Die Kapitalerhöhung ist ein Instrument der Eigenfinanzierung, bei dem ein Unternehmen sein Grundkapital (AG) oder Stammkapital (GmbH) erhöht. Für Aktiengesellschaften ist die Kapitalerhöhung besonders relevant, weil sie neue Aktien ausgeben und damit frisches Eigenkapital aufnehmen können. Das Thema verbindet die Finanzierungstheorie mit der Bilanzanalyse.
Inhaltsverzeichnis
Arten der Kapitalerhöhung bei der AG
| Art | Beschreibung | Zufluss von Mitteln? |
|---|---|---|
| Ordentliche Kapitalerhöhung | Ausgabe neuer Aktien gegen Einlagen | Ja |
| Genehmigte Kapitalerhöhung | Vorstand wird ermächtigt, innerhalb von 5 Jahren Kapital zu erhöhen | Ja (bei Ausübung) |
| Bedingte Kapitalerhöhung | An Bedingung geknüpft (z. B. Wandelanleihe) | Ja (bei Wandlung) |
| Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln | Umwandlung von Rücklagen in Grundkapital, Gratisaktien | Nein (reine Umbuchung) |
Bezugsrecht und Bezugsverhältnis
Altaktionäre haben bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung ein Bezugsrecht auf neue Aktien, um ihre Beteiligungsquote zu sichern (Verwässerungsschutz).
Bezugsverhältnis = Altes Grundkapital / Neues Grundkapital
Berechnung des rechnerischen Bezugsrechtswerts
Bezugsrechtswert = (Kurs alt – Kurs neu) / (Bezugsverhältnis + 1)
Beispiel:
| Position | Wert |
|---|---|
| Alter Aktienkurs | 50,00 € |
| Ausgabekurs neue Aktien | 35,00 € |
| Altes Grundkapital | 10 Mio. € (10 Mio. Aktien à 1 €) |
| Neues Grundkapital | 2 Mio. € (2 Mio. neue Aktien) |
| Bezugsverhältnis | 10 : 2 = 5 : 1 |
Bezugsrechtswert = (50 – 35) / (5 + 1) = 15 / 6 = 2,50 €
Mischkurs nach Kapitalerhöhung = (5 × 50 + 1 × 35) / 6 = 285 / 6 = 47,50 €
Kontrolle: Alter Kurs – Bezugsrechtswert = 50 – 2,50 = 47,50 € ✓
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Prüfungstipp: In Klausuren wird häufig der Bezugsrechtswert berechnet. Merke die Formel und vergiss nicht: Das Bezugsverhältnis ist Alt zu Neu (nicht umgekehrt!). Bei einem Bezugsverhältnis von 5:1 braucht man 5 alte Bezugsrechte, um 1 neue Aktie zu kaufen.