Ein Optionsschein (englisch Warrant) ist ein in einem Wertpapier verbrieftes Recht, einen bestimmten Basiswert innerhalb einer festgelegten Frist oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem im Voraus vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Optionsscheine zählen zu den Derivaten, weil sich ihr Wert von der Kursentwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts ableitet.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Optionsschein?
Ein Optionsschein verbrieft eine Option, also ein Recht und keine Pflicht. Der Inhaber kann das Recht ausüben, muss es aber nicht. Der Emittent – meist eine Bank – ist im Gegenzug zur Erfüllung verpflichtet, sofern der Inhaber sein Recht ausübt. Wichtige Bestandteile eines Optionsscheins sind der Basiswert (etwa eine Aktie, ein Index, eine Währung oder ein Rohstoff), der Basispreis (Ausübungspreis), das Bezugsverhältnis sowie die Laufzeit. Anders als bei börsengehandelten Optionen wird ein Optionsschein als Wertpapier emittiert und kann über die Börse oder direkt beim Emittenten gehandelt werden.
Arten von Optionsscheinen
Optionsscheine werden vor allem nach der Richtung der Spekulation unterschieden:
- Call-Optionsschein: verbrieft das Recht, den Basiswert zu kaufen. Er gewinnt an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts steigt.
- Put-Optionsschein: verbrieft das Recht, den Basiswert zu verkaufen. Er gewinnt an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.
- Amerikanischer Typ: das Recht kann während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden.
- Europäischer Typ: das Recht kann nur am Ende der Laufzeit ausgeübt werden.
Der Wert eines Optionsscheins setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Der innere Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen aktuellem Kurs und Basispreis. Der Zeitwert spiegelt die Chance wider, dass sich der Kurs bis zum Laufzeitende noch günstig entwickelt, und nimmt zum Ende der Laufzeit hin ab.
Hebelwirkung und Risiko
Das wichtigste Merkmal von Optionsscheinen ist der Hebel. Da nur ein Bruchteil des Kapitals eingesetzt werden muss, das für einen direkten Kauf des Basiswerts nötig wäre, führen schon kleine Kursbewegungen des Basiswerts zu überproportionalen Gewinnen oder Verlusten beim Optionsschein. Diese Hebelwirkung macht Optionsscheine attraktiv für spekulative Anleger, birgt aber ein hohes Risiko: Im ungünstigsten Fall kann ein Optionsschein wertlos verfallen, sodass der gesamte Einsatz verloren ist. Optionsscheine können außerdem zur Absicherung bestehender Positionen genutzt werden, etwa wenn ein Anleger sein Depot mit Put-Optionsscheinen gegen fallende Kurse schützt.
Häufige Fragen zu Optionsscheinen
Worin unterscheiden sich Optionsschein und Option?
Ein Optionsschein ist ein von einem Emittenten ausgegebenes Wertpapier, während eine Option ein standardisierter Terminkontrakt ist, der an Terminbörsen gehandelt wird. Wirtschaftlich verbriefen beide ein vergleichbares Recht, unterscheiden sich aber in Handel, Standardisierung und Vertragspartner.
Was bedeutet, dass ein Optionsschein „aus dem Geld“ ist?
Ein Optionsschein ist „aus dem Geld“, wenn er keinen inneren Wert besitzt – beim Call also der Kurs des Basiswerts unter dem Basispreis liegt. Er besteht dann nur noch aus Zeitwert und kann am Laufzeitende wertlos verfallen.
Für wen eignen sich Optionsscheine?
Optionsscheine eignen sich vor allem für erfahrene Anleger, die die Funktionsweise und die Hebelwirkung verstehen. Wegen des hohen Verlustrisikos sind sie für sicherheitsorientierte Anleger und für die langfristige Altersvorsorge in der Regel ungeeignet.