Das Bestellpunktverfahren ist ein Verfahren der Bestellmengen- und Bestellzeitpunktplanung, bei dem eine neue Bestellung immer dann ausgelöst wird, sobald der Lagerbestand einen festgelegten Meldebestand (den sogenannten Bestellpunkt) erreicht oder unterschreitet. Es zählt zu den verbrauchsgesteuerten Verfahren der Materialwirtschaft und sorgt dafür, dass Nachschub rechtzeitig vor einer drohenden Lagerleere bestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
Was ist das Bestellpunktverfahren?
Beim Bestellpunktverfahren wird nicht zu festen Terminen, sondern abhängig vom tatsächlichen Lagerbestand bestellt. Sobald der Bestand auf den definierten Meldebestand sinkt, wird automatisch der Bestellvorgang angestoßen. Der Meldebestand wird dabei so kalkuliert, dass die noch vorhandene Menge ausreicht, um den Verbrauch während der gesamten Lieferzeit abzudecken, ohne dass es zu einem Fehlbestand kommt.
Das Verfahren wird auch als Bestellpunktsystem oder Meldebestandsverfahren bezeichnet. Es eignet sich besonders für Güter mit relativ gleichmäßigem Verbrauch und überschaubarer Lieferzeit. Der entscheidende Gedanke dahinter ist, dass nicht ein starrer Kalendertermin, sondern der reale Bedarf den Bestellzeitpunkt bestimmt. Dadurch reagiert das System flexibel auf den tatsächlichen Lagerabgang und vermeidet sowohl unnötig hohe Bestände als auch kostspielige Lieferengpässe. In der Praxis wird der Meldebestand häufig in Warenwirtschaftssystemen hinterlegt, die beim Erreichen automatisch einen Bestellvorschlag erzeugen.
Berechnung des Bestellpunkts
Der Bestellpunkt setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: dem voraussichtlichen Verbrauch während der Lieferzeit und einem Sicherheitsbestand als Puffer gegen Schwankungen. Die Grundformel lautet:
- Meldebestand = (durchschnittlicher Tagesverbrauch × Lieferzeit in Tagen) + Sicherheitsbestand
- Der Verbrauch während der Lieferzeit deckt den laufenden Bedarf bis zur Lieferung ab.
- Der Sicherheitsbestand fängt unerwartete Verbrauchsspitzen oder Lieferverzögerungen ab.
Beispiel: Verbraucht ein Betrieb täglich 50 Einheiten, beträgt die Lieferzeit 4 Tage und der Sicherheitsbestand 100 Einheiten, ergibt sich ein Meldebestand von (50 × 4) + 100 = 300 Einheiten. Sobald der Lagerbestand auf 300 Einheiten fällt, wird bestellt.
Vor- und Nachteile sowie Abgrenzung
Das Bestellpunktverfahren bietet den Vorteil, dass stets bedarfsgerecht und unabhängig vom Kalender bestellt wird. Dadurch lassen sich Lagerkosten senken und Fehlmengen vermeiden. Zu beachten sind aber auch Schwächen:
- Vorteil: bestandsorientierte, verbrauchsnahe Bestellauslösung
- Vorteil: geringe Gefahr von Fehlbeständen bei korrekt kalkuliertem Sicherheitsbestand
- Nachteil: laufende Bestandsüberwachung erforderlich
- Nachteil: bei stark schwankendem Verbrauch schwer kalkulierbar
Vom Bestellpunktverfahren abzugrenzen ist das Bestellrhythmusverfahren, bei dem in festen Zeitabständen unabhängig vom Bestand bestellt wird. Während das Bestellrhythmusverfahren feste Bestelltermine, aber variable Mengen vorsieht, arbeitet das Bestellpunktverfahren mit einer festen Auslösegrenze bei flexiblem Zeitpunkt. In modernen Lagerhaltungssystemen werden beide Ansätze oft kombiniert, um die jeweiligen Vorteile zu nutzen und eine möglichst wirtschaftliche Lagerhaltung sicherzustellen.
Häufige Fragen zum Bestellpunktverfahren
Was ist der Unterschied zwischen Bestellpunkt und Meldebestand?
Die Begriffe werden meist synonym verwendet. Der Meldebestand ist der konkrete Bestandswert, bei dessen Erreichen der Bestellpunkt ausgelöst wird. Sinkt der Lagerbestand auf diesen Wert, wird die Bestellung angestoßen.
Wann lohnt sich das Bestellpunktverfahren?
Es eignet sich vor allem für Materialien mit gleichmäßigem Verbrauch und planbarer Lieferzeit. Bei sehr unregelmäßigem Bedarf oder schwer prognostizierbaren Lieferzeiten ist die Kalkulation des Meldebestands schwieriger.
Welche Rolle spielt der Sicherheitsbestand?
Der Sicherheitsbestand ist ein Puffer, der unerwartete Verbrauchsspitzen oder verspätete Lieferungen abfängt. Ohne ihn würde schon eine kleine Abweichung zu einem Fehlbestand führen. Er ist daher fester Bestandteil der Bestellpunktberechnung.