Unternehmensbewertung: Methoden, Verfahren und Beispiele

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Die Unternehmensbewertung ist ein zentrales Thema in der Betriebswirtschaftslehre und besonders relevant bei Unternehmenskäufen, Fusionen, Börsengängen oder Erbschaften. Ziel ist es, den wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens möglichst objektiv zu ermitteln. In der Praxis kommen verschiedene Bewertungsverfahren zum Einsatz, die sich in ihrem Ansatz grundlegend unterscheiden.

Die drei Hauptverfahren im Überblick

Verfahren Grundprinzip Typische Anwendung
Ertragswertverfahren Barwert zukünftiger Erträge KMU, Praxis in Deutschland (IDW S1)
DCF-Verfahren Barwert zukünftiger Free Cash Flows Internationale Bewertungen, M&A
Substanzwertverfahren Summe aller Vermögenswerte abzüglich Schulden Liquidation, als Untergrenze
Multiplikatorverfahren Vergleich mit ähnlichen Unternehmen Schnelle Erstbewertung, Plausibilitätsprüfung

DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow)

Das DCF-Verfahren ist international am weitesten verbreitet. Es berechnet den Unternehmenswert als Barwert aller zukünftigen freien Cash Flows:

Unternehmenswert = Σ (FCF_t / (1 + WACC)^t) + Restwert / (1 + WACC)^n

Als Diskontierungszinssatz wird typischerweise der WACC verwendet.

Beispiel: Vereinfachte DCF-Bewertung

Ein Unternehmen erwirtschaftet folgende prognostizierte Free Cash Flows bei einem WACC von 8 %:

Jahr Free Cash Flow Barwert (bei 8 %)
1 500.000 € 462.963 €
2 550.000 € 471.536 €
3 600.000 € 476.297 €
Restwert (ab Jahr 4) 8.100.000 € 6.430.814 €

Unternehmenswert = 462.963 + 471.536 + 476.297 + 6.430.814 = ca. 7.841.610 €

Der Restwert wurde über die ewige Rente berechnet: FCF₃ × (1 + g) / (WACC – g) = 600.000 × 1,02 / (0,08 – 0,02) = 10.200.000 €, abgezinst auf heute.

Multiplikatorverfahren

Beim Multiplikatorverfahren wird der Wert über Kennzahlen vergleichbarer Unternehmen geschätzt, z. B.:

Multiplikator Formel Typischer Bereich
KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) Unternehmenswert = Jahresüberschuss × KGV 10–25
EV/EBITDA Enterprise Value = EBITDA × Multiplikator 6–12
EV/Umsatz Enterprise Value = Umsatz × Multiplikator 0,5–3

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Prüfungstipp: In Klausuren wird häufig das DCF-Verfahren in vereinfachter Form abgefragt. Achte darauf, den Restwert (Terminal Value) nicht zu vergessen – er macht oft 60–80 % des gesamten Unternehmenswerts aus.

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