Das Bestellrhythmusverfahren ist ein Verfahren der Materialwirtschaft, bei dem Bestellungen in festen zeitlichen Abständen – etwa wöchentlich oder monatlich – ausgelöst werden. Im Gegensatz zum Bestellpunktverfahren richtet sich der Bestellzeitpunkt nicht nach dem Erreichen eines Meldebestands, sondern allein nach dem Kalender. Geprüft wird der Bestand somit nur zu den festgelegten Kontrollterminen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist das Bestellrhythmusverfahren?
Beim Bestellrhythmusverfahren legt das Unternehmen einen festen Bestellrhythmus fest, also einen gleichbleibenden Zeitabstand zwischen zwei Bestellungen. Zu jedem Bestelltermin wird ein neuer Auftrag an den Lieferanten gegeben. Die Bestellung sorgt dafür, dass das benötigte Material bis zum nächsten Liefertermin ausreicht. Das Verfahren eignet sich besonders dann, wenn Lieferanten feste Liefertage anbieten oder wenn viele Artikel beim selben Lieferanten gebündelt beschafft werden sollen.
Man unterscheidet zwei Ausprägungen:
- Feste Bestellmenge: Zu jedem Termin wird stets dieselbe Menge bestellt. Einfach zu handhaben, aber unflexibel gegenüber Verbrauchsschwankungen.
- Variable Bestellmenge: Zu jedem Termin wird der Bestand auf ein festgelegtes Höchstniveau aufgefüllt. Die Bestellmenge ergibt sich aus der Differenz zwischen Soll- und Istbestand.
Abgrenzung zum Bestellpunktverfahren
Der entscheidende Unterschied liegt im Auslöser der Bestellung. Beim Bestellpunktverfahren ist der Zeitpunkt variabel und die Menge fest: Bestellt wird, sobald der Bestand den Meldebestand unterschreitet. Beim Bestellrhythmusverfahren ist der Zeitpunkt fest und – je nach Variante – die Menge variabel.
- Vorteil: Der Bestellaufwand ist planbar, Lieferungen lassen sich bündeln, Mengenrabatte sind leichter erreichbar.
- Nachteil: Zwischen den Terminen können Verbrauchsspitzen zu Fehlmengen führen, weshalb ein höherer Sicherheitsbestand nötig sein kann.
Beispiel: Ein Betrieb prüft jeden Montag den Bestand an Schrauben und füllt ihn auf den Höchstbestand von 5.000 Stück auf. Sind am Kontrolltag noch 1.200 Stück vorhanden, werden 3.800 Stück bestellt. In der Folgewoche kann die bestellte Menge je nach Verbrauch wieder anders ausfallen, der Bestellzeitpunkt bleibt jedoch unverändert der Montag.
Vor- und Nachteile in der Praxis
Das Bestellrhythmusverfahren überzeugt vor allem durch seine organisatorische Einfachheit. Da die Bestelltermine im Voraus feststehen, lassen sich Beschaffung, Wareneingangskontrolle und Zahlungsläufe gut planen. Einkäufer können mehrere Artikel desselben Lieferanten in einer Sammelbestellung zusammenfassen und so Bestell- und Frachtkosten senken sowie Mengenrabatte nutzen. Auch die Abstimmung mit festen Liefertouren des Lieferanten gelingt reibungslos.
Dem stehen Nachteile gegenüber: Weil der Bestand nur zu festen Terminen geprüft wird, bleibt ein plötzlicher Mehrverbrauch zwischen zwei Kontrollpunkten zunächst unbemerkt. Um daraus entstehende Fehlmengen zu vermeiden, muss ein vergleichsweise hoher Sicherheitsbestand vorgehalten werden, was die Lagerkosten erhöht. Das Verfahren eignet sich deshalb weniger für hochwertige Artikel mit unregelmäßigem Bedarf, bei denen eine genaue, verbrauchsgesteuerte Disposition vorteilhafter ist.
Häufige Fragen zum Bestellrhythmusverfahren
Wann ist das Bestellrhythmusverfahren sinnvoll?
Es ist sinnvoll bei regelmäßigem, gut prognostizierbarem Verbrauch und bei Lieferanten mit festen Liefertagen. Auch wenn viele Artikel gemeinsam beschafft werden, reduziert der feste Rhythmus den Bestellaufwand.
Welche Rolle spielt der Sicherheitsbestand?
Da zwischen zwei Bestellterminen nicht reagiert werden kann, muss der Sicherheitsbestand mögliche Verbrauchsschwankungen über den gesamten Bestellzyklus abdecken. Er fällt daher tendenziell höher aus als beim Bestellpunktverfahren.
Was bedeutet „feste“ gegenüber „variabler“ Bestellmenge?
Bei fester Bestellmenge wird zu jedem Termin dieselbe Menge geordert. Bei variabler Bestellmenge wird der Bestand jeweils auf ein Höchstniveau aufgefüllt, sodass sich die Menge nach dem tatsächlichen Verbrauch richtet.