Handelsrecht Übungsaufgaben mit Lösungen: Kaufmann, HGB und Handelsregister

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Das Handelsrecht bildet den rechtlichen Rahmen für kaufmännische Tätigkeiten in Deutschland. Als BWL-Student begegnest du ihm in Rechtskunde-Vorlesungen und als Grundlage für Buchführungs- und Bilanzierungspflichten. Diese Übungsaufgaben trainieren die wichtigsten Grundlagen.

Aufgabe 1: Kaufmannseigenschaft bestimmen

Beurteile, ob folgende Personen Kaufleute im Sinne des HGB sind:

  1. Anna B. betreibt einen kleinen Blumenladen mit 2 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von ca. 80.000 €.
  2. Max M. betreibt ein Import-Exportgeschäft für Elektronik mit 20 Mitarbeitern und 5 Mio. € Jahresumsatz.
  3. Dr. Karl S. ist niedergelassener Zahnarzt mit eigener Praxis und 3 Mitarbeiterinnen.

Lösung Aufgabe 1:

Person Kaufmann? Begründung
a) Anna B. (Blumenladen) Kann-Kauffrau § 2 HGB: Kleines Gewerbe ohne vollkaufmännischen Betrieb; kann ins HR eintragen lassen – ist es dann Istkauffrau. Ohne Eintragung: kein Kaufmann.
b) Max M. (Import/Export) Ist-Kaufmann § 1 HGB: Gewerbebetrieb, der nach Art und Umfang einen kaufmännischen Geschäftsbetrieb erfordert → automatisch Kaufmann
c) Dr. Karl S. (Zahnarzt) Kein Kaufmann Freie Berufe (Ärzte, Anwälte etc.) sind keine Gewerbetreibenden → nicht ins HGB eingebunden

Aufgabe 2: Handelsregisterpflicht und Buchführungspflicht

Welche der folgenden Unternehmen sind ins Handelsregister einzutragen, und welche unterliegen der Buchführungspflicht nach HGB?

  • a) Eine GmbH mit 3 Gesellschaftern
  • b) Ein eingetragener Kaufmann (e.K.)
  • c) Ein Kleinunternehmer mit 15.000 € Jahresumsatz ohne HR-Eintragung

Lösung Aufgabe 2:

Unternehmen HR-Pflicht Buchführungspflicht HGB
a) GmbH Ja, zwingend (§ 7 GmbHG) Ja – §§ 238 ff. HGB (doppelte Buchführung + Jahresabschluss)
b) e.K. Ja, kraft Rechtsform Ja – §§ 238 ff. HGB
c) Kleinunternehmer ohne HR Nein (kein Ist-Kaufmann) Nein nach HGB; EÜR nach § 4 Abs. 3 EStG ausreichend

Aufgabe 3: HGB-Grundsätze der Buchführung

Nenne vier Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und erkläre sie kurz.

Lösung Aufgabe 3:

GoB-Grundsatz Bedeutung
Vollständigkeit (§ 246 HGB) Alle Geschäftsvorfälle müssen erfasst werden – nichts darf weggelassen werden
Richtigkeit und Willkürfreiheit Buchungen müssen den tatsächlichen wirtschaftlichen Vorgängen entsprechen
Ordnungsmäßigkeit Systematische, chronologische Erfassung; klare Belege für jeden Buchungssatz
Vorsichtsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) Im Zweifel eher niedrigere Vermögenswerte und höhere Schulden ansetzen – „pessimistische“ Bewertung
Realisationsprinzip Gewinne nur ausweisen, wenn sie realisiert (d. h. durch Umsatz verwirklicht) sind
Imparitätsprinzip Verluste sofort, Gewinne erst bei Realisierung berücksichtigen

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Prüfungstipp: Die drei Kaufmannsarten (Ist-Kaufmann, Kann-Kaufmann, Fiktivkaufmann) und die GoB sind Klausurstoff in fast jedem BWL-Grundstudium. Lerne die wichtigsten §§ (§ 1 HGB = Ist-Kaufmann, § 238 HGB = Buchführungspflicht) und die sechs GoB-Grundsätze.

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