Long Call: Definition, Rechenbeispiel und Gewinnprofil

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Der Long Call bezeichnet die Käuferposition einer Kaufoption (Call-Option). Der Käufer erwirbt das Recht – nicht jedoch die Pflicht –, einen bestimmten Basiswert (z. B. Aktien, Indizes, Rohstoffe) zu einem vorab vereinbarten Preis (Basispreis / Strike-Preis) innerhalb einer festgelegten Laufzeit zu kaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer eine Optionsprämie an den Verkäufer. Der maximale Verlust des Käufers ist auf die gezahlte Prämie begrenzt, während der potenzielle Gewinn theoretisch unbegrenzt ist.

Die vier Grundpositionen im Optionshandel

Der Long Call ist eine von vier möglichen Grundpositionen bei Optionen:

Position Markterw​artung Max. Verlust Max. Gewinn
Long Call Stark steigende Kurse Optionsprämie Theoretisch unbegrenzt
Short Call Stagnierende/fallende Kurse Theoretisch unbegrenzt Optionsprämie
Long Put Stark fallende Kurse Optionsprämie Basispreis abzüglich Prämie
Short Put Stagnierende/steigende Kurse Basispreis abzüglich Prämie Optionsprämie

Rechenbeispiel Long Call Schritt für Schritt

Investor Schmitt erwartet steigende Kurse bei der Beispiel AG und kauft einen Long Call mit folgenden Parametern:

  • Basiswert: Aktie Beispiel AG
  • Aktueller Kurs: 100,00 € je Aktie
  • Basispreis (Strike): 100,00 € je Aktie
  • Optionsprämie: 5,00 € je Aktie
  • Kontraktgröße: 100 Aktien
  • Gesamtkosten (Prämie): 100 × 5,00 € = 500,00 €
  • Laufzeit: 3 Monate

Break-even-Kurs: Basispreis + Optionsprämie = 100,00 € + 5,00 € = 105,00 € je Aktie

Erst ab einem Kurs von 105,00 € erzielt Investor Schmitt nach Abzug der Prämie einen Gewinn.

Szenario A – Kurs steigt auf 120,00 € (Option wird ausgeübt):

  • Recht, 100 Aktien zu je 100,00 € zu kaufen: Einstandswert 10.000,00 €
  • Marktwert der 100 Aktien: 100 × 120,00 € = 12.000,00 €
  • Kursgewinn: 12.000,00 € – 10.000,00 € = 2.000,00 €
  • Abzüglich Optionsprämie: 2.000,00 € – 500,00 € = Nettogewinn 1.500,00 €
  • Rendite auf den Einsatz (500,00 €): 300 %

Szenario B – Kurs bleibt bei 98,00 € (Option verfällt wertlos):

  • Es lohnt sich nicht, zum Strike-Preis von 100,00 € zu kaufen, wenn der Marktkurs darunter liegt.
  • Die Option wird nicht ausgeübt und verfällt am Laufzeitende wertlos.
  • Maximaler Verlust: 500,00 € (= gezahlte Optionsprämie)

Zeitwert und innerer Wert einer Call-Option

Der Preis (die Prämie) einer Call-Option setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • Innerer Wert: Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Strike-Preis, sofern positiv. Liegt der Kurs der Aktie bei 110 € und der Strike bei 100 €, beträgt der innere Wert 10 €. Liegt der Kurs darunter, ist der innere Wert null.
  • Zeitwert: Der verbleibende Teil der Optionsprämie. Er spiegelt die Wahrscheinlichkeit wider, dass sich der Kurs bis zum Laufzeitende noch günstig entwickeln wird. Je länger die Restlaufzeit und je höher die Volatilität des Basiswerts, desto höher der Zeitwert. Der Zeitwert nimmt mit Annäherung des Verfallstermins ab (Zeitwertverlust / Theta-Effekt).

Im Rechenbeispiel oben besteht die Prämie von 5,00 € ausschließlich aus Zeitwert, da der aktuelle Kurs (100 €) exakt dem Strike (100 €) entspricht – die Option ist „am Geld“ (at-the-money). Steigt der Kurs auf 107 €, enthält die Prämie einen inneren Wert von 7 € zuzüglich verbleibenden Zeitwerts.

Buchhalterische Erfassung einer Call-Option

Beim Kauf eines Long Call wird die gezahlte Optionsprämie als Vermögensgegenstand aktiviert:

Wertpapiere des Umlaufvermögens 500,00 € an Bank 500,00 €

Verfällt die Option am Laufzeitende wertlos, ist der aktivierte Betrag abzuschreiben:

Abschreibungen auf Wertpapiere 500,00 € an Wertpapiere des Umlaufvermögens 500,00 €

Wird die Option vor Laufzeitende mit Gewinn veräußert (Preis der Option gestiegen auf 20,00 € je Aktie, Erlös 2.000,00 €):

Bank 2.000,00 € an Wertpapiere des Umlaufvermögens 500,00 € und Gewinne aus Wertpapierveräußerungen 1.500,00 €

Einen umfassenden Überblick über Optionen, Futures und andere Derivate bietet der Beitrag zu Derivaten und Finanzinstrumenten. Für die Orderaufgabe an der Börse empfiehlt sich der Artikel zur Limit-Order. Praktische Übungsaufgaben zu Wertpapieren finden sich im Beitrag Wertpapiere – Übungsaufgaben mit Lösungen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem europäischen und einem amerikanischen Long Call?

Bei einem europäischen Call kann die Option ausschließlich am Verfallstag ausgeübt werden. Beim amerikanischen Call ist eine Ausübung jederzeit während der gesamten Laufzeit möglich. An den meisten Aktienmärkten sind amerikanische Optionen verbreitet; Index-Optionen (z. B. auf den DAX) werden häufig als europäische Optionen ausgestaltet.

Kann ich mit dem Long Call mehr verlieren als die gezahlte Prämie?

Nein. Das Verlustrisiko des Käufers eines Long Call ist strikt auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt. Fällt der Kurs des Basiswerts oder bleibt er unter dem Strike-Preis, verfällt die Option wertlos – der Verlust beschränkt sich auf die Prämie. Dies unterscheidet den Long Call wesentlich vom Direktkauf der Aktie, bei dem der gesamte investierte Betrag verloren gehen kann.

Wann ist der Einsatz eines Long Call sinnvoll?

Ein Long Call eignet sich, wenn ein Anleger stark steigende Kurse erwartet und dabei nur einen begrenzten Kapitaleinsatz (die Optionsprämie) riskieren möchte. Der Hebeleffekt ermöglicht überproportionale Gewinne bei steigenden Kursen. Der Anleger muss jedoch bereit sein, die gesamte Prämie zu verlieren, falls die Kurserwartung nicht eintrifft. Als reine Spekulationsposition ist der Long Call daher nur für erfahrene Anleger geeignet.

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