennzahl Jahr 1 Jahr 2 Tendenz
Liquidität 1. Grades 31,3 % 18,0 % ↓ Rückgang
Liquidität 2. Grades 106,3 % 93,0 % ↓ Unter Richtwert!
Liquidität 3. Grades 218,8 % 203,0 % ↓ Leicht rückläufig

Die Liquiditätssituation hat sich in Jahr 2 verschlechtert: Die Liquidität 2. Grades fiel unter den Mindestwert von 100 %. Handlungsbedarf besteht beim Forderungsmanagement und der Reduzierung kurzfristiger Verbindlichkeiten.

Aufgabe 4: Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung

Ein Unternehmen weist folgende Kennzahlen auf: Liquidität 1. Grades = 5 %, Liquidität 2. Grades = 65 %, Liquidität 3. Grades = 160 %. Welche konkreten Maßnahmen kann das Unternehmen ergreifen?

Lösung Aufgabe 4:

Das Unternehmen leidet unter akuter Zahlungsunfähigkeit (Liquidität 1) und mangelnder kurzfristiger Deckung (Liquidität 2), obwohl die Gesamtliquidität (Liquidität 3) im Normbereich liegt. Mögliche Maßnahmen:

Maßnahme Wirkung auf Liquidität
Factoring (Forderungsverkauf) Erhöht Zahlungsmittel sofort → L1 und L2 steigen
Lagerabbau / Sale and Lease Back Wandelt Vorräte in liquide Mittel um → L1 steigt
Kontokorrentlinie erweitern Kurzfristig mehr Liquidität, aber L2 sinkt durch höhere Verbindlichkeiten
Zahlungsziele verlängern (Lieferanten) Reduziert kurzfr. Verbindlichkeiten → alle Grade steigen
Mahnwesen optimieren Senkt Forderungen, erhöht Zahlungsmittel

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Prüfungstipp: In BWL-Klausuren wird häufig verlangt, nicht nur die Kennzahlen zu berechnen, sondern auch kritisch zu interpretieren. Übe daher immer auch die Kommentierung der Ergebnisse im Kontext des Unternehmens.

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