Ein Investmentfonds ist ein gemeinschaftliches Anlagevehikel, in dem das Kapital vieler Anleger gebündelt und von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) nach festgelegten Anlagegrundsätzen investiert wird. Die Anleger erwerben Fondsanteile und sind damit anteilig am Vermögen des Fonds beteiligt. Das Fondsvermögen wird als Sondervermögen getrennt vom Vermögen der Gesellschaft verwahrt und unterliegt in Deutschland den Vorgaben des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB).
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Investmentfonds?
Ein Investmentfonds ermöglicht es auch Anlegern mit kleineren Beträgen, breit gestreut zu investieren. Das gebündelte Kapital wird auf viele Einzelwerte verteilt, wodurch das Risiko diversifiziert wird. Verwaltet wird der Fonds von einem professionellen Fondsmanagement, das die Anlageentscheidungen im Rahmen der Anlagebedingungen trifft. Eine unabhängige Verwahrstelle (Depotbank) kontrolliert die Einhaltung der Regeln und verwahrt die Vermögenswerte. Die Zulassung und Aufsicht von Kapitalverwaltungsgesellschaften obliegt in Deutschland der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die unter anderem die Einhaltung der Anlagebedingungen und die Zusammensetzung des Fondsvermögens überwacht.
Da es sich um Sondervermögen handelt, bleibt das angelegte Geld auch bei einer Insolvenz der Verwaltungsgesellschaft geschützt – es zählt nicht zur Insolvenzmasse. Dieses Prinzip unterscheidet Investmentfonds grundlegend von anderen Geldanlagen wie Bankeinlagen, bei denen im Insolvenzfall nur die gesetzliche Einlagensicherung greift. Viele Privatanleger nutzen Investmentfonds nicht nur für eine Einmalanlage, sondern auch im Rahmen eines Fondssparplans, bei dem regelmäßig – etwa monatlich – ein fester Betrag investiert wird. Dadurch verteilt sich der Einstiegszeitpunkt auf viele Kaufzeitpunkte, was Kursschwankungen über die Laufzeit abmildern kann (Durchschnittskosteneffekt).
Arten von Investmentfonds
Investmentfonds lassen sich nach Anlageschwerpunkt, Risiko und Kostenstruktur unterscheiden. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Fondstypen im Vergleich:
| Fondstyp | Anlageschwerpunkt | Risiko | Typische laufende Kosten (TER) |
|---|---|---|---|
| Aktienfonds | Aktien | hoch | ca. 1,0–2,0 % |
| Rentenfonds | Anleihen | niedrig bis mittel | ca. 0,5–1,0 % |
| Mischfonds | Aktien und Anleihen | mittel | ca. 1,0–1,8 % |
| Immobilienfonds | Grundstücke, Gebäude | niedrig bis mittel | ca. 0,8–1,5 % |
| Geldmarktfonds | kurzfristige Geldmarktpapiere | sehr niedrig | ca. 0,2–0,5 % |
| Indexfonds (ETF) | bildet einen Index nach | abhängig vom Index | ca. 0,1–0,5 % |
Mehr zu den Unterschieden zwischen aktiv gemanagten Fonds und passiven Indexfonds erfährst du im Beitrag ETF und Investmentfonds im Vergleich. Außerdem unterscheidet man offene Fonds, bei denen laufend Anteile aus- und zurückgegeben werden, von geschlossenen Fonds mit fester Anteilszahl und begrenzter Laufzeit. Erträge können ausgeschüttet oder thesauriert (wieder angelegt) werden.
Berechnung: Anteilwert und Gesamtkostenquote
Der Wert eines Fondsanteils (Net Asset Value, NAV) ergibt sich aus dem Fondsvermögen geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Zusammenhang:
- Schritt 1 – Fondsvermögen ermitteln: Ein Aktienfonds hält Wertpapiere im Wert von 48.000.000 € sowie liquide Mittel von 2.000.000 €, insgesamt also 50.000.000 €.
- Schritt 2 – Anteile berücksichtigen: Es sind 1.000.000 Anteile im Umlauf.
- Schritt 3 – Anteilwert berechnen: 50.000.000 € ÷ 1.000.000 Anteile = 50,00 € pro Anteil.
- Schritt 4 – Kosten berücksichtigen: Bei einer Gesamtkostenquote (TER) von 1,2 % p. a. mindern die laufenden Kosten die Wertentwicklung um 0,60 € je Anteil und Jahr (1,2 % von 50,00 €), sofern der Anteilwert über das Jahr konstant bliebe.
- Schritt 5 – Ausgabeaufschlag einrechnen: Zahlt der Anleger beim Kauf einen Ausgabeaufschlag von 3 %, kostet ein Anteil tatsächlich 50,00 € × 1,03 = 51,50 €. Der Anteilwert muss entsprechend steigen, bevor sich die Investition lohnt.
Für die buchhalterische Behandlung beim Kauf und Verkauf von Fondsanteilen im Betriebsvermögen gelten dieselben Grundsätze wie bei anderen Wertpapieren; Details dazu liefert der Beitrag Wertpapiere buchen.
Chancen und Risiken
Der größte Vorteil eines Investmentfonds ist die Risikostreuung: Da das Kapital auf zahlreiche Einzelwerte verteilt wird, wirkt sich die schwache Entwicklung eines einzelnen Wertpapiers nur begrenzt auf das Gesamtergebnis aus. Hinzu kommt die professionelle Verwaltung, die auch unerfahrenen Anlegern den Zugang zu breit aufgestellten Portfolios eröffnet. Anteile offener Fonds lassen sich zudem in der Regel börsentäglich kaufen und verkaufen.
Den Chancen stehen Risiken gegenüber. Der Anteilswert schwankt mit den Kursen der enthaltenen Wertpapiere, sodass Kursverluste möglich sind; eine feste Verzinsung oder Kapitalgarantie gibt es bei den meisten Fonds nicht. Außerdem schmälern Verwaltungs- und Vertriebskosten die Rendite. Anleger sollten daher Anlageziel, Risikoneigung und Anlagehorizont auf den jeweiligen Fondstyp abstimmen und das eigene Risikomanagement entsprechend ausrichten.
Für die steuerliche Behandlung gilt seit der Investmentsteuerreform: Fonds zahlen auf bestimmte inländische Erträge bereits auf Fondsebene Körperschaftsteuer, beim Anleger unterliegen Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag. Zum Ausgleich der Vorbelastung auf Fondsebene wird ein Teil der Erträge über die sogenannte Teilfreistellung von der Steuer ausgenommen; deren Höhe richtet sich nach dem Aktienanteil des jeweiligen Fonds.
Häufige Fragen zu Investmentfonds
Wie ist das Geld in einem Investmentfonds geschützt?
Das Fondsvermögen ist Sondervermögen und wird getrennt vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft verwahrt. Bei einer Insolvenz der Gesellschaft fällt es nicht in die Insolvenzmasse und bleibt den Anlegern erhalten.
Worin unterscheiden sich aktive Fonds und ETFs?
Aktiv gemanagte Fonds versuchen, durch gezielte Auswahl eine bessere Rendite als der Markt zu erzielen, und sind meist teurer. ETFs bilden passiv einen Index nach, sind kostengünstiger und folgen dessen Wertentwicklung.
Welche Kosten fallen bei Investmentfonds an?
Üblich sind ein Ausgabeaufschlag beim Kauf sowie laufende Verwaltungskosten, ausgewiesen als Gesamtkostenquote (TER). Bei ETFs sind diese Kosten in der Regel deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Fonds.