Die Lagerumschlagshäufigkeit (LUH) zeigt, wie oft das Lager eines Unternehmens im Jahr vollständig erneuert wird. Eine hohe Umschlagshäufigkeit bedeutet, dass Waren schnell verkauft werden und wenig Kapital im Lager gebunden ist – effizientes Working Capital Management.
Inhaltsverzeichnis
Die Formel
Lagerumschlagshäufigkeit = Umsatz (oder Wareneinsatz) ÷ Ø Lagerbestand
| Variante | Formel | Anwendung |
|---|---|---|
| Umsatzbasiert | Jahresumsatz ÷ Ø Lagerbestand (zu Verkaufspreisen) | Handelsunternehmen |
| Kostenbasiert | Wareneinsatz ÷ Ø Lagerbestand (zu Einstandspreisen) | Produzierende Unternehmen |
Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2
Beispielrechnung
| Position | Wert |
|---|---|
| Jahresumsatz | 1.200.000 € |
| Ø Lagerbestand | 200.000 € |
| Lagerumschlagshäufigkeit | 1.200.000 ÷ 200.000 = 6× |
Das Lager wird 6-mal im Jahr vollständig erneuert – durchschnittlich alle 2 Monate.
Lagerdauer berechnen
Lagerdauer (Tage) = 360 ÷ Lagerumschlagshäufigkeit
Im Beispiel: 360 ÷ 6 = 60 Tage mittlere Lagerdauer. Die Lagerdauer ist Teil des Cash Conversion Cycle: Je kürzer, desto schneller fließt Geld zurück ins Unternehmen.
Branchenvergleich
| Branche | Typische LUH | Charakteristik |
|---|---|---|
| Lebensmitteleinzelhandel | 20–40× | Schnelldrehende Waren, kurze MHD |
| Mode/Bekleidung | 4–8× | Saisonale Schwankungen |
| Maschinenbau | 2–5× | Kapitalintensiv, lange Fertigungszeiten |
| Automobilindustrie | 8–15× | Just-in-Time-Produktion angestrebt |
Optimierung: Lagerumschlag steigern
- ABC-Analyse: A-Artikel (häufig benötigt) mit hoher Umschlagshäufigkeit, C-Artikel reduzieren
- Just-in-Time-Beschaffung: Bestellungen eng am tatsächlichen Bedarf orientieren
- Sicherheitsbestand optimieren: Puffer nur so hoch wie nötig
- Slow Mover identifizieren: Artikel mit niedriger LUH markieren und Sortiment bereinigen
Cash Conversion Cycle: Lagerumschlag im Gesamtzusammenhang
Die Lagerdauer ist eine der drei Komponenten des Cash Conversion Cycle (CCC) – der Zeit, die das Unternehmen benötigt, um investiertes Geld aus dem Betriebsprozess zurückzuerhalten:
CCC = Lagerdauer + Forderungsreichweite − Verbindlichkeitenreichweite
| Komponente | Formel | Beispiel |
|---|---|---|
| Lagerdauer (DIO) | 360 / Lagerumschlag | 60 Tage |
| Forderungsreichweite (DSO) | Ø Forderungen / Umsatz × 360 | 30 Tage |
| Verbindlichkeitenreichweite (DPO) | Ø Verbindlichkeiten / Einkauf × 360 | 45 Tage |
| Cash Conversion Cycle | DIO + DSO − DPO | 45 Tage |
Ein niedrigerer CCC bedeutet weniger gebundenes Working Capital und geringeren Finanzierungsbedarf. Unternehmen wie Amazon und Discounter erzielen sogar negative CCC-Werte: Sie kassieren beim Kunden, bevor sie den Lieferanten bezahlen.
Übungsaufgabe mit Lösung
Ein Handelsunternehmen hat folgende Jahreswerte: Wareneinsatz 900.000 €, Anfangsbestand 120.000 €, Endbestand 180.000 €.
Berechnung:
- Ø Lagerbestand = (120.000 + 180.000) / 2 = 150.000 €
- LUH = 900.000 / 150.000 = 6×
- Lagerdauer = 360 / 6 = 60 Tage
Das Lager wird 6 Mal pro Jahr erneuert; durchschnittlich liegt eine Ware 60 Tage im Lager, bevor sie verkauft wird.
Slow Mover identifizieren und steuern
Neben der aggregierten LUH ist die artikelspezifische Analyse entscheidend. Slow Mover (Artikel mit sehr niedriger Umschlagshäufigkeit) binden Kapital und erhöhen das Risiko von Verderb, Veralterung oder Abschriften. Typisches Vorgehen:
- Artikel mit LUH < Branchendurchschnitt identifizieren
- Ursache analysieren: Nachfragerückgang, falsche Einstandsmengen, Saisonschwankung?
- Maßnahmen: Sonderpreisaktion, Rückgabe an Lieferant, Sortimentsbereinigung
Verwandte Themen
- Kapitalumschlag – übergeordnete Effizienzgröße
- Liquiditätsgrade – Liquiditätssteuerung
Prüfungstipp: Lagerdauer = 360 ÷ Lagerumschlagshäufigkeit. Hoher Umschlag = kurze Lagerdauer = gutes Working Capital Management. Vergleich immer branchenspezifisch vornehmen.